Kunstecke
Von Cézanne bis Ruth Asawa: Damit warten die internationalen Kunsthäuser 2026 auf
Für Freunde der bildenden Kunst bieten sich 2026 spannende Kunstreisen an. Das Tageblattwirft einen Blick über die Landesgrenzen und präsentiert Kulturfans einige Höhepunkte.
Dieses Jahr in der Fondation Beyeler zu entdecken: „Baigneurs“ von Cézanne, das um 1890 entstand Copyright: GrandPalaisRMN (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Neben Ausstellungen in Paris, Berlin, Basel, London und anderen Metropolen in Europa steht vom 18. bis 21.Juni die Art Basel auf dem Programm und ab 21. Juni lädt die Lagunenstadt dieses Jahr wieder zur Kunstbiennale nach Venedig ein. Bis dahin bleibt noch Zeit, sich andere Ausstellungen anzusehen, etwa ab 25. Januar die große Cézanne-Schau in der Fondation Beyeler (Riehen/Basel) oder Werke aus der bedeutenden Pinault-Sammlung unter dem Motto „Clair-Obscur“ ab dem 4. März sowie weitere Expos im Grand Palais in Paris und die erste europäische Expo zu Lorna Simpson ab dem 29. März in der Punta della Dogana in Venedig.
Andere Ausstellungen wären zu nennen, etwa die Retrospektive Martin Parr, ein in Luxemburg durch die Europäische Kulturhauptstadt 2007 bekannter Fotograf, ab 30. Januar im Jeu de Paume in Paris oder die aus Anlass ihres 150. Jahrestages organisierten Schauen über Paula Modersohn-Becker ab Februar in gleich vier Museen.
Hundertjähriges Jubiläum von Raymond Hains im November
Ein Blick in die Bibliografie internationaler Künstler offenbart, dass es auch gleich mehrere renommierte Kunstschaffende gibt, die 2016 ein 100-jähriges Jubiläum gefeiert hätten, würden sie noch leben.
Ruth Asawa ist am 24.1.1926 geboren und 2013 verstorben. Ihre Arbeiten sind ab dem 18. Oktober in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel zu sehen. Ihr ist hier eine erste europäische Retrospektive gewidmet. Sie ist dafür bekannt, „einfachste Materialien in faszinierende Objekte“ zu verwandeln und dabei „die Grenzen zwischen Abstraktion und Figuration, Kunst und Kunsthandwerk, Aktion und Kontemplation“ aufzuheben.

Der Künstler Raymond Hains war unter anderem für seine Beteiligung an der „Décollage“-Bewegung bekannt Quelle: Valerius Gallery
Raymond Hains, audiovisuell tätiger Künstler und einer der Mitstreiter der französischen Bewegung der „zerrissenen Plakate“ (Décollagen) sowie später Gestalter interessanter Objekte im Sinne eines neuen Realismus, ist in Luxemburg durch Ausstellungen bekannt, auch ist Ernest Valerius von der gleichnamigen Galerie ein eifriger Verfechter dieses Künstlers, der am 9.11.1926 in Saint-Brieuc geboren wurde.
Kein Jubiläum zu seinem Geburtstag, aber eine Hommage zu seinem 100. Todestag gebührt Claude Monet, der am 6.12.1926 verstorben ist und ein umfangreiches Werk hinterlässt. Seine legendären Seerosen-Bilder, die von Beobachtungen aus seinem Garten in Giverny inspiriert sind – einem Ort, der jährlich immer noch zigtausende Besucher anzieht – befinden sich in diversen Kunsthäusern, auch in erwähnter Stiftung in Riehen. Andere wären näher zu beschreiben, etwa P. Caulfield (29.1.1926), F. Morellet (30.4.1926) oder M. Cassatt (14.6.1926), doch dies würde die Dimension dieses Artikels sprengen.
Hommage an Paul Cézanne in Riehen/Basel
Von Paul Cézanne (1839-1906), einem der bedeutendsten Impressionisten, sagt die Fondation Beyeler, er sei ein „wichtiger Künstler ihrer Sammlung“, doch ist die nun von Ende Januar bis Ende Mai 2026 geplante Einzelausstellung die erste ihrer Art in der Stiftung in Riehen. Mit rund 80 Ölgemälden und Aquarellen aus diversen Sammlungen „konzentriert sich die Ausstellung auf die letzte und bedeutendste Phase im Schaffen des Malers“.
Von Paris war Cézanne in die Provinz gezogen, ließ sich dort vom Licht und der südlichen Stimmung künstlerisch beeinflussen und hat Werke geschaffen, die von der Stiftung so umschrieben werden: „Geheimnisvolle Porträts, paradiesische Badende, Sehnsuchtslandschaften aus der Provence und sein Lieblingsberg, den Montagne Sainte-Victoire.“ Von diesem sind mehrere Ansichten bekannt, interessant sind aber auch seine Studien zu den bekannten „Badenden“. Für die Stiftung „konstruierte er revolutionäre Bilder, die Generationen von Künstlern und Künstlerinnen bis heute inspirieren“.

