Domaine Tageblatt
Mosel zum Anfassen: „Wäinhaus“ in Ehnen verspricht Wein-, Kultur- und Sinneserlebnis der besonderen Art
Zwischen Mosel, Reben und historischen Mauern entsteht in Ehnen ein Zentrum des Weinerlebens. Es vereint Wein, Kultur und Geschichte. Das „Wäinhaus“ rückt seiner Eröffnung näher. Vielleicht bereits 2026, hieß es beim diesjährigen Neujahrsempfang im Weinbauinstitut. Ein Ortsbesuch.
Januar 2026: So präsentieren sich das Ensemble der ehemaligen Winzerhäuser und der Neubau heute Foto: Editpress/Julien Garroy
Wer an der Mosel unterwegs ist und durch Ehnen kommt, dem fällt unweigerlich das Ensemble alter Winzerhäuser ins Auge. In den vergangenen Jahren hat es sich leise, aber stetig verwandelt. Aktuell sieht es noch sehr nach Baustelle und viel Arbeit aus. Eine Eröffnung des Weinhauses noch in diesem Jahr hält Steve Reckel aber für möglich. Festlegen will sich der Bürgermeister von Mondorf und Präsident der „Entente touristique de la Moselle“ jedoch nicht.
Das Projekt wurde im Oktober 2022 offiziell vorgestellt. Seither sei viel gearbeitet worden, betont Reckel. Sobald sich ein verlässliches Eröffnungsdatum abzeichne, werde man es kommunizieren. Vor allem die Szenografie habe mehr Zeit in Anspruch genommen als ursprünglich geplant. Die Eröffnung war zunächst für Sommer 2025 vorgesehen.
Das vom Architektenbüro Valentiny HVP aus Remerschen geplante Gebäude erinnert an das Biodiversum an den Baggerweihern Foto: Editpress/Julien Garroy
Was in Ehnen entsteht, ist kein alltägliches Bauvorhaben. Das „Wäinhaus“ will Wein, Kultur und Geschichte miteinander verbinden. Ziel des Umbaus ist es, den Außenbereich wirkungsvoll einzubeziehen und zugleich Architektur und Charakter der historischen Häuser Wellenstein, Schëntgen und Kelterhaus zu respektieren. Alle drei Gebäude stehen als nationale Denkmäler unter Schutz und stammen aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Moderner Komfort soll eingeführt werden, ohne den Charme der alten Winzertradition zu verlieren.
Ein hippes Bistro
Für die architektonische Gestaltung zeichnet das Büro Valentiny HVP verantwortlich. Der Neubau links vom bestehenden Ensemble wird einen Empfangsbereich mit Bistro für rund 50 Personen beherbergen. Dieser Treffpunkt will die klassische Bistrokultur neu interpretieren.

So könnte das Bistro in Zukunft aussehen Foto: Entente touristique de la Moselle
Im Innern des Neubaus bleibt die Dachkonstruktion sichtbar und prägt zusammen mit Holzverkleidungen einen warmen, einladenden Raum. Zwei große Fensterfronten öffnen den Blick auf die Mosel und den Innenhof.
Von Anfang an ging es beim Projekt Weinhaus um mehr als Stein und Mörtel. Herzstück ist die Szenografie, also die Art, wie Besucher durch Räume, Wissen und Weinwelt geführt werden. Inhalte sollen nicht nur gezeigt, sondern lebendig erzählt werden. Dieser Anspruch hat die Fertigstellung verzögert, erklärt aber auch, warum die Besucher später ein Erlebnis erwartet, das weit über ein klassisches Museum hinausgeht.
Wein-Erlebniszentrum
Das Wäinhaus möchte nicht nur informieren, es möchte ein Wein-Erlebniszentrum sein und mit allen Sinnen begeistern. Besucher sollen die Geschichte des Moselweinbaus spüren, den Duft von Holzfässern riechen und die Menschen kennenlernen, die hinter jedem Tropfen stehen. Als önotouristischer Referenzstandort gilt das Wäinhaus als Projekt mit Vorbildcharakter innerhalb der nationalen Tourismusstrategie.
Geplant ist ein Ausstellungsrundgang über zwei Stockwerke mit rund 1.300 Quadratmetern Fläche. Präsentiert werden die Region, ihre Besonderheiten und ihr Wein. Immersive Räume thematisieren Landschaft, Mensch und Territorium, das Leben an der Mosel sowie die Produktvielfalt. Hinzu kommt ein Bereich für temporäre Ausstellungen.
Ein multifunktionaler Raum für Bankette, Weinworkshops und Vorträge mit bis zu 170 Sitzplätzen ist ebenso vorgesehen wie eine Mediathek, die als Dokumentationszentrum zur Moselwelt und zur luxemburgischen Weinbaukultur dient. Der Lesesaal kann flexibel für Seminare oder Präsentationen genutzt werden. Draußen lädt der Weinberg zu einem didaktischen und spielerischen Erlebnis ein, als Erweiterung des Rundgangs und als Ort, um Reben und ihre Eigenschaften im Jahresverlauf kennenzulernen.
Touristinfo und Fahrradverleih
Ergänzt wird der Gebäudekomplex durch eine Touristeninformation sowie den Fahrradverleih „Rentabike Miselerland“. Als das Projekt 2022 vorgestellt wurde, waren Kosten von rund zehn Millionen Euro veranschlagt. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor.
Wenn das Wäinhaus seine Türen öffnet, wird es ein Ort sein, der Einheimische und Touristen gleichermaßen dazu einlädt, den Reichtum der Region zu erleben, zu lernen und zu genießen. Nach Jahren der Planung, Renovierung und inhaltlichen Feinarbeit dürfen sich Besucher auf ein Erlebnis freuen, das Tradition und Moderne, Wissen und Genuss, Geschichte und Gegenwart unter einem Dach vereint. Ehnen erhält damit nicht nur ein neues kulturelles Highlight, sondern ein lebendiges Zentrum.
Gegenüber vom Wäinhaus, direkt an der Fahrradpiste und nahe dem Anlegeplatz des Schiffes Marie-Astrid, plant die Gemeinde Wormeldingen übrigens einen multifunktionalen Kiosk mit öffentlichem WC, Bushäuschen und Snack-Bar. Ein komplementäres Angebot, so Bürgermeister Claude Pundel. Doch darüber ein anderes Mal mehr.