„Hörte einen Schrei, dann einen Knall“

Nachbarschaft nach Messerattacke auf Limpertsberg kaum informiert

Auf dem Limpertsberg wurden am Dienstag zwei Frauen mit einer Stichwaffe angegriffen. Eine 35-Jährige erlag ihren schweren Verletzungen. Über die Hintergründe wurden Nachbarschaft und Öffentlichkeit zunächst nur knapp informiert.

Weiße Rosen am Tatort der tödlichen Attacke auf eine Frau in der Avenue de la Faiencerie am Dienstag

Nach dem tödlichen Angriff auf eine Frau in der Avenue de la Faïencerie am Dienstag wurden am Tatort Blumen niedergelegt Foto: Editpress/Julien Garroy

Mittwoch, 10 Uhr in Luxemburg-Stadt. In der Avenue de la Faïencerie auf Limpertsberg scheint alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Auf den ersten Blick deutet kaum etwas darauf hin, dass sich hier am Vortag gegen 14.20 Uhr in einem Mehrparteienhaus dramatische Szenen abgespielt haben. Nach ersten Angaben der Polizei verletzte ein Mann zwei Frauen schwer mit einem Messer und flüchtete dann. Die Staatsanwaltschaft spricht am Mittwochnachmittag in einer Pressemitteilung von einer Stichwaffe. Eine 35-jährige Französin erlag ihren schweren Verletzungen kurze Zeit später.

„Dort, wo die weißen Rosen liegen, ist eine Frau gestorben“, sagt am Mittwochmorgen eine Passantin und deutet auf die Blumen vor dem Eingang eines Mehrparteienhauses in der Avenue de la Faïencerie. Im Laufe des Tages kommen weitere Sträuße hinzu. Die Passantin wohnt in der Nähe, von den Ereignissen am Dienstag hat sie wenig mitbekommen – da sie bei der Arbeit war. Am Abend mussten sie und ihr Mann ihre Fahrzeuge weiter entfernt abstellen, weil Straßensperren den Zugang zu ihrem Haus versperrten. Der Straßenabschnitt blieb bis in die Abendstunden gesperrt.

Ob die Opfer auf offener Straße oder im Gebäude angegriffen wurden sowie weitere Fragen beantwortet die Pressestelle der Polizei am Mittwochmorgen nicht. Sie verweist wegen der laufenden Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft. Am Mittwochnachmittag teilt die Pressestelle der Justiz dann mit, dass ein 27 Jahre alter Mann, der nicht in Luxemburg lebt, als mutmaßlicher Täter gilt. Angaben zu seiner Nationalität macht die Staatsanwaltschaft nicht.

Motiv noch unbekannt

„In solchen Fällen nennen wir die Nationalität gewöhnlich nicht“, erklärt Henri Eippers, Sprecher der Pressestelle der Justiz, auf Nachfrage. Da jedoch wegen der Nationalität der verstorbenen Frau zahlreiche Anfragen aus der französischen Presse eingingen, geht die Staatsanwaltschaft in diesem Fall auf die Herkunft der Opfer ein. Familiäre Verbindungen zwischen den beiden Frauen und dem Mann gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Ob sich die Beteiligten kannten, lässt Eippers offen: „Wir können nach aktuellem Stand sagen, dass es keine familiären Verbindungen gibt. Zu allem Weiteren laufen noch die Ermittlungen.“

Keine weiteren Informationen gibt es auch zum Kontext, in dem Opfer und der mutmaßliche Täter aufeinandertraten. RTL Lëtzebuerg meldet am Mittwoch als Erstes, dass die verstorbene Französin Mitarbeiterin einer Immobilienagentur war. Eine Nachfrage bei der Agentur mit Sitz in Merl bleibt am Mittwoch bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Tatsächlich sind aber mindestens zwei Wohnungen in dem Haus aktuell zur Vermietung ausgeschildert – wie am Mittwochmorgen von außen zu sehen war.

Gespräche mit Leuten aus der Nachbarschaft zeigen, dass sie nur wenige Informationen zu den Geschehnissen erhalten haben. Ein Bewohner kritisiert dies am Mittwoch in einer dem Tageblatt vorliegenden E-Mail an die Stadt Luxemburg. Er schildert ein Gefühl der Unsicherheit, das durch die dürftige Kommunikation nur verstärkt wurde. Allgemein auf die Kritik angesprochen, sagt Henri Eippers am Mittwoch gegen 15.00 Uhr: „Das ist gestern passiert und wir haben jetzt dazu kommuniziert. Etwas Zeit brauchen wir schon, um unsere Arbeit zu machen und Dinge zu überprüfen.“ Die Staatsanwaltschaft habe dies „so schnell wie möglich“ getan, um eine Pressemitteilung mit verlässlichen Informationen zu verschicken.

Schockierende Ereignisse

Bei Gesprächen in der Avenue de la Faïencerie am Mittwoch sagt eine weitere Frau aus der Nachbarschaft: „Ich weiß nur das, was in der Presse steht.“ Seit 17 Jahren lebt sie auf dem Limpertsberg, ebenfalls in einem Mehrparteienhaus, nur zwei Häuser von dem besagten Gebäude. „Ich hörte gestern einen Schrei, dachte allerdings, dass es aus der Nähe des Parks kam. Ich weiß nicht, ob das etwas damit zu tun hatte“, berichtet die Anwohnerin. Hinter den Häusern liegt der Park Tony Neuman. „Dann hörte ich einen Knall, wahrscheinlich von einem Autounfall“, erzählt sie.

Es ist so ein schönes Viertel
und was passiert ist,
ist traurig und erschreckend

Anwohnerin vom Limpertsberg

Tatsächlich teilte die Polizei am Dienstag mit, dass der Mann auf der Flucht mit einem anderen Fahrzeug kollidierte, seine Fahrt jedoch zunächst fortsetzte. Später wurde er zwischen Bridel und dem „Fräiheetsbam“ in Strassen von der Polizei gestellt. Die Fahndung lief dennoch weiter. Denn, so Eippers: „Es hätte sein können, dass eine weitere Person beteiligt war.“ Dieser Verdacht habe sich allerdings nicht bestätigt. Am Mittwoch teilt die Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung kurz vor 15.00 Uhr mit, dass der mutmaßliche Täter zu dem Zeitpunkt dem Untersuchungsrichter vorgeführt werde.

In der Avenue de la Faïencerie erinnert sich die Anwohnerin weiter, dass nach dem Knall und dem Schrei am Dienstagnachmittag Polizei und Krankenwagen auf Limpertsberg eintrafen. „Die Polizei klingelte auch bei uns und erkundigte sich nach einer Person auf der Flucht. Mehr wurde nicht gesagt. Ich weiß gar nichts.“ Sie beschreibt die Ereignisse als „schockierend“ und sagt: „Es ist so ein schönes Viertel und was passiert ist, ist traurig und erschreckend.“ Nun hofft sie, dass das zweite Opfer die Tat überlebt. Die 36-jährige Luxemburgerin wurde am Dienstag schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

1 Kommentare
Manfred REinertz Barriera 28.01.202614:48 Uhr

Frage: Warum werden wir nicht informiert, was da abgelaufen ist? die Betroffenen Einwohner in der rue de la Fayencerie würden das wohl interessieren....??

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