Digitalisierung

eGovDay: Wie Luxemburg KI in den Staatsapparat integrieren will

Mit KI will die Regierung die digitale Modernisierung des Landes vorantreiben. Das Digitalisierungsministerium und das CTIE haben am Donnerstag neue Plattformen und Instrumente vorgestellt. Datenschutz und Transparenz sollen an oberster Stelle stehen.

Stéphanie (DP) präsentiert die KI- und Datenstrategie der luxemburgischen Digitalisierungsregierung

Die luxemburgische Regierung setzt auf Daten und Künstliche Intelligenz: Stéphanie (DP) enthüllt die Pläne des Digitalisierungsministeriums Foto: Editpress/Georges Noesen

Die Digitalisierung der Luxemburger Verwaltungen hat auf dem eGovDay am Donnerstag den nächsten Schritt gemacht. Das Ministerium für Digitalisierung und das „Centre des technologies de l’information de l’État“ (CTIE) planen, eine bessere und sichere Nutzung staatlicher Daten im wissenschaftlichen Rahmen zu ermöglichen. Die Luxemburger Regierung hat sich im Mai 2025 eine „Data Strategy“ an die Hand gegeben, im Dezember vergangenen Jahres stimmte die Chamber dem europäischen „Data Governance Act“ zu, um der Datenverwaltung in Luxemburg eine juristische Grundlage zu liefern und „dem Land, der Forschung und der Politik zu helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, so Digitalisierungsministerin Stéphanie Obertin (DP).

Dazu hat die Regierung nun einen Datenkatalog erstellt. Dieser wurde am Donnerstag mit der Internetplattform letzdata.lu, der „Luxembourg Data Factory“, vorgestellt. Der Zugang zu Daten, die im öffentlichen Sektor verfügbar sind, soll wissenschaftlichen Akteuren vereinfacht werden. Das Ministerium erklärt auf Nachfrage des Tageblatt, dass jede natürliche oder juristische Person Zugang zu diesen Daten beantragen kann, solange gewährleistet ist, dass anhand der Daten statistische Analysen, Bildungs- und Ausbildungsprojekte, wissenschaftliche und historische Forschung sowie die Auswertung luxemburgischer und europäischer Politiken durchgeführt werden. Ziel sei es, Forschung und Recherche unter möglichst guten Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Im Endeffekt sieht man ziemlich genau, wo und für was KI eingesetzt wird

Stéphanie Obertin

Digitalisierungsministerin

Die zur Verfügung gestellten Daten werden von der Regierung in einem sicheren digitalen Umfeld vom CTIE zur Verfügung gestellt und dürfen die Landesgrenzen laut Obertin nicht verlassen. Die Daten werden anonymisiert und pseudonymisiert, der Zugriff ist nur für einen genehmigten Zeitraum möglich. Nicht anonymisierte Ergebnisse dürfen die Forschenden nicht aus dem digitalen Sandkasten exportieren. Die Bürger haben laut „Data Governance Act“ auf die Wiederverwendung ihrer Daten keinen Einfluss. Wie Ministerin Obertin betont, bestehe die Regierung jedoch auf größtmöglicher Transparenz: Entscheidungen, wer auf welche Datensätze zugreifen kann und wem der Zugriff verweigert wurde, sollen öffentlich auf letzdata.lu einsehbar sein.

KI im öffentlichen Dienst

Zusätzlich zu der Datenwiederverwendung wird Künstliche Intelligenz weiter in das luxemburgische Verwaltungssystem integriert, kündigte Obertin am Donnerstag an. Das Ziel der Regierung sei die Verbesserung der Qualität und Effizienz öffentlicher Dienstleistungen. Die KI solle Beamte künftig dabei unterstützen, bestimmte Aufgaben schneller zu erledigen und die Verarbeitung von Informationen zu verbessern. Bereits seit Januar kommt in den Luxemburger Verwaltungen eine KI in Form eines Chatbots zum Einsatz. Mit dem neuen Dienst „AI Model as a Service“ soll der Anwendungsbereich der KI ausgeweitet werden – ein konkretes Beispiel wurde am Donnerstag jedoch nicht genannt. Dafür wird den Beamten eine KI-Charta zur Verfügung gestellt, die Richtlinien zu menschlicher Kontrolle, Datenschutz, Transparenz, Zuverlässigkeit der Ergebnisse, Respekt der Grundrechte und verhältnismäßigem Einsatz von KI beinhaltet. „Im Endeffekt sieht man ziemlich genau, wo und für was KI eingesetzt wird“, betont die DP-Ministerin.

Auf Nachfrage, wie die Regierung KI in der Politik benutzen wolle, erklärt Obertin, dass Daten und KI dabei helfen sollen, bestehende Initiativen und Maßnahmen der Ministerien zu bewerten. Ein konkretes Beispiel wurde nicht genannt. Der Staat verfüge über eine KI-Infrastruktur, die es ermögliche, Daten auszuwerten, ohne über das öffentliche Netz auf Large Language Models (LLM) zurückzugreifen. Im März hatte Luxemburg auch eine Partnerschaft mit dem französischen KI-Unternehmen MistralAI abgeschlossen.

eGovDay

Der eGovDay ist eine jährliche Fachveranstaltung, die vom Ministerium für Digitalisierung und vom „Centre des technologies de l'information de l'État“ (CTIE) organisiert wird, um einen wissenschaftlichen Austausch über Themen wie E-Governance, digitalen Wandel und Effizienzsteigerung der Behörden zu halten. Es geht um den Austausch zwischen Staat und Akteuren, um die digitale Transformation des luxemburgischen Staates voranzubringen und Dienstleistungen zu modernisieren.

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