Der Politflüsterer
Backes und Delles und die späte Begrüßung der Marie A.
Mit den Luxemburg-Italien-Tickets wollten einige offenbar das große Geschäft machen, aus der Osaka-Expo wurden Einkaufstaschen und eine bedeutende Dame muss bis mitten in die Sommerferien auf ihren großen Fototermin warten. Der Politflüsterer blickt zurück auf die Woche.
Auch am 29. Juli wollen sie gemeinsam mit Marie A. aufs Foto: Yuriko Backes und Lex Delles Foto: Editpress/Julien Garroy
Bald ist Fußball-Weltmeisterschaft. Höchste Zeit also, sich wieder etwas intensiver mit dem runden Leder zu beschäftigen. Zum Beispiel mit Luxemburg gegen Italien. Nächste Woche.
Ein Riesengeschäft, dürften sich wohl einige gedacht haben, als der Ticketverkauf angekündigt wurde. Dieselben Leute klagen nun offenbar bitterlich. Die Karten, die man gleich stapelweise gekauft habe, um sie mit sattem Gewinn weiterzuverkaufen, werde man plötzlich nicht mehr richtig los. Zumindest nicht zu den erhofften Preisen.
Tja. Italien ist eben nicht mehr automatisch die sichere Fußballnummer von früher. Und statt großer Weltmeister-Namen kommen inzwischen viele junge, weniger bekannte Spieler. Den Politflüsterer würde es jedenfalls nicht wundern, wenn Luxemburg das Spiel gewinnen würde. Eine Sensation natürlich. Und plötzlich wären all die Tickets doch wieder Gold wert.
Dabei sein ist alles. Wie beim Eurovision Song Contest will Luxemburg selbstverständlich auch bei den Weltausstellungen mitmachen. Demnächst, 2030, in Riad, Saudi-Arabien. Günstig wird das Ganze für den Steuerzahler jedenfalls nicht. Und als Wochenendausflug taugt die Sache auch nur bedingt.
Wie so oft bei solchen Großevents bleibt am Ende aber vor allem eine Frage: Was hat das Ganze eigentlich gebracht?
Beruhigend immerhin, zu wissen, dass aus Teilen der Luxemburger Installation der Weltausstellung in Osaka Einkaufstaschen gemacht werden und andere Elemente ebenfalls weiterverwendet werden sollen. Nicht umsonst wurde der Luxemburger Pavillon als nachhaltigster Pavillon ausgezeichnet. Weniger nachhaltig blieb allerdings die Erinnerung daran, was Luxemburg dort überhaupt aussagen und erreichen wollte. Der Politflüsterer hat das ehrlich gesagt schon wieder vergessen.
Themenwechsel. Erst Ende Juli soll die historische „Marie-Astrid Europa“ offiziell in Schengen eingeweiht werden. Ende Juli? Das klingt fast ein wenig nach: möglichst heimlich, still und leise. Psst. Europa. Nicht zu laut darüber reden. Am besten dann, wenn halb Luxemburg in den Ferien ist.
Ganz einfach dürfte allerdings auch die Terminfindung nicht gewesen sein, wenn gleich zwei Minister mit aufs Foto wollen. Backes und Delles haben mit Symbolik offenbar nicht ganz so viel am Hut. Denn der 14. Juni wäre doch eigentlich das perfekte Datum gewesen: der 41. Jahrestag der Unterzeichnung des Schengener Abkommens. Immerhin handelt es sich bei der „Marie-Astrid“ um genau jenes Schiff, auf dem das Abkommen unterschrieben wurde.
Aber gut. Wahre Freunde der „Marie-Astrid“ haben das Schiff ohnehin längst mehrfach inoffiziell begrüßt. Das sagt einer, der es wissen muss: der Politflüsterer. (Marco Goetz)