Kommentar
155 Kilometer für nichts: Wenzel ist nach der Jury-Entscheidung der große Verlierer
Mats Wenzel hätte der große Gewinner der 3. Etappe sein können – verdient gehabt hätte er es allemal. Doch nach einer umstrittenen Jury-Entscheidung steht der Luxemburger am Ende mit leeren Händen da. 155 Kilometer Einsatz für nichts.
Mats Wenzel steht nach einer zweifelhaften Jury-Entscheidung bei der Vuelta mit leeren Händen da Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Eines vorweg: Dass die 3. Etappe der Vuelta a España am Montag abgebrochen wurde, war die richtige Entscheidung der Organisatoren. Heftiger Regen und sogar einsetzender Hagel machten ein sicheres Weiterfahren unmöglich. Die Straßen waren rutschig, die Sicht schlecht, und im Finale wartete noch eine kurze Abfahrt, die unter diesen Bedingungen schlicht zu gefährlich gewesen wäre. Gerade weil Organisatoren im Radsport immer wieder dafür kritisiert werden, die Fahrer großen Risiken auszusetzen, ist der Abbruch in diesem Fall absolut nachvollziehbar – und sogar ein richtiges Zeichen.
Hinterfragen lässt sich allerdings die Entscheidung, die gesamte Etappe zu annullieren. Bitter ist das vor allem für Mats Wenzel. Der Luxemburger hatte mehr als 155 Kilometer an der Spitze des Rennens verbracht, war schließlich allein davongefahren, ehe Lorenzo Fortunato zu ihm aufschloss. Wenzel hatte enorme Anstrengungen auf sich genommen, sich durch Regen und Hagel gekämpft und anschließend den Bergsprint am Col de Mont-Louis, einem Berg der 1. Kategorie, gewonnen. Dafür hätte er zehn Punkte erhalten und damit die Führung in der Bergwertung übernommen.
Am Ende entschied die Jury jedoch, die komplette Etappe aus der Wertung zu nehmen. Um es aus Wenzels Sicht zu sehen: Alles war umsonst. Kein Bergtrikot, kein Preis als kämpferischster Fahrer – und somit keine Anerkennung für die mehr als 155 Kilometer, die er zuvor an der Spitze gefahren war.
Im Tageblatt-Interview erinnert der enttäuschte Wenzel deshalb an einen ähnlichen Fall bei der Tour de France 2019. Auf der 19. Etappe wurde damals das Rennen wegen eines Unwetters abgebrochen. Die Zeiten für die Gesamtwertung wurden am Col de l’Iseran genommen und nicht erst am ursprünglich vorgesehenen Ziel. Julian Alaphilippe verlor dadurch sogar das Gelbe Trikot an Egan Bernal. Die Anstrengungen der Radsportler wurden damals also noch belohnt.
Natürlich lässt sich argumentieren, dass ein Rennen, das nicht regulär beendet werden kann, auch nicht vollständig gewertet werden sollte. Aber vielleicht sollte man im Radsport gerade in solchen außergewöhnlichen Situationen differenzierter vorgehen. Die Sicherheit der Fahrer muss immer Vorrang haben – ihre bereits erbrachte Leistung muss deshalb aber nicht zwangsläufig wertlos werden. Für Wenzel bleibt am Ende die bittere Erkenntnis: Er hat mehr als 155 Kilometer alles gegeben, sich durch den Regen gekämpft und den Bergsprint gewonnen – und steht trotzdem mit leeren Händen da.