Führungswechsel am Mierscher Theater

Pit Ewen und Olivier Garofalo blicken nach vorne - und Claude Mangen schaut zurück

Pit Ewen und Olivier Garofalo übernehmen im August die Leitung des „Mierscher Theater“. Das Tageblatt bat die neue Doppelspitze sowie den scheidenden Direktoren Claude Mangen zum Kurzinterview.

Olivier Garofalo und Pit Ewen leiten ab August das Mierscher Theater, Porträt der neuen Theaterleitung

Leiten ab August das Mierscher Theater: Olivier Garofalo (l.) und Pit Ewen (r.) Foto: Bohumil Kostohryz

Tageblatt: Claude Mangen, Sie sind seit 2018 Direktor des „Mierscher Theater“, 2026 verabschieden Sie sich in den Ruhestand. Mit welchen Gefühlen verlassen Sie das Haus?

Claude Mangen: Es war mir vergönnt, das Haus nachhaltig zu verändern und anzupassen – dank des Vertrauens des Verwaltungsrats, der Unterstützung der Gemeinde Mersch und der Konvention mit dem Kulturministerium. Ich verlasse das Merscher Theater also mit großer Zufriedenheit und der Gewissheit, dass die zwei neuen Direktoren mit ihrem Engagement und ihrem Know-how das Theater festigen, weiterentwickeln und modernisieren werden. Sie können dabei auf die Unterstützung eines motivierten Teams zählen.

Olivier Garofalo, Sie arbeiten nach Jahren im Ausland bald wieder in Luxemburg. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Olivier Garofalo: Ich bin froh, nach rund 15 Jahren als Dramaturg, der an drei verschiedenen Häusern gearbeitet hat und dessen Stücke international aufgeführt werden, in mein Geburtsland zurückzukehren: Jetzt kann ich meine Expertise hier einbringen. Ich freue mich darauf, mit den Luxemburger Theatermenschen sowie den Institutionen zusammenzuarbeiten und gleichzeitig durch internationale Koproduktionen mit neuen Ästhetiken zu experimentieren. Es ist mir eine besondere Freude, ein neues Publikum zu entdecken und gemeinsam mit Pit Ewen sowie dem Team mithilfe der Kunst in den Dialog zu treten.

Und was treibt Sie an, Pit Ewen?

Pit Ewen: Ich freue mich darauf, die Zukunft des „Mierscher Theater“ mit Olivier Garofalo, der wertvolle Erfahrungen mitbringt, zu gestalten. Durch meine Studien in der Musikwissenschaft wird mein Fokus auf dem Musikprogramm liegen. Als künftiger Direktor und ehemaliger Mitarbeiter des Hauses, der die Kulturszene gut kennt, will ich mich bemühen, das Merscher Theater auf allen Ebenen voranzubringen. Zum Beispiel auch durch die strukturellen Anpassungen und die Begleitung der Umbauarbeiten im und rund um das Merscher Theater [ab 2027 sind einjährige Sanierungsarbeiten geplant, d.Red.].

Sie scheinen beide begeistert von der Doppelspitze.

Garofalo und Ewen: Das „Mierscher Theater“ hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt – wir führen diesen Weg als Doppelspitze und mit unserem engagierten Team fort. Dabei hat jeder von uns sein Spezialgebiet. Wir ergänzen uns also perfekt und können so viel erreichen.

Claude Mangen, Ihre Nachfolger sprechen von Weiterentwicklungen: Was sind Ihre persönlichen Höhepunkte, wenn Sie auf die Zeit in Mersch zurückblicken?

Mangen: Ein wichtiger Moment war, als wir dem Merscher Theater einen neuen Namen und eine neue visuelle Identität verpasst haben. Die Pandemie 2020 und das Hochwasser 2021 kosteten das Team hingegen viel Energie und Ausdauer.

Gibt es Produktionen oder Projekte, die Sie besonders prägten?

Mangen: Mir bleiben vor allem große Produktionen im Gedächtnis, die das Profil des Hauses geprägt und geschärft haben. Außerdem haben wir das inklusive Netzwerk Mosaik initiiert; das Angebot im Kinder- und Jugendtheater ausgebaut; die „Mierscher Theaterdeeg“ ins Leben gerufen – und mit dem Nationalen Jugendorchester belegt eines der kreativsten Luxemburger Ensembles unsere Residenz.

Sie haben miterlebt, wie sich die Kulturlandschaft in Luxemburg allgemein verändert hat.

