Ponton angekommen
Zum Europatag kann die „Marie-Astrid“ gegenüber vom Europamuseum anlegen
Seit Mittwoch wird der neue Ponton in Schengen montiert, damit die „Marie-Astrid“ spätestens zum Europatag erstmals direkt am Europamuseum anlegen kann.
Was zusammengehört, rückt näher: langsam drückt das Schubschiff den Ponton in Richtung Ufer und Europamuseum Foto: Editpress/Claude Lenert
Ungewohnter Schiffsverkehr am frühen Mittwochmorgen auf der Mosel, direkt vor der Esplanade beim Europamuseum in Schengen. Es wird geschoben, gezogen, zurechtgerückt. Große Kräne sind im Einsatz, zwei Schiffe bugsieren eine grüne Plattform hin und her. Im Mittelpunkt des Treibens steht der neue Ponton, die künftige Liegestelle der historischen „Marie-Astrid“.
Die Arbeiten kamen am Vormittag sichtbar voran. Gegen Mittag war der Ponton bereits am Kai angedockt. In den kommenden Tagen werden unter anderem noch Versorgungsleitungen verlegt. Am nächsten Donnerstag oder Freitag soll dann die „Marie-Astrid“ selbst anlegen, rechtzeitig zum Europatagfest am Samstag, 9. Mai, im Dreiländereck.
Immun gegen Wasserschwankungen
Gebaut wurde der Ponton von der Firma SBS, die beiden Landebrücken stammen von MSM. Beide Unternehmen sitzen in Andernach bei Koblenz am Rhein. Von dort machte sich die Anlage am vergangenen Freitag per Schiff auf den Weg, passierte am Dienstagabend die Grenze und erreichte am Mittwochmorgen Schengen.
Der neue Ponton soll künftig Wasserstandsschwankungen der Mosel ausgleichen und einen stufenlosen Übergang vom Ufer auf die schwimmende Anlage sowie von dort auf das Schiff ermöglichen. Die Schwimmkörper sind so konstruiert, dass sie auch bei Beschädigung schwimmfähig bleiben.
Pünktlich zum Europatag kommt damit zusammen, was von Anfang an zusammen gedacht war: die „Marie-Astrid“, auf der 1985 und 1990 die Schengener Abkommen unterzeichnet wurden, und das multimedial ausgestattete Europamuseum direkt gegenüber. Offiziell eingeweiht werden soll die neue Anlegestelle voraussichtlich um den 14. Juni, rund ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Das Anbringen der beiden Landebrücken ist eine Milimeterarbeit Foto: Editpress/Claude Lenert
Trinkwasserschutz oblige
Die Verzögerung hängt mit der Verankerung des Pontons zusammen. Nach Angaben des zuständigen Gemeindeingenieurs musste diese so ausgelegt werden, dass die Anlage mit dem Wasserstand steigen und sinken kann, zugleich aber Schiff und Ponton sicher hält. Bei der ursprünglich vorgesehenen Lösung habe sich jedoch ein Risiko für die Trinkwasserschicht unter der Mosel abgezeichnet: Moselwasser hätte ins Trinkwasser gelangen können.

Mächtige Kräne im Einsatz Europas Foto: Editpress/Claude Lenert
Das Projekt wurde deshalb angepasst, Vorrang hatte der Trinkwasserschutz. Statt in den Fels zu bohren, wurde auf eine Betonverankerung umgestellt. Das bedeutete neue Berechnungen, technische Anpassungen, zusätzliche Kontrollen und die Einbindung einer weiteren Firma. Optisch werde sich die Anlegestelle kaum von der ursprünglichen Idee unterscheiden, so der Gemeindeingenieur. Er spricht von einem besonderen Projekt, fast einem „Kunstwerk“, bei dem nicht alles vorhersehbar gewesen sei.