Kunstecke
Vom Steichen-Land bis nach Paris zu Martin Parr
2026 steht teils im Zeichen der Fotografie: Das legen das Ausstellungsprogramm in Luxemburg und die kommenden Ausflüge der „Amis des musées“ nahe. Welche Reise sich lohnen könnte.
Die Ausstellung zum Fotografen Martin Parr im Pariser Jeu de Paume zählt zu den Höhepunkten des Ausstellungsjahres – hier zu sehen „Benidorm, Espagne, 1997“ Foto: Martin Parr/Magnum Photos
„Lëtzebuerg ass Steichen-Land“, betonte einst Kulturministerin Octavie Modert. Ein Spruch, den Rosch Krieps, Journalist und Verfechter der Erhaltung des Kulturerbes von Edward Steichen, seinem kritischen LW-Artikel „Die Luxemburger Edward-Steichen-Pioniere“ voranstellte, um in der Folge die „Vorgeschichte der Luxemburger Steichen-Verehrung“ aufzurollen.
Dieser 2013 veröffentlichte Beitrag des Steichen-Ferventen ist längst überholt. Die Steichen-Stiftung, CNA, Mudam, BCEE mit ihrem Espace Steichen, die Expo „Family of Man“ und das MNAHA tragen auf ihre Weise zur Belebung des obigen Spruchs bei. Das MNAHA hat für Juli die Schau „Edward Steichen and Nature“ im LUMA in Arles und eine permanente Expo „Edward Steichen (1879-1973).Life and Legacy“ ab 4. Dezember im Nationalmusée um Fëschmaart angekündigt. Kurzum, der weltbekannte Fotograf und sein Werk werden in Ehren gehalten. Darüber hinaus steht die Fotografie heute auf diverse Art in Luxemburg oder in Verbindung mit heimischen Kulturträgern im Fokus.
Ikone der Luxemburger Fotogeschichte: Edward Steichen im Selbstporträt mit seiner Schwester Lilian (Milwaukee, 1900) Foto: 2020 The Estate of Edward Steichen/Artists Rights Society (ARS), New York
Fotografie in Luxemburg …
„artactuel.lu“, das Info-Blatt mit Ausstellungen im Großherzogtum, ruft Interessierte auf, die Krystyna-Dul-Expo „You & / Are Earth“ im Dominique-Lang-Zentrum in Düdelingen zu besuchen (diese schließt am 25. Januar), derweil die Galerie Reuter & Bausch darauf hinweist, dass die Michel-Medinger-Expo mit spannenden Lichtbildern des in den letzten Monaten mehrmals durch Schauen in den Vordergrund gestellten Fotokünstlers noch bis zum 31. Januar zu sehen ist. Andere Ausstellungen, in denen Fotografie zur Geltung kommt, laufen nur bis 25. Januar, u.a. die Schau „80 Years of Peace“ in der Fondation Valentiny in Remerschen mit Fotos von Raymond Clement, der 2023 mit einer umfassenden Retrospektive seiner legendären Bilderreihe „Family of Jazz“ in der Galerie „am Tunnel“ der Sparkasse vertreten war. Die Fotografie war auch in Parallelexpos zum LAW-Messezelt im Spätherbst gut vertreten und wird dieses Jahr bestimmt bei Ausstellungen in Galerien, Kunstzentren und Museen präsent sein.
… und Expos in Paris
In Erwartung der jährlichen „Rencontres“ im französischen Arles, wo Luxemburg seit geraumer Zeit auch vertreten ist, besuchen nun die Vereinigung „Amis des Musées“ in Partnerschaft mit „Lët’z Arles (Luxembourg Photography Award) die Lichterstadt Paris unter dem Motto „Une journée à Paris autour de la photographie“. Auf der Agenda steht ein Besuch des „Studio Frank Horvat“ und der von uns bereits angekündigten Expo „Global Warning“ von Martin Parr im „Jeu de Paume.“
Ist Martin Parr u.a. durch seine aktive Beteiligung an der Gestaltung des Programms „Kulturhauptstadt Europas“ 2007 in Luxemburg kein Unbekannter, so dürfte Frank Horvat nur bestimmten Kreisen ein Begriff sein.
Wer war Frank Horvat?
