Tradition

Wie in Rodange seit 70 Jahren eine Burg in Flammen aufgeht

Seit sieben Jahrzehnten organisiert die „Amicale Nidderréideng Rodange“ auf dem Dänneknippchen das „Burgbrennen“ – Generation für Generation. Zum Jubiläum steht ein ganz besonderes Fest vor der Tür. Ein Besuch beim Aufbau zeigt, warum diese Tradition bis heute lebt.

Kinderburg aus Holz im Bau, 2,5 Meter hoch, Spielplatz für Kinder, sicher und langlebig

2,5 Meter wird die Kinderburg in die Höhe gebaut Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Am Samstag zwischen neun und drei wird auf der „Dänneknippchen“ emsig gearbeitet. Drei Männer stehen hoch oben auf einem hölzernen Turm, unten werden Stämme, Paletten und Tannenbäume weitergereicht, gesichert und nach oben gezogen. Akkuschrauber surren, jemand ruft: „Ich brauch noch einen Stamm. Am besten möglichst gerade.“ Stück für Stück, Meter für Meter wächst die „Burg“ für das Burgbrennen in Rodange in die Höhe.

Ausgerichtet wird das Fest am 22. Februar von der „Amicale Nidderréideng Rodange“ – und der Verein hat in diesem Jahr etwas ganz Besonderes zu feiern: Zum 70. Mal wird auf der „Dänneknippchen“ am Titelberg eine Burg errichtet und anschließend abgebrannt.

Morgens wird gebaut, am Nachmittag zusammen gegrillt

Puttes

Mitglied der Amicale Nidderréideng Rodange

Doch bevor die Flammen lodern können, muss die Burg erst einmal stehen.

„Wir beginnen Ende Dezember mit den Vorbereitungen“, sagt Ludwig, von allen nur „Puttes“ genannt. Der gut gelaunte ältere Herr steht an den Schienen des „Train 1900“, die direkt an der Burg vorbeiführen. „Dann gehört fast jeder Samstag dem ‚Buergbrennen‘. Erst müssen wir die Bäume, wenn sie gefällt und per Pferd aus dem Wald gezogen wurden, auf Drei-Meter-Maß schneiden und hertransportieren. Dann wird der zentrale Stamm gesetzt. Und dann geht das hier los: Morgens wird gebaut, am Nachmittag zusammen gegrillt.“

Burgbauer stehen vor ihrem 10 Meter hohen robusten Holzturm auf dem historischen Burggelände

Die Burgbauer vor ihrem 10 Meter hohen Holzturm Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Seit 25 Jahren ist Puttes im Verein tätig. Über den Fußball sei er „rekrutiert“ worden. „Als ich angefangen habe, waren es meist nur Ältere. Doch in den vergangenen Jahren sind viele Junge dazugekommen.“ 50 Mitglieder zählt die Amicale nun. Das freut ihn – und macht Hoffnung, dass die Tradition noch lange erhalten bleibt.

Ältere Mitglieder wie Puttes geben ihr Wissen an die nächste Generation weiter. Man werde richtig „angelernt“, ehe man in luftiger Höhe bauen darf. Aber auch die jüngsten Vereinsmitglieder dürfen sich bereits näher am Boden an der Kunst üben: Neben der großen, rund zehn Meter hohen Burg, die stolz in die Höhe ragt und so über Rodange thront, dass ihr Abbrennen weithin sichtbar ist, wächst eine Kinderburg von etwa 2,5 Metern. „Das ist schon ein besonderes Highlight für die Kleinen, wenn sie die Burg selbst abfackeln dürfen“, sagt Puttes.

Puttes beim Mannschaftstraining, langjähriges Mitglied seit 25 Jahren, Teamgeist und Erfahrung im Fußball

Puttes gehört seit 25 Jahren zum harten Kern der Mannschaft Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Burgenbauen im Laufe der Zeit

Heute machen moderne Maschinen wie Kräne und Akkuschrauber das Burgbauen etwas leichter. „Doch beim Hochziehen braucht es immer noch Muskelkraft“, schmunzelt Puttes. Etwa 160 Tannen werden verbaut, dazu kommen 200-300 Paletten, Weihnachtsbäume von der „Maison de soins“ in Petingen und Stroh. Die heutige Turmform gibt es seit rund 30 Jahren. Davor wurde die Burg ganz klassisch in Kreuzform gebaut – mit alten Reifen. „Doch die wurden aus Umweltschutzgründen verboten“, erzählt Puttes.

