100 Jahre FLPS

Sportfischer beklagen den schlechten Zustand der Flüsse und Bäche

100 Jahre Sportfischerverband, zahlreiche internationale Erfolge und eine lange Geschichte im Gewässerschutz. Bei der Jubiläumsfeier im Bettemburger Schloss wurde nicht nur zurückgeblickt, sondern auch deutliche Kritik am schleppenden Fortschritt bei der Renaturierung laut.

Die passionierten Angler mit den Fisch-unerfahrenen Ministern: der Präsident des Organisationskomitees der 100-Jahr-Feier, Gusty Graas, Sportministerin Martine Hansen, FLPS-Präsident Serge Petro und Umweltminister Serge Wilmes

Die passionierten Angler mit den Fisch-unerfahrenen Ministern: der Präsident des Organisationskomitees der 100-Jahr-Feier, Gusty Graas, Sportministerin Martine Hansen, FLPS-Präsident Serge Petro und Umweltminister Serge Wilmes Foto: Editpress/Claude Lenert

Seit 100 Jahren dreht sich bei der „Fédération luxembourgeoise des pêcheurs sportifs“ (FLPS) alles um die Leidenschaft fürs Angeln, den Schutz der Gewässer und das gemeinsame Vereinsleben. Was vor einem Jahrhundert begann, hat sich über Generationen hinweg zu einem festen Bestandteil der Luxemburger Sportkultur entwickelt. Auch die sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: Zahlreiche Welt- und Europameistertitel sowie Vizewelt- und Vizeeuropameistertitel wurden bei der Jubiläumsfeier am Samstag im Bettemburger Schloss hervorgehoben und gewürdigt.

Mit 51 Vereinen „gehört ihr beim COSL nicht zu den kleinsten Verbänden“, unterstrich Sportministerin Martine Hansen in ihrer Rede. Sie lobte das unermüdliche Engagement der Sportfischer und blickte zugleich erwartungsvoll in die Zukunft: „Ich warte jetzt auf den ersten Weltmeister, dem ich nach einem Wettbewerb persönlich gratulieren kann.“

Wir sind nicht nur eine Interessenvertretung der Fischer, sondern mit Sicherheit auch eine Gewerkschaft für unsere Seen, Bäche und Flüsse

Gusty Graas

Präsident des Organisationskomitees der 100-Jahr-Feier

Der Sportfischerverein als Umweltschutzorganisation

Doch nicht nur die sportlichen Erfolge standen im Mittelpunkt der Feier. Einen großen Teil der Veranstaltung nahm der Umwelt- und Gewässerschutz ein. Gusty Graas, Präsident des Organisationskomitees der 100-Jahr-Feier und ehemaliger FLPS-Präsident, blickte in einem beinahe schon historischen Vortrag auf das jahrzehntelange Engagement der Sportangler für Luxemburgs Gewässer zurück. „Wir sind nicht nur eine Interessenvertretung der Fischer, sondern mit Sicherheit auch eine Gewerkschaft für unsere Seen, Bäche und Flüsse“, betonte Graas. Ohne den Einsatz des Verbands würde es um Luxemburgs Gewässer heute vermutlich noch schlechter stehen, zeigte er sich überzeugt.

Schon in den 1930er-Jahren hätten sich die Sportfischer gegen die Kanalisierung der Mosel eingesetzt. Später folgten Proteste gegen die Verschmutzung und Begradigung von Flüssen und Bächen. Besonders scharfe Worte fand Graas für die Eingriffe in die natürlichen Gewässerläufe. Dabei sei regelrechter „Vandalismus“ betrieben worden. Die Gewässer seien, so seine drastische Formulierung, regelrecht „vergewaltigt“ worden. Auch an schwere Umweltkatastrophen erinnerte er, darunter ein großes Fischsterben in der Mosel in den 1960er-Jahren und einen Chemieunfall in den 1990er-Jahren. Die Sportfischer hätten immer wieder auf Missstände aufmerksam gemacht.

Dass heute verstärkt auf Renaturierung gesetzt werde, begrüßte Graas zwar, kritisierte aber zugleich das langsame Tempo. Vieles komme „30 Jahre zu spät“. Schließlich sei seit langem bekannt, dass sich Gewässer bereits mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen ökologisch aufwerten ließen. „Warum schaffen wir es dann nicht, das heute viel schneller umzusetzen?“, fragte er.

Luxemburg verpasst Wasserrahmenrichtlinie

Eine wirklich konkrete Antwort auf diese Frage blieb Umweltminister Serge Wilmes in seiner anschließenden Rede schuldig. Zwar seien in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt worden, insbesondere beim Ausbau der Kläranlagen und der Abwasserbehandlung. Dennoch müsse sich Luxemburg eingestehen, dass die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht erreicht würden. Trotz aller bisherigen Anstrengungen befänden sich noch immer nicht alle Gewässer in einem guten ökologischen Zustand.

Als eine der größten Herausforderungen bezeichnete Wilmes den Klimawandel. Zunehmende Trockenheit und extreme Wetterereignisse setzten den heimischen Gewässern erheblich zu. Gleichzeitig verwies der Minister auf die Schwierigkeiten bei der Renaturierung. Häufig würden Projekte durch die mangelnde Verfügbarkeit geeigneter Flächen verzögert. Wilmes betonte allerdings, man habe bereits „Mechanismen“ ausfindig gemacht, um solche Vorhaben künftig schneller voranzubringen. Trotz der Herausforderungen gab sich der Minister zuversichtlich: Man müsse das Glas als halb voll und nicht als halb leer betrachten.

Nach diesen für eine Geburtstagsfeier erstaunlich politischen Reden ging es schließlich zum Geburtstagskuchen und zum Ehrenwein, den die Gemeinde Bettemburg spendierte.

FLPS-Präsident Serge Petro begann die Feierlichkeiten mit seiner Begrüßungsrede

FLPS-Präsident Serge Petro begann die Feierlichkeiten mit seiner Begrüßungsrede Editpress

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