1928 in Italien geboren, reiste er viel, sowohl in Europa als auch auf anderen Kontinenten, um schließlich in Frankreich sesshaft zu werden. Horvat verstarb am 21. Oktober 2020 in Frankreich. 1975 kaufte er einen Schuppen in Boulogne Billancourt und richtete dort ein Foto-Studio ein. Er war zu der Zeit ein begehrter Modefotograf. 1983 wurde dieses Studio ausgebaut. Dort wirkte er auf diversen Ebenen und schuf ein umfangreiches Oeuvre. Er konnte in keine bestimmte Kategorie eingebunden werden, auch sammelte er rund 500 Arbeiten anderer Künstler, die, so Christian Caujolle in der Einführung zur Visite des Ateliers, das heute Besuchern offensteht, eine repräsentative Sammlung für Kunst aus dieser Epoche darstellt.
Die Künstler Edouard Taufenbach und Bastien Pourtout haben im Rahmen ihres Projektes Studio Echos Verbindungen zwischen erwähnten Studios und der Horvat-Wohnung in Cotignac (Var) hergestellt, ein Art Reise in Erinnerung und Bildern von Frank Horvat. All dies wird beim Studio-Besuch zu sehen sein. Im Château La Coste ist auf Initiative der Galerie des Anciens Chais die dem Fotografen Frank Horvat gewidmete Ausstellung „Laisser la vie se produire“ zu sehen. Lesen und anschauen können Fotofreunde das 2025 im Kehrer-Verlag publizierte Buch „Frank Horvat, la naissance d’un regard“.
Martin Parr, der beobachtende Satiriker
Abgerundet wird die Stippvisite in Paris mit der Expo „Global Warning“ mit Arbeiten von Martin Parr. Diese wird am 30. Januar eröffnet und ist bis zum 24. Mai im „Jeu de Paume“ zu sehen. Martin Parr, geboren 1952, starb am 6. Dezember 2025 im Alter von 73 Jahren. Der Brite studierte in Manchester und an der Ulster-Universität; er war ein Fotograf mit vielen Talenten. Er hat sich bereits ganz jung für gestandene Fotografen wie Henri Cartier-Bresson interessiert. Von seinem Großvater in die Lichtbildkunst eingeführt, hat er bereits mit 16 Jahren über einen „Fish and chips“- Stand eine Fotoserie realisiert, kurzum, er war damals bereits seiner Vorliebe für Szenen und Themen des Alltags wie Ablichten von Menschen aller Art und in speziellen Rollen zugewandt. Er war ein standhafter Mensch, so auch, als er 1971 eine Dokumentation über eine psychiatrische Klinik verwirklichte, obwohl dies damals gar nicht üblich war.

In Paris zu sehen: „Tokyo, Japon, 1998“ von Martin Parr Foto: Martin Parr/Magnum Photos
Das „Banale des Alltags“ mit dem Fotoapparat festhalten, das war seine Devise. Seine Diplomarbeit „Home Sweet Home“ ist mittlerweile in der „Maison européenne de la photographie“ in Paris zu sehen. Er war ab 1994 Mitglied der bekannten Agentur „Magnum Photos“ und von 2013 bis 2017 ihr Präsident. Über seine Karriere wäre im Vorfeld dieser Expo viel zu sagen – doch heben wir nur noch hervor, dass er mehrere satirische Serien über das Konsumverhalten, das Leben der Menschen in der Thatcher-Ära produzierte, so auch „Small World“ über das globalisierte Reiseverhalten der „Massen“. 1986 waren seine Arbeiten auch bei den „Rencontres d’Arles zu sehen. 2004 wurde er zum künstlerischen Direktor der Rencontres d’Arles gewählt.
Wenn von Parr gesprochen wird, so könnte man, wie „ART“, die letzten 50 Jahre seines Wirkens so zusammenfassen: „Er hat oft mit fassungs- und auch schonungslosem Blick die Absurditäten der zeitgenössischen Welt fotografiert und damit ein beißendes Bild der Missstände unseres Planeten gezeichnet.“ 2021 hat er zu seiner Arbeit gesagt: „Ich schaffe Unterhaltung, die eine ernsthafte Botschaft enthält, wenn man sie herauslesen will, aber ich versuche nicht irgendjemand zu überzeugen – ich zeige nur das, was die Menschen sowieso zu wissen glauben.“ Die Expo umfasst 180 Werke, sie gewährt demzufolge einen guten Einblick in sein umfangreiches Oeuvre.
Die Fotoreise nach Paris ist zwar nur Mitgliedern der „Amis des Musées“ vorbehalten – und wer das noch nicht ist, kann es noch werden. Der Tagestrip am 30. Januar nach Paris kostet 100 Euro. Weitere Informationen gibt es bei den „Amis des Musées“. Wer nicht an dieser Reise teilnehmen kann, dem sei dennoch ein Besuch der Martin-Parr-Expo und des Frank-Horvat-Studios empfohlen.