Schengen
Was lange währt: Neuer Ponton für die „Marie-Astrid“ eingeweiht
Die neue Anlegestelle für die historische „Marie-Astrid“ vor dem Europamuseum in Schengen wurde am Mittwoch offiziell eingeweiht. Damit findet ein Projekt seinen Abschluss, das sich als technisch anspruchsvoller und deutlich teurer erwies und rund ein Jahr später fertiggestellt wurde als geplant.
Offizielle Einweihung an der Esplanade in Schengen am Mittwochmorgen Foto:Editpress/Claude Lenert
Die Zahl der Gäste war groß, entsprechend lang fiel die Begrüßung durch Bürgermeister Michel Gloden aus. Vier Minister waren am Mittwochmorgen nach Schengen gekommen: Yuriko Backes, Stéphanie Obertin, Léon Gloden und Lex Delles. Hinzu kamen zahlreiche Abgeordnete, Kommunalpolitiker und viele weitere Besucher und Mitarbeiter.
Sie alle wollten dabei sein, als bei eitel Sonnenschein ein langer Weg seinen Abschluss fand. „Ein wirklich schönes Projekt ist hier verwirklicht worden“, sagte Schengens Bürgermeister. Gemeint ist die neue Anlegestelle für die historische „Marie-Astrid“, jenes Schiff, auf dem 1985 und 1990 die Verträge von Schengen unterzeichnet wurden.
Der Ponton liegt an hellen Stufen am Sternenplatz direkt gegenüber dem Europamuseum. Am Mittwoch wurde er offiziell eingeweiht, rund ein Jahr später und fast doppelt so teuer wie ursprünglich geplant.
Die „Marie Astrid“ an ihrem neuen Kai in Schengen Foto: Editpress/Claude Lenert
Staat zahlt alles
Tourismusminister Lex Delles erinnerte daran, dass der Staat die Kosten vollständig übernehme. Sämtliche Arbeiten seien notwendig gewesen. Das Schiff könne künftig dauerhaft an diesem Ort liegen, der Ponton bei allen Wasserständen genutzt werden.
Bereits am 29. April war die grüne Plattform auf dem Wasserweg in Schengen angekommen. Zwei Schiffe bugsierten sie vor das Europamuseum, mächtige Kräne hoben die Landebrücken an ihren Platz. Am 7. Mai bezog die „Prinzessin Marie-Astrid Europa“ rechtzeitig vor dem Europatag im Dreiländereck ihren neuen Liegeplatz.
Was vom Ufer aus wie ein großer schwimmender Steg aussieht, ist eine technisch aufwendige Konstruktion. Der Ponton steigt und fällt mit dem Wasserstand der Mosel. Gleichzeitig ist er so verankert, dass weder die Anlage noch das daran befestigte Schiff abdriften können. Zwei bewegliche Landebrücken ermöglichen den Zugang von der Esplanade über den Ponton bis auf das Schiff.
Die technische Herausforderung war zugleich einer der Gründe, weshalb sich das Projekt verzögerte. Ursprünglich sollte der Ponton bereits zum 40. Jahrestag des Schengener Abkommens am 14. Juni 2025 fertig sein. Bei der zunächst vorgesehenen Verankerung zeichnete sich jedoch ein Risiko für die Trinkwasserschicht unter der Mosel ab. Durch Bohrungen in den Fels hätte Moselwasser ins Grundwasser gelangen können.
Priorität Trinkwasser
Der Trinkwasserschutz hatte Vorrang. Die Planung wurde geändert und die ursprünglich vorgesehenen Bohrungen durch eine Betonverankerung ersetzt. Dafür waren neue Berechnungen, technische Anpassungen, zusätzliche Kontrollen und die Beteiligung eines weiteren Unternehmens notwendig. Der zuständige Gemeindeingenieur sprach während der Montage von einem besonderen Projekt, beinahe von einem „Kunstwerk“, bei dem sich nicht alles im Voraus habe berechnen lassen. Ursprünglich waren für den Ponton rund 2,4 Millionen Euro vorgesehen. Am Ende wurden es etwa 4,5 Millionen Euro.
Der Ponton ist das letzte große Element eines Gesamtkonzepts, das Schengen als europäischen Erinnerungsort stärken soll. Ganz abgeschlossen ist die touristische Erneuerung im Dreiländereck allerdings weiterhin nicht. Vielleicht wäre es zum Beispiel nun auch mal an der Zeit, das große Schengen-Hinweisschild auf der Autobahn vor dem Markustunnel in die Gegenwart zu holen.
4,5 Millionen
statt geplanter 2,4 Millionen Euro kostet die neue Anlegestelle