Der Politflüsterer

ADR, bitte unten rechts

Regierungsbildung ist wie Puzzeln: Am Ende muss alles passen

Regierungsbildung ist wie Puzzeln: Am Ende muss alles passen Foto: FREEP!K

Der Wahlflüsterer nennt sich ab jetzt Politflüsterer. Keine Bange, beobachten und satirisch kommentieren wird er weiterhin. Denn auch wenn das Superwahljahr gelaufen ist, bleibt die Politbühne spannend.

Ein Beispiel. Eric Thill. Der Mann hat’s nicht leicht – zumindest nicht als Kulturminister. Er sei halt da, weil noch ein Minister aus dem Norden gebraucht wurde, sprechen einige offen aus, was viele denken. Wohl auch deshalb sei er erst am 12. November gefragt worden, das Amt zu übernehmen, wurde dem Politflüsterer erzählt. Verständlich, dass es nur drei Tage später, bei der Vorstellung der Mannschaft, so aussah, als sei Thill aus dem Hut gezaubert worden. Bei den Walfer Bicherdeeg am vergangenen Wochenende dürfte dem 30-Jährigen dann schnell klar geworden sein, was er tun muss: nämlich zum Bücherwurm mutieren und sich in die Sache reinfuchsen. Warum nicht einfach mal den „Renert“ lesen!? Michel Rodanges Blick auf die Luxemburger Gesellschaft könnte Thill aus Schieren bestimmt gefallen.

Nachvollziehbarer wäre es natürlich gewesen, denkt sich der Politflüsterer, wenn die DP ihre Kandidatin, die baldige Ex-Direktorin von Esch2022 Nancy Braun, in die Arena geschickt hätte. Mutig hat sie versucht, eine etwas andere Kultur in den Süden des Landes zu tragen. Zum Unmut einiger CSV-Granden, aber da war deren Partei ja noch nicht in der Regierung.

Ins Kulturministerium kann Braun natürlich immer noch. Dann als hohe Beamtin, wenn ein anderer hoher Beamter, nämlich Jo Kox, der Versuchung erliegt, im Januar 2024 in Rente zu gehen. Hinter dem, hoffentlich erfolgreichen, Kulturminister würde dann zumindest eine starke, kompetente Frau stehen. Immerhin habe sie maßgeblich am Kulturteil des Regierungsabkommens mitgearbeitet, heißt es.

Der Politflüsterer nimmt diese Personalien gelassen. Andere Fragen beschäftigen ihn da durchaus mehr. Nämlich, warum Gérard Schockmel nicht Gesundheitsminister wurde. Oder warum das Luxemburger Wort am Mittwoch dieser Woche auf einer Bildseite die Auflistung der Abgeordneten mit der ADR beginnt. Erste Reihe, oben links, statt dort wo sie hingehört, nämlich unten – ganz unten  – rechts. (Marco Goetz)

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