Alain spannt den bogen

Musikalische Neujahrswünsche vom Orchestre de Chambre du Luxembourg im CELO Hesperingen

Früher war das Neujahrskonzert den Wiener Philharmonikern vorbehalten, doch in den letzten Jahren springen immer mehr Orchester auf diesen Zug auf und präsentieren so ihre musikalischen Neujahrsgrüße. Mit Erfolg, wie man feststellen muss, denn das Neujahrskonzert des Luxembourg Philharmonic ist seit langem restlos ausverkauft und auch das Orchestre de Chambre du Luxembourg spielte in der Hesperinger Veranstaltungsstätte CELO vor vollem Saal.

Mateusz Moleda überzeugt durchwegs als Ideengeber und kluger Gestalter

Mateusz Moleda überzeugt durchwegs als Ideengeber und kluger Gestalter Foto: Harry Daemen

Es ist bereits das fünfte Mal, dass das OCL sein Neujahrskonzert im Celo spielt und damit zeigt, dass es auch ein gutes Händchen für die leichte Muse hat. Obwohl viele Dirigenten behaupten, einen Walzer richtig im Takt und mit präzisem Feeling zu spielen, sei alles andere als leicht. Nun, den Musikern des OCL macht es hörbar Spaß, auf den Spuren der Strauß-Dynastie zu wandeln und das Publikum mit Walzerklängen zu verwöhnen. Im Gegensatz zum berühmten Neujahrskonzert aus Wien wird der Schwerpunkt aber nicht auf Johann Strauß und seine Mitstreiter gelegt, sondern das Orchester hatte ein hochinteressantes und sehr musikantisches Programm abseits plattgetretener Pfade zusammengestellt.

Mateusz Moleda überzeugt mit griffigem Dirigat

Ein hochinteressantes Programm abseits plattgetretener Pfade hatte das Orchester zusammengestellt

Ein hochinteressantes Programm abseits plattgetretener Pfade hatte das Orchester zusammengestellt Foto: Harry Daemen

Der Abend beginnt mit einer fulminant gespielten Waldmeister-Ouvertüre von Johann Strauß II. Dirigent Mateusz Moleda, der das OCL bereits zum zweiten Mal in dieser noch jungen Spielzeit dirigiert, ist doppelter Preisträger des Kussewitzki-Wettbewerbs und ein idealer Interpret für diese Walzer-Werke. Die Musik entwickelt sich unter seinen Händen wie von selbst, der Klang wird präzise herausgearbeitet und mit dem Tempo abgestimmt. Moleda zögert nicht, auch Nebenstimmen hervorzuheben oder sogar gefühlsselig zu werden, dies allerdings ohne jemals ins Kitschig-Plakative abzurutschen. Bei Moleda sind die Rhythmen geschärft und die Akzente klar, trotzdem fließt die Musik auf ganz natürliche Weise und bleibt enorm griffig. Das tut besonders Lou Kosters Waltzersuite Unter blühenden Linden gut, denn hier darf die Musik ihre Qualität beweisen, ohne je in Zweit- oder Drittklassigkeit abzurutschen.

Interessant ist die Bearbeitung der Moldau von Bedrich Smetana für Kammerorchester, allerdings fehlt es dem Werk dann schon irgendwie an Kraft und Elan. Mit dem mitreißenden Florentiner Marsch des wenig bekannten Julius Fucik geht dann die erste Konzerthälfte zu Ende. Moleda überzeugt auch in der zweiten Hälfte als Ideengeber und kluger Gestalter, dem das OCL bedingungslos folgt.

Dvorák Prager Walzer als echter Leckerbissen

Hervorragend gelingt den Musikern der Blumenwalzer aus Tschaikowskys Nussknacker-Ballett, während die zwei Walzer aus der Jazz-Suite Nr. 2 von Dimitri Schostakowitsch beziehungsweise der Maskerade-Suite von Aram Chatschaturjan mehr als nur interessante Alternativen sind. Eine besondere Entdeckung und ein wirklicher Leckerbissen sind dann die Prager Walzer von Antonín Dvorák, ein Werk, in dem der Komponist fünf verschiedene Abschnitte und eine abschließende Coda ineinander überfließen lässt und sie mit Walzerrhythmen versieht. Mit Johann Strauß II hat das Konzert begonnen und mit Johann Strauß II wird es auch beendet. Zum Abschluss erklingt der berühmte Frühlingsstimmen-Walzer, der das Publikum dann endgültig zu verdienten Beifallsstürmen hinreißt.

Der Frühlingsstimmen-Walzer riss das Publikum endgültig zu verdienten Beifallsstürmen hin

Der Frühlingsstimmen-Walzer riss das Publikum endgültig zu verdienten Beifallsstürmen hin Foto: Harry Daemen

Als Zugaben – natürlich und wie könnte es anders sein – folgen der Walzer An der schönen blauen Donau von Johann Strauß II und der obligatorische Radetzky-Marsch zum Mitklatschen. Violinistin Carole Mallinger führte den ganzen Abend durchs Programm und hob so die gespielten Werke auf sympathisch-lockere Art besonders hervor.

An dieser Stelle muss man Moleda und das OCL noch einmal besonders loben, denn es gehören schon eiserne Nerven und großes Können dazu, ein Konzert in der katastrophalen Akustik des CELO, die jede Klangvermischung verhindert, Schwingungen wie lästige Fliegen abtötet und es den Musikern quasi unmöglich macht, präzise aufeinander einzugehen, dann doch noch irgendwie ansprechend über die Bühne zu bringen.

Und peinlich, wenn am Ende der Kulturbeauftragte der Gemeinde in seiner Rede nicht einmal den Namen des Dirigenten kennt beziehungsweise korrekt auszusprechen vermag ...

Alain spannt den Bogen - die Tageblatt-Rubrik für Klassik in Luxemburg

Alain spannt den Bogen - die Tageblatt-Rubrik für Klassik in Luxemburg Copyright: Tageblatt

1 Kommentare
Cornelia Baum 09.01.202609:31 Uhr

Katastrophale Akkustik im CELO, die den Musikern nur eine "irgendwie ansprechende" Performance ermöglicht? Diese Aussage widerspricht sowohl meiner persönlichen Erfahrung als auch dem guten Ruf, das dieses Konzerthaus inzwischen landesweit genießt. Wie sonst ist es zu erklären, dass anspruchvolle Orchester wie Militärmusik und OCL wiederholt gezielt das CELO wählen?

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