Der Politflüsterer

Armutszeugnisse: Von A wie Anstrengung bis Z wie Zug

Ins Weltall, aber nicht zum Zug. Große Anstrengungen, unbezahlbare Mieten. Peinliche Opposition und fürstliche Bevormundung. Zudem norwegischer Toilettenhumor. Und Obama for President. Des Politflüsterers Wochenrückblick.

Barack Obama ist nicht still, und das freut den Politflüsterer außerordentlich

Barack Obama ist nicht still, und das freut den Politflüsterer außerordentlich Foto: Erin Hooley/AP/dpa

Luxemburg will ins Weltall. In Wasserbillig wäre man schon froh über einen Zugang zum Zug. Den gibt es dort nämlich nicht für jeden. Wenn deshalb heute Menschen über die Gleise getragen werden müssen, um ihren Zug zu erreichen, ist das ein Armutszeugnis. Wer vor jeder Stufe überlegen muss, wie es weitergeht, will nicht auf 2036 vertröstet werden.

Der Politflüsterer hätte da einen Vorschlag: Abgeordnete und Regierungsmitglieder eine Woche lang in einen Rollstuhl setzen und durchs Land schicken. Vielleicht kommt die Umsetzung des PMR-Gesetzes dann endlich in die Gänge.

Für die einen scheitert ein selbstständiges Leben an einer Treppe, für die anderen an der Miete. Am Montag tagte erstmals das Wohnungsbau-Begleitkomitee. Die öffentlichen Anstrengungen seien noch nie so groß gewesen, erklärte die Regierung. Groß genug zum Einziehen sind sie trotzdem nicht. Am Dienstag demonstrierten Jugendorganisationen vor der Chamber für bezahlbaren Wohnraum. Noch heißt es nicht: Krieg den Palästen! Aber in den Hütten finden die Menschen immer weniger Frieden.

Etwas mehr Rebellentum täte dem Land gut. Nein, nicht das oft aufgesetzt wirkende Rebellische im Wesen der Oppositionsparteien, vor allem auf kommunaler Ebene. Klingt nach viel Lamento und wenig Lametta. Die Parteifarbe ist dabei selten von großer Bedeutung. Man sei in seiner Rolle. Aha!? Und dann steht im Drehbuch: Rücktritt fordern! Sieht nach B-Movie aus. Oft nur peinlich. Weil man lieber Personen abschießt, als Probleme zu lösen.

Peinlich auch der Erbirgendwas von Liechtenstein. Das Parlament sagt Ja zu einem liberaleren Abtreibungsrecht. Er sagt Nein – Veto. Selbstbestimmung ist eben eine feine Sache. Besonders, wenn man selbst über andere bestimmen darf. Es dunkelt sehr, denkt der Politflüsterer.

Tja, und wieder kein Friedensnobelpreis für Trump. Der nahm es auf seine Weise und beschimpfte Norwegen als „shithouse country“. Die Tourismusorganisation Visit Norway antwortete mit Bildern ihrer schönsten öffentlichen Toiletten. Mit Fjordblick. Zum Innehalten und Wieder-zur-Besinnung-Kommen. Trump wollte einen Platz unter den großen Friedensstiftern. Die Norweger zeigen ihm erst einmal ein stilles Örtchen.

Nicht still, und das freut den Politflüsterer außerordentlich, ist Barack Obama. Eloquent und elegant stichelt er im Vorfeld der Midterm-Wahlen gegen Trump, nennt diesen „you know who“. Der Mann, der seinen Namen am liebsten überall in Gold sieht, bekommt bei Obama nicht einmal einen.

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