Alles Schuld der Deutschen Bahn?
So (un)pünktlich sind die CFL-Züge nach Trier tatsächlich
Verspätungen auf der Bahnstrecke nach Trier: Da ist vor allem die Deutsche Bahn schuld, meint Verkehrsministerin Yuriko Backes. Allerdings: Auf einer Strecke, die ausschließlich in Luxemburg liegt, gibt es noch mehr Verspätungen.
Konfetti! Vor fast genau einem Jahr – am 26. Februar – eröffnete ein CFL-Zug die Trierer Weststrecke. Foto: dpa/Harald Tittel
„Sänk ju for träweling wis Deutsche Bahn.“ Ausfälle, Unpünktlichkeit und verpasste Anschlusszüge: Der Running Gag über das allseits gescholtene Bahnunternehmen aus dem Nachbarland ist inzwischen auch in Luxemburg angekommen.
Denn auf die parlamentarische Frage des Grünen-Abgeordneten Meris Sehovic, was die Ursache für Verspätungen auf der Strecke Luxemburg - Trier ist, antwortete Verkehrsministerin Yuriko Backes (DP) am Donnerstag: „Die meisten Faktoren, die zu Verspätungen führen, liegen am deutschen Netz.“
Tatsächlich scheint’s um die Pünktlichkeit auf den Gleisen zwischen Luxemburg-Stadt, Wasserbillig und Trier nicht so rosig zu stehen, wie aus Backes’ Antwort hervorgeht. Im Jahr 2024 kamen durchschnittlich 89,7 Prozent der Bahnen aus Luxemburg „in time“ in der Moselstadt an – also pünktlich auf die Minute oder mit einer Verspätung von maximal sechs Minuten. 2025 waren es durchschnittlich sogar nur 87,4 Prozent. Sprich: Etwas mehr als jeder zehnte Zug kam deutlich zu spät oder fiel komplett aus. Bei insgesamt 37.113 Verbindungen im Jahr 2024 und 34.930 im Jahr 2025 sind das eine ganze Menge.
Abhängig von der Deutschen Bahn
„Eine nachhaltige Verbesserung hängt in erster Linie von den Anstrengungen der Deutschen Bahn ab, ihre Infrastruktur und ihren Betrieb im Rahmen der derzeit bestehenden konstruktiven Zusammenarbeit zu stabilisieren“, schreibt Backes.
Aber: Die CFL arbeiten daran. Seit einigen Monaten habe die Luxemburger Bahngesellschaft ihren „regelmäßigen und strukturierten Austausch“ mit der Deutschen Bahn intensiviert, sagt Backes. Die Treffen ermöglichten es, „gemeinsam konkrete Verbesserungsmöglichkeiten für das betreffende Streckennetz zu identifizieren“. Eine schon umgesetzte Maßnahme zielt direkt auf den germanischen Hauptstörfaktor: Das Rollmaterial werde jetzt so organisiert, dass die Züge nach Deutschland abfahren können, „ohne von der Ankunft eines möglicherweise verspäteten Zuges aus Deutschland abhängig zu sein“.
Leider lassen sich die unzuverlässigen Nachbarn aber nicht ganz umfahren. Trotz des „Willens der CFL, die Situation zu verbessern“, wie Backes schreibt, hätten nun einmal weder CFL noch Ministerium Einfluss aufs deutsche Bahnnetz. Verbesserungen hingen nun mal in erster Linie von „Anstrengungen der Deutschen Bahn“ ab.
Luxemburg - Trier nicht die unpünktlichste Strecke
Allerdings: Betrachtet man auch die Pünktlichkeit auf den fünf anderen CFL-Hauptstrecken, dann sind die Schienen gen Trier gar nicht das Schlusslicht. Aus dem Jahresbericht der Staatsbahnen von 2024 geht hervor, dass die Züge nach Metz noch wesentlich unzuverlässiger waren: Dort wurde nur ein Pünktlichkeitswert von 82,7 Prozent gemessen. Und auch die Bahnen auf der Strecke von der Hauptstadt über Esch nach Rodange – sie fahren bekanntermaßen ausschließlich über Luxemburger Gebiet – waren in jenem Jahr mit 89,4 Prozent unpünktlicher als die nach Trier. Umgekehrt wies die Strecke, die mit dem berüchtigten Deutsche-Bahn-Netz verbunden ist, 2023 sogar die größte Pünktlichkeit aller CFL-Linien auf – mit 93,2 Prozent.
Zwar wird an der Strecke zwischen Luxemburg-Stadt und Bettemburg seit Jahren gewerkelt – die Trasse soll bis 2027 zweigleisig neugebaut werden. Langfristig geplante Infrastrukturmaßnahmen fließen in die Statistiken zu Zugausfällen aber nicht ein. Und neu gebaut wurde bei Trier auch: Die Trierer Weststrecke wurde nach jahrelanger Bauzeit im Februar 2025 eingeweiht. Sie verbindet den Teil der Stadt, der links der Mosel liegt, mit Luxemburg.
90,8 Prozent betrug die Pünktlichkeitsquote der CFL 2024 übrigens im gesamten Netz, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Zum Vergleich: Die Deutsche Bahn erreichte laut tagesschau.de im selben Jahr im Nahverkehr 90,3 Prozent. Beim Fernverkehr lag die Quote der deutschen Gesellschaft allerdings nur bei 62,5 Prozent.