Der Politflüsterer

Über den Postlauf, Polizeiwagen an der Mosel, Wildschweine in Schengen und eine mysteriöse Substanz im Wasser

Hauptsache dabei sein, denkt der Politflüsterer. Diese Woche geht es um den Postlauf, Polizeiwagen an der Mosel, Wildschweine in Schengen und eine mysteriöse Substanz im Wasser.

Postlauf-Teilnehmer mit Tröte beim gemeinschaftlichen Lauf-Event für Teamgeist und Spaß

Dabei sein ist alles – mit Tröte und gutem Willen: Wirtschaftsminister Lex Delles und Premierminister Luc Frieden Foto: Carole Ries

Es zieht den Politflüsterer des Öfteren an die Mosel. Demnächst womöglich noch öfter. In Grevenmacher braut sich nämlich was zusammen. Aber psst!

Auch in Mertert tat sich etwas: eine mysteriöse, ölige Substanz. Was genau sie ist, woher sie stammt, wer sie geschickt hat: seit Sonntag ein Fall für „Aktenzeichen XY ungelöst“. Erkenntnis: Irgendwas ist immer. Manchmal schwimmt es sogar obenauf.

Genau wie die beiden Polizeiwagen vor dem Tunnel Markusberg in Richtung Schengen. Ein deutscher, ein luxemburgischer. Europäische Sicherheitsarchitektur. Ohne Klo, ohne Imbiss. Vielleicht stehen sie deshalb immer zu zweit dort. Wenn der eine kurz zur Tanke muss, passt der andere auf, dass niemand unbemerkt nach Deutschland entschlüpft. Einige munkeln bereits, die Luxemburger seien vor allem da, um sicherzustellen, dass die Deutschen keine Dummheiten machen.

Neulich standen dort sogar drei Polizeiwagen. Dazu ein kameraähnliches Gerät. Geschwindigkeitsmessung? Ausgerechnet dort, wo wegen der ewigen Brückenreparatur ohnehin nur kriechender Verkehr möglich ist. Der Staat misst eben gern dort, wo sich Widerstand kaum noch lohnt. Immerhin hat das Ganze auch sein Gutes: Wer im Stau an den Beamten vorbeizuckelt, kann sie ausgiebig betrachten. Freudig erregt wirken sie nicht. Offenbar wissen sie das be-rauschende Erlebnis am Straßenstrich nicht ausreichend zu schätzen.

Cut. Beim Postlauf hatte der Politflüsterer offen gesagt mit mehr Politflitzern gerechnet. Am Ende liefen, soweit zu erkennen, genau drei: Max Hahn, Georges Mischo und Léon Gloden. Andere, wie Lex Delles und Luc Frieden, standen lieber am Wegesrand, mit Tröte in der Hand und dem guten Willen im Gesicht. Dabeisein ist alles. In der politischen Leichtathletik ist Zusehen und Mitklatschen schließlich längst eine anerkannte Disziplin.

Homöopathisch lösen lässt sich die nächste Schweinerei nicht. Die Wildschweine in der Gemeinde Schengen werden nicht weniger, sondern frecher. Gärten, Weinberge, Straßenränder: alles ein All-you-can-eat-Buffet. Lösung?

Wegweisung? Ausweisung? Umsiedlung mit Sozialplan? Dialogprozess mit Rottenvertretung? Guter Rat ist teuer. Manche haben längst eine rustikale Antwort parat: abschießen, dezimieren, im großen Stil, gern auch nachts. Bloß ist nicht alles erlaubt, was dem Frust entgegenkäme. Warum eigentlich, fragt der Politflüsterer. Na, weil es im CSV-geführten Umweltministerium noch immer viele grüne Gene gebe, sagt einer. An der Mosel wird viel erzählt. Aber selten ganz ohne Grund. (Marco Goetz)

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