Mangen: Vor meiner – kurzen – Zeit am Merscher Theate war ich 25 Jahre lang Programmchef des Radiosenders 100,7. Dort erlebte ich die „kulturelle Revolution“ nach dem ersten Kulturjahr 1995 hautnah mit. Die Entwicklung von der Pionierzeit bis zur Professionalisierung des Sektors ist beachtenswert. Die Künstler*innen haben sich gewerkschaftlich organisiert; die Theater und die regionalen Kulturhäuser wurden gefördert. Es besteht ein transparenter, solidarischer Austausch. Ich wünsche mir allerdings in Zukunft mehr Verständnis: Ein entspanntes Miteinander schadet niemandem.

Wagen wir den Blick in die Zukunft: Olivier Garofalo und Pit Ewen, was wollen Sie dem Publikum bieten?

Garofalo und Ewen: Wir werden weiterhin Aufführungen unterschiedlicher Genres anbieten, wobei der Schwerpunkt auf neuen Theaterproduktionen und Gegenwartstexten liegen soll. Genauso verhält es sich mit den Musikshows, die über die traditionellen Konzerte hinausgehen, ohne jene auszuklammern. Es wird Stücke auf Luxemburgisch, Deutsch, Englisch und Französisch geben – und auch wenn Olivier Garofalo neue Stücke für das „Mierscher Theater“ schreiben wird, vergeben wir auch Auftragswerke. Der Kontakt mit Institutionen wie dem „Centre national de littérature“ ist uns demnach auch wichtig.

Zum Führungswechsel

Das „Mierscher Theater“ erhält ein neues Führungsduo: Pit Ewen und Olivier Garofalo übernehmen ab 1. August die Leitung des Hauses. Der Verwaltungsrat hat am Montag in einer Sitzung die beiden Bewerber einstimmig zu neuen Direktoren gewählt, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Ewen wird den Posten des „Directeur“ übernehmen, Garofalo den des „Directeur artistique“. „Wir wollten weder auf den einen noch auf den anderen verzichten“, erklärt der Präsident des Verwaltungsrats, Marc Fischbach. Während Ewen seit 2021 im „Mierscher Theater“ tätig ist, hat Garofalo laut Pressemitteilung einen Großteil seiner bisherigen Karriere als Dramaturg und Dramatiker an Stadttheatern in Deutschland verbracht. (dr)

Was erwartet die Kunstschaffenden?

Garofalo und Ewen: Wir wollen uns internationaler aufstellen, was luxemburgischen Künstler*innen zugute kommen soll. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Residenzen, die wir international ausschreiben möchten. In dem Rahmen sollen Künstler*innen zu einem Themenschwerpunkt – wir verraten heute nicht, zu welchem! – Projekte entwickeln und entweder im Merscher Theater oder an einem anderen Ort abschließen.

Das Haus soll weiterhin ein Ort sein, an dem sich jeder Mensch gesehen und wohlfühlt

Olivier Garofalo und Pit Ewen

Neue Doppelspitze im Mierscher Theater

Richtet sich Ihr Anbebot weiterhin auch an ein junges Publikum?

Garofalo und Ewen: Wir wollen den Kinder- und Jugendtheaterbereich weiter ausbauen und selbst entsprechende Stücke produzieren beziehungsweise koproduzieren. Das Theater für junge Menschen soll in den Abendspielplan integriert und somit gleichberechtigt behandelt werden. Das ermöglicht es dem „grand public“, sich die Stücke anzusehen, die nicht nur für junge Menschen interessant sind. Darüber hinaus wollen wir – gemeinsam mit Luxemburger Partnern – ein Schul- und Jugendtheaterfestival auf die Beine stellen.

Das „Mierscher Theater“ setzte in der Vergangenheit auch stark auf Inklusion.

Garofalo und Ewen: Das Haus soll weiterhin ein Ort sein, an dem sich jeder Mensch gesehen und wohlfühlt. Unabhängig von der sexuellen Orientierung, körperlichen oder sozialen Voraussetzungen. Das gilt sowohl für das Publikum als auch für die Künstler*innen und die Mitarbeiter*innen. Sie alle sollen sich hier zu Hause fühlen.

Ein letztes Wort, bevor im August der Vorhang aufgeht?

Garofalo und Ewen: Wir schmieden noch andere Pläne, aber damit wir Sie weiterhin überraschen können, behalten wir die noch für uns!

(ispi)

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