Hobby für Tüftler
Warum bei den „Modell Truck Frënn Déifferdeng“ die Gemeinschaft wichtiger ist als die Modelle
Viele investieren Wochen in den Bau eines einzigen Fahrzeugs. Andere verbringen Jahre damit, Straßen, Brücken und Gebäude im Miniaturformat entstehen zu lassen. Die „Modell Truck Frënn Déifferdeng“ zeigen, warum Modellbau weit mehr ist als eine Freizeitbeschäftigung.
Die detailreiche Anlage in Lasauvage bildet eine eigene Miniaturwelt mit Straßen, Gebäuden, Brücken und Wasserwegen Foto: Carole Theisen
Wer beim Stichwort Modellbau zuerst an Eisenbahnen denkt, wird in Lasauvage überrascht. Auf dem Gelände der „Modell Truck Frënn Déifferdeng“ rollen seit Jahren ferngesteuerte Lastwagen, Bagger, Geländewagen und Einsatzfahrzeuge durch eine detailreich gestaltete Miniaturwelt. Aus dem ursprünglichen Modellbauprojekt entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Verein, der heute Modellbauer aus Luxemburg und den Nachbarregionen zusammenbringt.
Am 20. Juni öffnet der Verein ab 10 Uhr seine Türen und gewährt Einblicke in ein Nischenhobby, das technisches Know-how, handwerkliches Geschick und Gemeinschaftssinn vereint. Besucher können dabei nicht nur die Anlage erkunden, sondern auch erfahren, wie viel Arbeit, Planung und ehrenamtliches Engagement hinter den kleinen Fahrzeugen und ihrer Umgebung steckt.
Die Geschichte des Vereins reicht bis ins Jahr 2010 zurück. Damals suchte Vereinsgründer Patrick Stoltz nach einer Möglichkeit, die lokale Modellbau-Szene zusammenzubringen. Mit Unterstützung der Stadt Differdingen erhielt die Gruppe ein Gelände in Lasauvage, auf dem sich zuvor Garagen und eine ehemalige Schrottfläche befanden. „Wir hatten am Anfang praktisch nichts“, erinnert sich Stoltz. Mit Hilfe von Sponsoren, freiwilligen Helfern und viel Eigeninitiative entstand dort Schritt für Schritt die heutige Anlage, die mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.
Modell Truck Frënn Déifferdeng Lasauvage Porte ouverte Foto: Carole Theisen Foto: Carole Theisen
Garagen wurden abgerissen, Straßen angelegt und Gebäude errichtet. Später kamen zwei Chalets hinzu, die heute als Treffpunkt für die Mitglieder dienen. Vieles von dem, was Besucher heute auf dem Gelände sehen, wurde von den Vereinsmitgliedern selbst geplant, gebaut und finanziert. Offiziell gegründet wurde der Verein im Jahr 2015. Heute zählt er rund 65 Mitglieder. Für ein Hobby, das selbst die Beteiligten gerne als Nische bezeichnen, ist das eine beachtliche Zahl.
Ein Hobby für Tüftler – und für Neugierige
Wer bei ferngesteuerten Fahrzeugen an Spielzeug denkt, unterschätzt den Aufwand, der hinter vielen Modellen steckt. Zahlreiche Lastwagen, Baustellenfahrzeuge und Geländewagen werden aus umfangreichen Bausätzen zusammengesetzt, lackiert und technisch verfeinert. Oft vergehen Wochen oder sogar Monate, bis ein Modell den Vorstellungen seines Besitzers entspricht.
„Man kann immer etwas verbessern – Beleuchtung, Technik oder Antrieb. Das macht einen großen Teil des Reizes aus“, sagt Vereinsmitglied Frank Erpelding. Tatsächlich scheint ein Modell nie ganz fertig zu sein. Neue Funktionen, technische Anpassungen oder zusätzliche Details sorgen dafür, dass viele Fahrzeuge über Jahre hinweg weiterentwickelt werden.
