Schwere Vorwürfe gegen Julio Iglesias

Spaniens Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sexueller Gewalt

Zwei Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen den 82-jährigen spanischen Superstar. In der Anzeige ist die Rede von „Menschenhandel“.

Julio Iglesias 2011 bei Preisverleihung in elegantem Anzug, spanischer Sänger und Musiklegende

Julio Iglesias 2011 bei einer Preisverleihung Foto: AFP

Die spanische Justiz hat Ermittlungen gegen den weltberühmten Sänger Julio Iglesias eingeleitet. Zwei frühere Hausangestellte werfen dem 82-jährigen Künstler schwere Straftaten vor – darunter sexuelle Übergriffe, Menschenhandel mit dem Ziel der Zwangsarbeit sowie körperliche Misshandlung. Darüber berichten nach gemeinsamen Recherchen die spanische Zeitung El Diario und der US-amerikanische spanischsprachige Fernsehsender Univision.

Diesen Angaben zufolge, die von Spaniens öffentlichem Rundfunksender RTVE bestätigt wurden, hat die Staatsanwaltschaft am Nationalen Gerichtshof in Madrid Ermittlungen aufgenommen. Die Anzeige soll bereits am 5. Januar von zwei ehemaligen Angestellten eingereicht worden sein. Die Ermittlungen seien geheim, um den „vorrangigen Schutz der mutmaßlichen Opfer“ zu gewährleisten, hieß es.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen mutmaßliche Taten aus dem Jahr 2021, die sich laut Anzeige in den Residenzen des Sängers in der Dominikanischen Republik und auf den Bahamas ereignet haben sollen. Trotz des Auslandsbezugs ist die spanische Justiz zuständig, da Iglesias die spanische Staatsangehörigkeit besitzt.

Die beiden Frauen schildern laut El Diario ein Arbeitsumfeld permanenter Einschüchterung und Kontrolle. Sie berichten von unerwünschten sexuellen Handlungen bis hin zu Penetrationen, von Schlägen, Demütigungen und verbalen Beleidigungen.

Die Anzeige spricht von „Menschenhandel mit dem Ziel der Zwangsarbeit“, von sexueller Aggression, sexueller Belästigung, Körperverletzung sowie von Verstößen gegen Arbeits- und Sozialrechte, darunter fehlende Verträge, überlange Arbeitszeiten und das Fehlen von Ruhezeiten.

Schwer wiegt auch nach Einschätzung der Anwältinnen der beiden Frauen der Vorwurf der Einschüchterung – einer Atmosphäre der Angst, die Widerstand faktisch unmöglich gemacht habe. In wenigstens einem Fall soll der Sänger laut Anzeige die sexuelle Gewalt „unter Ausnutzung seiner hierarchischen Überlegenheit“ begangen haben. Dies könnte strafrechtlich als besonders schwerwiegend gewertet werden.

Eine der Frauen berichtet zudem von Verletzungen wie Blutergüssen und Bissspuren. Laut Anzeige habe Iglesias sie an den Haaren gepackt und geschüttelt – vor den Augen anderer Angestellter.

Die Frauen erklärten gegenüber El Diario, Ziel der Anzeige sei es, „dass all das, was er getan hat, nicht straffrei bleibt“. Ihre Anzeige solle anderen Betroffenen Mut machen, „zu sprechen und an die Justiz zu glauben“.

Julio Iglesias selbst sowie sein Umfeld äußerten sich bislang nicht. Laut El Diario blieben sämtliche Kontaktversuche unbeantwortet.

Iglesias gilt als einer der erfolgreichsten Musiker der Geschichte. Der 1943 in Madrid geborene Sänger verkaufte nach Branchenangaben über 300 Millionen Tonträger weltweit. Er nahm Lieder in mehr als einem Dutzend Sprachen auf und prägte Generationen mit Songs wie „Hey“, „La vida sigue igual“, „To All the Girls I’ve Loved Before“ oder „Begin the Beguine“.

Seit Jahrzehnten lebt Iglesias überwiegend in den USA, zuletzt vor allem in Florida und der Karibik. Seine Karriere machte ihn zum international wohl bekanntesten spanischen Musikstar – ein Image, das durch die aktuellen Vorwürfe nun massiv erschüttert wird.

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