„Als ich angefangen habe, haben wir den zentralen, 13 Meter langen Stamm zu zwanzig Mann hochgetragen“, erinnert er sich. „Dann wurde ein Loch ausgehoben, der Stamm mit langen Holzstangen Stück für Stück aufgerichtet und mit Holzstöcken gesichert.“ Etwa zur gleichen Zeit wurde mit alten Zugschienen eine Transportrampe gebaut, um Stämme und Paletten leichter auf das Burgplateau zu bringen. Davor behalf man sich mit einer provisorischen Seilbahn, die an einem Traktor befestigt war.

Muskelbetriebener historischer Lift unterstützt seit 30 Jahren den Burgbau bei schwerem Transport

Der mit Muskelkraft betriebene „Lift“ hilft seit rund 30 Jahren beim Burgbau Foto: Editpress/Hervé Montaigu

„Früher haben wir große Nägel benutzt, die wir alle per Hand einklopfen mussten. Heute wird alles verschraubt – mit dem Akkuschrauber geht das ruckzuck“, erklärt Puttes. Da Metall nicht mitverbrennt, kommt der Verein gegen Ostern noch einmal auf den Berg. „Dann gibt es einen Großputz und wir sammeln alles wieder ein, damit der Ort fürs nächste Jahr sauber ist.“

Passé ist auch das Feuerwerk, das bis zur Pandemie vom Verein an diesem Abend abgeschossen wurde. „Das hat man – bei gutem Wetter – bis nach Steinfort gesehen“, erinnert sich Puttes. Finanziert wurde es durch Spenden, die im Dorf gesammelt wurden.

Während der Pandemie hat der Verein damit aufgehört – auch wegen der Auswirkungen auf Tiere. Doch zum 70-jährigen Jubiläum soll es wieder etwas Besonderes geben: Geplant ist eine Lasershow, die rund eine halbe Stunde vor dem Burgbrennen stattfindet. „Außerdem projizieren wir Fotos aus 70 Jahren ‚Buergbrennen‘ auf eine Leinwand. Für die Musik sorgt DJ Petz“, erzählt Puttes. Man hoffe auf ein großes Publikum.

Was am 22. Februar in Flammen aufgeht, ist das Ergebnis vieler Wochen gemeinsamer Arbeit. Für Puttes aber ist das Burgbrennen mehr als „nur“ ein Festabend. „Ich bin mit dem Herzen dabei“, sagt er und meint auch die vielen Samstage davor, das gemeinsame Bauen und Weitergeben des Wissens – und die Hoffnung, dass genau das auch in Zukunft so bleibt.

Bau einer 10 Meter hohen Burg aus Holz im Garten mit Sicherheitsnetz und Kletterwand

10 Meter hoch muss die Burg wachsen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Per Zug zum „Buergbrennen“

Wer die „Dänneknippchen“ kennt, weiß, dass es mit der Parksituation alles andere als einfach ist. Außerdem ist der Fußweg nicht sehr zugänglich. Deswegen setzt der Verein auf eine Zusammenarbeit mit dem „Train 1900“. Am 22. Februar bringt die alte Lok die Besucher kostenlos zum Burgbrennen auf die „Dänneknippchen“. Der Zug pendelt zwischen dem Bahnhof in Petingen und dem „Buergbrennen“ am Titelberg und fährt insgesamt 16-mal. Die erste Fahrt startet um 15 Uhr, die letzte Rückfahrt ist um 22.30 Uhr.

Das Programm beginnt um 19 Uhr mit einer Lasershow, um 19.30 Uhr wird die Burg angezündet. Begleitet wird der Abend von einer Fotoschau aus 70 Jahren Burgbrennen sowie Musik von DJ Petz. Vor Ort werden Getränke und Gegrilltes angeboten.


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