Besuch im „Maacher Lycée“
Muss man super schreiben können, um Journalist zu werden?
Welche Berufe gibt es in der Medienbranche und was muss man dafür können? Das Tageblatt hat eine 4e im „Maacher Lycée“ besucht, um mit den Schülern über Recherche und Journalismus im Social-Media-Zeitalter zu sprechen.
Die Tageblatt-Journalisten Marco Goetz und Lisa Goedert erklärten den Schülern in Grevenmacher die Basics ihres Berufs und zeigten Chancen im digitalen Zeitalter auf Foto: Christian Hourscht
Kann man in der Medienbranche nur Fuß fassen, wenn man ein außergewöhnliches Talent für Sprache hat? Die Antwort lautet eindeutig: nein. Das Berufsbild des Journalisten hat sich nicht zuletzt mit Social Media und KI derart diversifiziert, dass spannende Jobs entstanden sind, die ganz andere Fähigkeiten erfordern, als eine „gute Schreibe“.
Perspektiven in der Medienbranche: So vielfältig ist Journalismus
„Vie et société“-Lehrer Christian Hourscht hatte über die Pop-up-Redaktion in Grevenmacher Kontakt zum Tageblatt-Team aufgenommen, am Dienstag standen Multimedia-Reporterin Lisa Goedert und Ex-Radio-Mann Marco Goetz seiner 4e im „Maacher Lycée“ Rede und Antwort.

„Vie et société“-Lehrer Christian Hourscht (r.) hat die Tageblatt-Redaktion zu einem Besuch seiner 4e im „Macher Lycée“ eingeladen Foto: Editpress/Lisa Goedert
Die Schüler in Christian Hourschts Klasse befinden sich aktuell auf einem Scheideweg ihrer Ausbildung: Am Ende des Schuljahrs müssen sie wählen, in welchen Hauptfächern sie sich die kommenden drei Jahre bis zum Abitur spezialisieren. Manche Schüler und Schülerinnen wissen schon, dass sie sich Richtung Sprachstudium orientieren möchten, andere beweisen im Verlauf der Tageblatt-Schulstunde umfangreiches Wissen über das Funktionieren von Algorithmen, Videoschnitt mit KI-gestützten Apps und das Storytelling für erfolgreiche Instagram- und TikTok-Videos.
Journalismus im Spannungsfeld der Plattformen
Letzteres sind Plattformen, die auch für traditionelle Medienunternehmen immer wichtiger werden – nicht zuletzt, um meinungsgetriebenen „Blasen“ fundierte Recherche entgegenzustellen. Ein komplexes Thema in einem Video von nur 90 Sekunden gleich von mehreren Seiten zu beleuchten, stellt jedoch auch gestandene Journalisten vor ganz neue Herausforderungen. Ein Text, eine Radio- oder TV-Reportage stehen heutzutage nicht mehr für sich alleine, sondern werden durch crossmediale Angebote im Internet ergänzt und erweitert.
Und genau hier sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Berufsfelder in der Medienbranche entstanden, die vielmehr auf das Gespür für kreatives Storytelling und Technologie-Fachwissen setzen als auf reines Sprachgefühl: Vom Community-Manager, „News-Influencer“ und Videoreporter bis hin zu technischen und datengetriebenen Jobs in den Bereichen Video Editing, Datenjournalismus, KI-Implementierung und Suchmaschinenoptimierung von Online-Artikeln.
Die Message an die Schüler war damit klar: Kernkompetenzen für diese Berufsfelder wurden der „Generation Smartphone“ quasi in die Wiege gelegt und können im Rahmen von Studium oder Ausbildung in ein Medienunternehmen führen, wo diese dringend gebraucht werden.