„International Waterbird Census“

Seit 60 Jahren zählen Freiwillige weltweit Wasservögel – auch in Luxemburg

Seit sechs Jahrzehnten erfassen Bürger und Experten auf der ganzen Welt Wasservögel. Auch in Luxemburg helfen Freiwillige, die Populationen zu dokumentieren und dadurch Naturschutzmaßnahmen zu unterstützen.

Wasservogelzählung in Luxemburg 2009 – internationale Vogelbeobachtung und Naturschutzprojekt

Luxemburg nimmt seit 2009 an der internationalen Wasservogelzählung teil Symbolfoto: Editpress/Julien Garroy

Die internationale Wasservogelzählung („International Waterbird Census“, IWC) feiert ihr 60. Jubiläum. Von Nordeuropas Küsten bis zu den tropischen Flussmündungen in Asien und Afrika beteiligen sich zehntausende Freiwillige und Experten seit 1967 an der globalen Bürgerwissenschaftsinitiative, heißt es in der offiziellen Broschüre von IWC und Wetlands International. Gemeinsam setzen sie sich für den Schutz von Wasservögeln und Feuchtgebieten ein.

Auch in Luxemburg ziehen die Helfer jeden Winter los: Seit 2009 findet die jährliche Zählung auch hier statt, berichtet natur&ëmwelt. Rund 30 Personen seien heute Teil der koordinierten Erhebungen. Die Vogelwarte übernehme die Koordination, berate und schule die Zähler und sei für die Erfassung sowie Überprüfung aller Daten verantwortlich. Die gesammelten Informationen dienen als Grundlage für Berichte des Umweltministeriums, etwa an die EU.

Dass die Zählung ausgerechnet in den Wintermonaten stattfindet, liegt laut IWC daran, dass sich viele Wasservogelarten im Januar und Februar in großer Zahl in Feuchtgebieten versammeln. So lassen sich Größe, Trends und Veränderungen der Populationen zuverlässig beobachten und die wichtigsten Standorte identifizieren.

International Waterbird Census

IWC Mitarbeitende setzen Naturschutzmaßnahmen in der Natur um, nachhaltiger Umweltschutz und Artenschutz im Fokus

Wie die IWC Naturschutzmaßnahmen vorantreibt Grafik: IWC, Wetlands International

Die internationale Wasservogelzählung gehört zu den weltweit größten und ältesten Programmen zur Überwachung der biologischen Vielfalt. Ihre Daten liefern wichtige Grundlagen für Naturschutzmaßnahmen und die nachhaltige Bewirtschaftung von Feuchtgebieten, insbesondere in Zeiten rascher Umweltveränderungen. Die erste IWC-Koordination fand in der westlichen Paläarktis statt – einem Gebiet, das Europa, Nordafrika sowie Zentral- und Westasien umfasst. Aus einer Studie zu häufig bejagten Arten entwickelte sich schnell eine umfassende Zählung aller Wasservögel in Feuchtgebieten. Sie lieferte erste verlässliche Momentaufnahmen überwinternder Populationen im Norden, machte kritische Standorte sichtbar und dokumentierte langfristige Trends. (Quelle: natur&ëmwelt)

In den vergangenen 60 Jahren wurde die Zählung nach IWC-Angaben in insgesamt 189 Ländern und Gebieten durchgeführt. Dabei wurden Daten von mehr als 67.000 Standorten zu mehr als 1,9 Milliarden Wasservögeln erfasst. Das Ergebnis ist ein umfangreicher Datensatz, der es Umweltschützern erlaubt, langfristige Veränderungen der Populationen zu erkennen.

Erfolge, aber auch besorgniserregende Rückgänge

Die Langzeitdaten der Zählung haben über die Jahre bedeutende Naturschutzmaßnahmen unterstützt. Dazu gehört die Ausweisung von insgesamt 1,5 Millionen km² als Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention – eine Fläche so groß wie die Mongolei. Sie fördern zudem die internationale Zusammenarbeit zum Schutz wandernder Arten. Darüber hinaus belegen die Daten die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen. Denn: Mehrere durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützte Wasservogelarten haben sich wieder erholt.

Gleichzeitig zeigt die Zählung jedoch auch Verluste: Einige Arten wie der Dünnschnabel-Brachvogel, 1995 zuletzt in Marokko gezählt, sind verschwunden und besonders bei Watvögeln gibt es besorgniserregende Rückgänge. Auch bei den Migrationsmustern sind aufgrund des Klimawandels Veränderungen zu beobachten. „Bis 2050 werden sich die geeigneten Überwinterungsgebiete in Europa voraussichtlich nordöstlich bis in die Ostsee und nach Südrussland ausdehnen, während die Verbreitungsgebiete in Afrika zunehmend fragmentiert sein könnten“, warnen IWC und Wetlands International.

Wantervullenzielung 2026

Wintervogelzählung am letzten Januar-Wochenende mit Vogelfütterung und Naturbeobachtung im Winter

Am letzten Januar-Wochenende findet die alljährliche Wintervogelzählung statt Foto: Editpress/Julien Garroy

Am letzten Januarwochenende findet in Luxemburg das jährliche „Wantervullenzielen“ statt – zum 21. Mal. natur&ëmwelt lädt die Menschen dazu ein, eine Stunde lang Vögel im eigenen Garten, auf dem Balkon oder in nahegelegenen Grünflächen zu beobachten und ihre Sichtungen zu melden. Gezählt wird am 23., 24. und 25. Januar, die Meldung erfolgt anschließend online über ein Formular auf der Internetseite von natur&ëmwelt.

Die gesammelten Daten geben Aufschluss darüber, wie sich die Vogelpopulationen entwickeln, welche Arten stabil bleiben, zurückgehen oder neu auftreten. Diese Informationen helfen wiederum dabei, gezielte Schutzmaßnahmen zu planen. Darüber hinaus werden unter allen Teilnehmern zehn Preise verlost – Meldeschluss ist der 8. Februar 2028.

Bei der Wintervogelzählung 2025 war die Kohlmeise die häufigste Art und wurde in 89 Prozent der Luxemburger Gärten beobachtet. Es folgten Amsel (87 Prozent), Blaumeise und Rotkehlchen (jeweils 80 Prozent) sowie der Haussperling (75 Prozent).

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