„Wuthering Heights“ läuft in Luxemburg

Toxische Liebe im einsamen Moor: ein Skandal ganz in Brontës Sinne

In regelmäßigen Abständen kehrt das Werk zurück, als müsse es sich immer wieder neu erfinden, um nicht zu versteinern: „Wuthering Heights“ von Emily Brontë. Seit Jahrzehnten wagen sich Regisseur*innen an die stürmische Liebesgeschichte von Heathcliff und Catherine. Mal ehrfürchtig, mal radikal. Emerald Fennells Neuverfilmung polarisiert.

Catherine und Heathcliff unsterblich verliebt, geheimnisvoll verbunden in emotionaler Szene aus Wuthering Heights

Unsterblich ineinander verliebt, verschweigen Catherine (l.) und Heathcliff (r.) einander ihre tiefste Wahrheit Copyright: Warner Bros

Mit ihrer Version von „Wuthering Heights“ hat Emerald Fennell eine Debatte entfacht, die ebenso leidenschaftlich geführt wird wie die Beziehung ihrer Figuren. Schon der Titel, in Anführungszeichen gesetzt, signalisiert: Hier geht es nicht um Werktreue, sondern um eine selbstbewusste Aneignung. Diese Gänsefüßchen sind Programm.

Zwischen Sturm und Selbstinszenierung

Wer am Valentinswochenende den Weg ins Kino fand, kam an „Wuthering Heights“ kaum vorbei. Ein Film wie geschaffen für Paare, die einem anderen Paar dabei zusehen möchten, wie es die extremsten Etappen der Liebe durchlebt: toxische Leidenschaft, zerstörerische Sehnsucht.

Catherine Earnshaw, verkörpert von Margot Robbie, erscheint zunächst als verwöhntes Gör, das mit ihrem instabilen Vater auf den Hügeln von Wuthering Heights lebt. Als dieser eines Abends einen verwahrlosten Jungen ins Haus bringt, beginnt das eigentliche Drama. Cathy tauft ihn Heathcliff, und aus kindlicher Freundschaft wächst eine Bindung, die alles andere in den Schatten stellt.

Jahre später tritt mit Mr. Linton die Verheißung gesellschaftlicher Sicherheit auf den Plan. Catherine entscheidet sich für die Vernunft, oder das, was sie dafür hält, und verrät damit ihre eigene Wahrheit. Heathcliff hört nur einen Teil eines Gesprächs, das ihn glauben lässt, Catherine schäme sich seiner. Die Folge: ein gebrochenes Band, ein Ritt in den Sonnenuntergang, eine Liebe, die fortan als Gespenst weiterlebt. Wenn Heathcliff schließlich zurückkehrt, ist nichts mehr unschuldig. Catherine ist unglücklich verheiratet, erwartet ein Kind, und doch lodert das alte Feuer.

Kitsch, Körper, Kontrollverlust

Dass Jacob Elordi und Margot Robbie als Leinwandpaar funktionieren, ist keine Selbstverständlichkeit, hier jedoch stimmt die Chemie bis ins kleinste Zucken. Ihre Blicke tragen mehr Dialog als viele Drehbücher.

Visuell ist der Film ein Rausch. Jede Einstellung scheint komponiert wie ein Gemälde; man könnte den Film anhalten und hätte ein perfekt arrangiertes Bild. Nebelschwaden, die an „Sleepy Hollow“ erinnern, viktorianische Silhouetten im Kontrast zu moderner Ästhetik. Fennell spielt bewusst mit Anachronismen. Kitschige Weihnachtsbilder kippen ins Unheimliche, Pastelltöne werden zu Vorboten innerer Abgründe.

Wer Fennells Handschrift kennt, weiß, dass sie das Publikum gern in falscher Sicherheit wiegt. Schon die Ouvertüre ist eine Provokation: ein Moment, der zunächst wie ein sexueller Höhepunkt inszeniert ist, entpuppt sich als kalkulierte Täuschung. Plötzlich sitzt man im Kinosessel und fragt sich, ob nicht die eigenen Gedanken die eigentliche Obszönität darstellen. Fennell hält uns den Spiegel hin, und wir erkennen uns darin.

Auch musikalisch wagt der Film eine eigenwillige Mischung. Charli XCX, sonst Ikone des Elektropop, verbindet synthetische Klänge mit üppigen Streicharrangements. Das Ergebnis: ein Soundtrack, der zwischen „Brat-Summer“-Energie und viktorianischer Gothik zusammenschmilzt.

Keine Kopie

Wer Emily Brontës Roman als unantastbare Bibel betrachtet, wird an dieser freien Interpretation Anstoß nehmen. Doch gerade darin liegt ihre Qualität. Auch Brontës Werk war einst ein Skandal, schockierend in seiner Radikalität. Fennells Version teilt diesen Mut zur Zumutung.

Vielleicht braucht das Kino wieder mehr davon. Filme wie „Gone with the Wind“ oder „Casablanca“ haben einst gezeigt, dass große Gefühle kein Makel, sondern eine Kunstform sind. Im Jahr 2026 scheint man sich für Romantik fast entschuldigen zu müssen, versteckt sie hinter Ironie oder Comedy.

„Wuthering Heights“ hingegen bekennt sich zum Exzess. Keine Vampire, keine Zombies, keine übernatürlichen Metaphern; nur zwei Menschen, die einander so kompromisslos lieben, dass sie daran zugrunde gehen.

Und vielleicht ist genau das das Verstörendste an dem Film: dass man den Kinosaal verlässt, mit geröteten Augen und pochendem Herzen, und sich eingestehen muss, wie sehr einen diese maßlose, kitschige, gefährliche Liebe berührt hat, wie vor 20 Jahren schon der Film „Titanic“.

„Wuthering Heights“ läuft seit dem 11. Februar in Luxemburgs Kinos

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