Auf der Anlage in Lasauvage geht es dabei nicht um Geschwindigkeit oder spektakuläre Rennen. Stattdessen orientieren sich die Abläufe an der Realität: Lastwagen transportieren Material, Bagger beladen Fahrzeuge, Silos werden befüllt und Geländewagen bewältigen anspruchsvolle Hindernisse. Die Modelle dienen weniger der Unterhaltung als der möglichst realitätsnahen Nachbildung ihrer großen Vorbilder.
Trotz aller Technik steht für viele Mitglieder etwas anderes im Mittelpunkt. „Alleine fahren macht keinen großen Spaß“, sagt Erpelding. Der regelmäßige Austausch, gemeinsame Projekte und die Möglichkeit, voneinander zu lernen, seien mindestens genauso wichtig wie die Fahrzeuge selbst.
Diesen Aspekt betont auch Joe Diener, der Anfang des Jahres das Präsidentenamt übernommen hat. Der 28-Jährige gehört zu einer jüngeren Generation von Mitgliedern und sieht die Stärke des Vereins nicht allein im Modellbau, sondern vor allem in der Gemeinschaft, die rund um das gemeinsame Hobby entstanden ist.
Es geht nicht nur um die Modelle. Es geht darum, sich auszutauschen, gemeinsam Projekte umzusetzen und das Hobby mit anderen zu teilen.
Joe Diener
Präsident der „Modell Truck Frënn Déifferdeng“
Diener selbst fand über seinen Vater zum Verein. Zunächst begleitete er ihn gelegentlich nach Lasauvage, später entdeckte er das Hobby für sich selbst. Aus dem regelmäßigen Besuch wurden eigene Projekte, schließlich auch Verantwortung im Vorstand
Der Verein versteht sich dabei nicht nur als Treffpunkt für erfahrene Modellbauer. Zwischen langjährigen Mitgliedern und Jugendlichen, die gerade erst ihre ersten Fahrzeuge aufbauen, findet ein ständiger Austausch statt. Wissen wird weitergegeben, Erfahrungen werden geteilt und technische Probleme werden gemeinsam gelöst.

Die Offroad-Strecke ist für die Crawler gedacht Foto: Carole Theisen
Zu den jüngsten Mitgliedern gehört der 17-jährige Tom Schloesser. Bevor er sein erstes eigenes Fahrzeug kaufte, konnte er vor Ort zunächst eines ausprobieren. Heute besitzt er mehrere Modelle und interessiert sich nicht nur für den Modellbau, sondern generell für Technik und Motorsport.
Die Mitglieder sehen den Verein auch als Möglichkeit, junge Menschen für technische und handwerkliche Themen zu begeistern. Wer ein Modell baut, beschäftigt sich zwangsläufig mit Mechanik, Elektronik und Konstruktion – und lernt dabei, dass Lösungen oft nicht auf Knopfdruck entstehen. „Viele Kinder kennen nur fertige Produkte“, sagt Frank Erpelding. Beim Modellbau gehe es dagegen darum zu verstehen, wie etwas funktioniert, wie man Fehler behebt und warum sorgfältiges Arbeiten wichtig ist.

Franz Erpelding werkelt seit Jahren leidenschaftlich an seinen Modellen Foto: Carole Theisen
Dass die Szene weit über die Region hinaus vernetzt ist, zeigt sich bei Veranstaltungen und Treffen. Regelmäßig reisen Modellbauer aus Deutschland, Frankreich und Belgien nach Lasauvage. Für größere Events nehmen manche Besucher mehrere Stunden Anfahrt in Kauf.
Eine wichtige Rolle bei der Vereinsentwicklung spielt die Unterstützung durch die Stadt Differdingen. Mehrfach betonen die Verantwortlichen, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Gemeinde für den Fortbestand des Vereins sei. Mit der diesjährigen „Porte Ouverte“ wollen die „Modell Truck Frënn Déifferdeng“ deshalb nicht nur ihre Anlage präsentieren, sondern auch zeigen, dass hinter den kleinen Fahrzeugen ein lebendiges Vereinsleben steckt.
Präsident der „Modell Truck Frënn Déifferdeng“
Wo? Place de Saintignon, Lasauvage
Wann? Samstag, 20. Juni 2026, ab 10 Uhr
Was wird geboten? Essen und Getränke vor Ort, Tombola, Vorführungen und Mitmachmöglichkeiten für Besucher