Editorial

Bauchlandung Bio-Plan: Luxemburger Landwirtschaft wird Ziel der Regierung nicht erreichen

Bioprodukte sind meistens teurer als konventionelle Lebensmittel

Bioprodukte sind meistens teurer als konventionelle Lebensmittel Foto: Editpress/Tania Feller

Ab 2050 sollen im Großherzogtum nur noch Bio-Kartoffeln angebaut, Bio-Kühe gemolken und Bio-Weizen geerntet werden. Die Luxemburger Landwirtschaft soll komplett auf Öko umsteigen. Das steht jedenfalls im Koalitionsabkommen der momentanen Regierung. Im selben Dokument steht auch, dass – als Zwischenetappe – bis 2025 insgesamt 20 Prozent der Anbaufläche für Bioprodukte benutzt werden sollen. Das sind 25.000 Hektar. Vergangenes Jahr waren es laut Webseite des Aktionsplans PAN Bio 8.460 Hektar. Mittlerweile, am Ende dieser Legislaturperiode, ist klar: Der Bio-Plan der Regierung ist fehlgeschlagen.

Das kann man, zwei Jahre vor dem Ablaufen der Frist, ohne zu zögern behaupten. Das Ziel ist zu weit weg, der Fortschritt der vergangenen Jahre zu gering. Auch Christian Wester, Präsident der „Centrale paysanne“, glaubt im Tageblatt-Interview nicht daran, dass es noch erreicht werden kann. „Ziemlich unrealistisch“, so die Prognose. Bio-Bauer Luc Emering findet noch klarere Worte: „Das Ziel werden wir bis 2025 niemals erreichen.“ Der Wille, PAN Bio voranzubringen, sei nicht groß genug gewesen.

Schaut man sich an, wie sich die Zahl der Biobauern von 2021 auf 2022 entwickelt hat, kommt man nicht daran vorbei, dem Jungbauer recht zu geben. Kein einziger „Landwirt“ oder Imker ist laut PAN-Bio-Webseite auf Bio umgestiegen – und nur ein einziger Gemüsegärtner und Winzer. Immerhin ist die Zahl der Bio-Obstbauern von 16 auf 23 angestiegen und bei den kleinen Zuchtbetrieben waren es 2022 drei mehr als 2021. „Wenn man aufschreiben würde, was in dieser Hinsicht in den zwei vergangenen Jahren passiert ist, dann wären das zwei Zeilen“, kommentiert Emering den fehlenden Fortschritt.

Der Umstieg auf ökologische Landwirtschaft muss sich finanziell lohnen – und das ist momentan nicht der Fall. Ohne die Geldmittel als Motivation werden viele Bauern eher nicht den Schritt zu Bio gehen – vor allem nicht, wenn sie, wie Landwirt Christian Wester, der Meinung sind, dass es sich dabei nur um einen Trend handelt. „Man muss schauen, wie lange der anhält. Vor 30 Jahren kamen Light-Produkte, dann Bio und heute Lokales“, meint der Präsident der „Centrale paysanne“. Zu solchen Aussagen gesellt sich dann auch noch der Umstand, dass laut Oekozenter-Umfrage 86 Prozent der Teilnehmer eine generelle Skepsis gegenüber den Maßnahmen der Regierung empfinden.

Die Betriebe, die sich aus Überzeugung für Bio entscheiden, haben dies jetzt zum größten Teil getan. Für alle anderen sind weitere Anreize nötig. Es reicht nicht aus, eine Zahl als Ziel in den Raum zu werfen und mit ein paar lauwarmen Werbekampagnen und halbgaren Maßnahmen das Beste zu hoffen. Der Umstieg auf Bio ist wichtig – und nicht nur ein „Trend“. So unrealistisch wie die Bio-Wende momentan noch wirkt, ist das Bestreben nach 100 Prozent Ökolandwirtschaft trotzdem ein essenzieller Teil des Natur- und Umweltschutzes, der es verdient, ausreichend gefördert zu werden.

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