Abriss von Schloss Weymerich

Vom Prunkbau zur Leere: Die Bagger zerstören Geschichte

Einst prächtig, dann verlassen. Schloss Weymerich verschwindet unter dem Bagger – nur Erinnerungen bleiben.

Verfallene Landschaft mit zerstörten Gebäuden und düsterer Stimmung als Symbol für drohenden Untergang

Bald wird nichts mehr übrig sein Foto: privat

Der Bagger macht kurzen Prozess. Metall frisst sich durch Mauerwerk, wo einst Veranden, Fenster und Geschichten waren. Ob Schloss oder nicht, ein Prunkbau war es allemal. Nun wird er abgerissen. Vandalismus und Einsturzgefahr lauten die offiziellen Gründe für einen Schritt, der lange angekündigt und absehbar war. Jetzt ist er endgültig.

Mehr als zwei Jahrzehnte hatte das Anwesen in der Gemeinde Junglinster dem Verfall getrotzt. 1899 für den Geschäftsmann Virgil Burg errichtet, lag das Herrenhaus an der Straße zwischen Gonderingen und Eschweiler wie ein vergessenes Relikt, direkt gegenüber dem „Monument aux victimes de la route“.

Zuletzt waren es Fledermäuse, die dem Gebäude so etwas wie einen letzten Sinn gaben. Hinter rissigen Mauern, bröckelnden Decken und undichten Dächern fanden sie Unterschlupf und wurden zu stillen Schutzpatronen der Ruine. Zumindest bis März, bis zum Ende ihres Winterschlafs, glaubte man annehmen zu können. Doch entweder haben die streng geschützten Tiere nicht mehr dort überwintert oder sie sind früher losgezogen. Andernfalls hätte die Naturverwaltung dem Abriss kaum zugestimmt.

Was bleibt, ist Leere. Denn so schnell wird an dieser Stelle nichts Neues entstehen. Das angrenzende Naturschutzgebiet „Op Wäimerecht“ schränkt jede Nutzung erheblich ein. Konkrete Pläne gab es nie, Visionen schon gar nicht. Eine Sanierung wäre teuer gewesen, eine Umnutzung kompliziert.

Dabei haftete dem Ort immer auch etwas Unheimliches an. Die Geschichte der letzten Bewohner wirkt bis heute nach. Im Winter 2004 verirrte sich ein älteres Ehepaar mit dem Auto im Wald. Beide starben, vermutlich an Unterkühlung. Seitdem stand Schloss Weymerich leer. 2006 kaufte die Gemeinde Junglinster das Anwesen den letzten auffindbaren Erben für 135.000 Euro ab.

Nun verschwindet es. Nicht bei Nacht und Nebel, aber ohne großes Aufsehen. Zurück bleibt eine freie Fläche am Waldrand. Ruinen haben ihren eigenen Charme, heißt es oft. Weymerich hatte ihn. Nun ist auch er Geschichte.

1 Kommentare
Phil 30.01.202611:05 Uhr

Leider geht es vielen alten, ehrwürdigen Häusern so. Oft verhindern Erbangelegenheiten eine Renovierung bzw. Restauration der alten, charaktervollen Gebäude. Vielen Menschen ist es auch gleichgültig, es sind ja nur Steine. Dass aber ein jeder Stein etwas zur Geschichte der verstorben Bewohner zu erzählen hat, ist besonders Immobilienunternehmen egal. Dort zählt nur die bebaubare Grundfläche und die Anzahl der möglichen Investitionsobjekte, sprich Appartements. Dass diese, teils staatlich geförderten, viereckigen “Cages à Poules” architektonische Fliessbandobjekte mit null Ausstrahlung sind, interessiert die wenigsten… Hauptsache es klingelt in der Kasse. Wie heisst es so schön… “Geld verdirbt den Charakter!”

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