Ikonisches Bild von Cézanne: „La montagne Sainte-Victoire, vue des lauves“ entstand gegen 1904/1905 Copyright: Image courtesy of Nelson-Atkins Digital Production and Preservation
Genau diese Stimmung war einst in Luxemburg zu spüren: Im November 1992 wurde Kritiker und Kurator Joseph-Paul Schneider eine Ausstellung „Hommage à Cézanne“ im damaligen „Centre culturel français de Luxembourg“ anvertraut. Er stellte nicht nur eine Expo mit Werken von 18 Künstlern und Künstlerinnen zusammen, er sammelte auch Aussagen zu ihrer Bewunderung von Cézanne, wie die vom leider verstorbenen Armand Strainchamps, der sagte: „Cézanne pour moi se résume en trois mots: recherche, peinture, lumière.“ Derweil Robert Brandy ihn als „einen zweiten Vater“ und „révolutionnaire silencieux“ bezeichnete, griff Roger Bertemes den bereits erwähnten Berg mit dem Hinweis auf: „Du Mont Sainte-Victoire souffle un vent qui nous fait regarder dans une direction toujours nouvelle.“
Rückblickend betrachtet, bezeugen diese Aussagen, was die Fondation Beyeler über die Wirkung von Cézannes Werk auf nachfolgende Kunstschaffende bis heute unterstreicht. Die Cézanne-Schau in Riehen dürfte denn auch Luxemburger Kunstfreunde und Künstler interessieren.
Ruth Asawa und Paula Moderson-Becker zwei Positionen
Wer das schmucke, von Renzo Piano konzipierte und erbaute Museum inmitten eines mit Skulpturen angereicherten Parks in Riehen kennt, der weiß, hier bleibt es nicht bei einer einzigen sehenswerten Ausstellung. Vom 24. Mai bis 13. Oktober ist das Haus dem Franzosen Pierre Huyghe, einem Künstler mit vielen Talenten, gewidmet, und zum Jahresende zeigt die Stiftung, wie bereits angedeutet, die erste europäische Retrospektive zu Ruth Asawa (1926-2013).

Zum Jahresende ist die erste Retrospektive zur japanisch-amerikanischen Künstlerin Ruth Asawa in Europa zu sehen Foto: Nat Farbman/The LIFE Picture Collection/Shutterstock Artwork/Copyright: 2025 Ruth Asawa Lanier, Inc., Courtesy David Zwirner
Sind in rezenter Vergangenheit bereits Künstler zu mehreren gleichzeitig im deutschen Raum laufenden Ausstellungen (etwa Beuys, Majerus) gekommen, so trifft dies 2026 auf eine Künstlerin zu, die auch in Luxemburg bereits zu Ehren gekommen ist. Paula Modersohn-Becker (am 8.2.1876 in Dresden geboren und am 20.11.1907 in Worpswede verstorben), die am 8. Februar 150 Jahre alt geworden wäre, wird mit Ausstellungen in Bremen (Paula Modersohn-Becker Museum), in Dresden (Albertinum), Fischerhude (Otto-Modersohn Museum) und Worpswede (verschiedene Museen) geehrt. Diese Expos starten beide Anfang Februar.
Was Ausstellungen in Deutschland anbelangt, so sei darauf hingewiesen, dass die faszinierende Ausstellung der Japanerin Yayoi Kusama, die noch bis 25. Januar in der Fondation Beyler in Riehen/Basel läuft und bereits weit über 100.000 Besucher:innen angezogen hat, nun vom Museum Ludwig in Köln ab 14. März 2026 übernommen wird.
Bis zur Art Basel und zur Kunstbiennale Venedig bieten sich demnach noch mannigfaltige Möglichkeiten, attraktive Kunst auch über unsere Grenzen hinaus live zu erleben.