Naturschutz
„Mein“ Wald, der Klimawandel und die Gesellschaft
Der Wald ist ein Sehnsuchtsort. Die Ruhe, die Luft und das Grün zogen schon immer viele Menschen an. Andererseits lastet eine Riesenaufgabe auf ihm, denn er spielt eine wichtige Rolle im Klimawandel. Deshalb braucht er Pflege und Menschen, die sich um ihn kümmern und ihn erhalten. Bei über der Hälfte des Waldes in Privatbesitz erfüllen diese Waldbesitzer wichtige gesellschaftliche Aufgaben.
Luxemburgs Landesfläche besteht zu über einem Drittel aus Wald. Etwas mehr als die Hälfe davon ist in Privatbesitz. Foto: Editpress/Alain Rischard
Man muss den Wald schon gerne haben, um ihn zu pflegen. Albert Huberty ist ein echter Waldmensch. „Ich bin einfach gerne im Wald“, sagt der 76-jährige ehemalige Veterinär mit eigener Praxis. 1999 kauft er 12,5 Hektar Wald rund um Roedgen. Die Erben wollen oder können sich nicht darum kümmern. Mit dieser Größe liegt der damals neue Privatwaldbesitzer weit über dem Landesdurchschnitt, der aktuell bei 3,5 Hektar liegt.
Seine Waldflächen mit Zäunen abzugrenzen, wie bei privaten Gärten üblich, käme ihm und auch seinen Kollegen nicht in den Sinn. „Der Wald gehört jedem“, sagt er und definiert die damit verbundene Verpflichtung gleich mit. „Wir Privatwaldbesitzer pflegen und erhalten ihn.“ Das klingt nach großer gesellschaftlicher Verantwortung und ungewohnt uneigennützig in einer Zeit, wo jeder zuerst nach seinem eigenen Vorteil schaut.
Die Waldpflege bedeutet Aufwand
Das hat auch Joëlle Welfrings Vorgängerin im Umweltministerium erkannt, die den „KlimabonusBësch“ für die Privatwaldbesitzer eingeführt hat. Er ist für die Waldbesitzer das, was für die Landwirte die Umweltprämien sind. Das entschädigt die Hege und Pflege der grünen Lunge des Landes, die nicht nur CO2 bindet, sondern auch Regenwasser filtert und vielen Tierarten Lebensraum bietet. Mit oder ohne staatliche Unterstützung ist für Huberty der Wert des Waldes, der weit mehr liefert als Holz und Jagdfleisch, unschätzbar.
Er ist oft in seinen Waldstücken unterwegs. So oft, dass er gar nicht sagen kann, wie viele Stunden das so im Monat sind. Es spielt sowieso keine Rolle. Inmitten der Bäume kann er entspannen, Pilze sammeln und nach dem Rechten sehen. „Es macht mir Freude, mich darum zu kümmern“, sagt er. Das bedeutet manchmal richtig viel Aufwand. Seine Waldstücke rund um Roedgen haben gerade eine „Durchforstung“ hinter sich, wie es im Fachjargon heißt. An der Stelle im Wald sind die Spuren noch zu sehen.
Große und kleine Äste bedecken den Boden, dazwischen ragen Baumstümpfe mit frischen Sägestellen aus dem Boden. Die Nadelbäume, die einmal dort standen, mussten geschlagen werden. Die Trockenheit der letzten Jahre und der Borkenkäfer waren zu viel. Sie haben das nicht überlebt. Den angrenzenden Laubbäumen geht es verhältnismäßig gut – auch wenn Hubertys geübtes Auge den ein oder anderen erblickt, dem es schlecht geht.
Der Wald ist ein kostbares Gut
Normalerweise entnimmt er durchschnittlich 40 Kubikmeter Holz jährlich für den Eigenbedarf. Hier waren es geschätzte 300 Kubikmeter Nadelholz, dessen Brennwert nicht hoch ist. Ein Holzhändler hat es abgeholt und verladen. Bucheckern und Eicheln, die gerade an den benachbarten Stellen heranreifen, sollen für Verjüngung sorgen. Eine Durchforstung kostet Geld, denn ohne große Maschinen geht es nicht. Es gehört zu Hubertys Aufgaben, das zu veranlassen, wenn es sein muss. In den letzten zehn Jahren hat er seine Waldstücke gründlich durchforstet, gesunde Bäume von den toten getrennt, oder neu angepflanzt.
Vieles macht er selbst. „Jetzt können die anderen Bäume gut gedeihen“, sagt er mit einem Blick auf die Laubbäume, die um die neue Lichtung stehen. Und es können neue nachwachsen, denn der Wald regeneriert sich selbst. Eine kleine Hainbuche bahnt sich den Weg neben seinen Füßen nach oben. Der Wald fordert Geduld und ein Denken in langen Zeiträumen. 30 Jahre wird es dauern, bis die kleine Buche ein großer Baum ist.
Als zu zeitintensive Verpflichtung oder gar Ballast hat Huberty seinen Wald nie empfunden. Dazu empfindet er ihn als zu kostbar – für sich und die Allgemeinheit. „Wald ist Wald und muss Wald bleiben“, sagt er. Das sieht auch der Gesetzgeber so, denn per Gesetz ist die Abholzung nur noch bis zu einer Fläche von 50 Ar erlaubt. Die Aufforstung ist die größte Herausforderung in dem sich wandelnden Klima.
Dem Klimawandel Rechnung tragen
Schon länger geht der Trend weg von Monokulturen und hin zu Mischwäldern, um den Wald stabiler gegen Schäden zu machen. Die letzten verfügbaren Zahlen zur Verteilung der Baumarten stammen aus dem Jahr 2010, wie eine parlamentarische Anfrage von September 2022 zeigt. Zu dem Zeitpunkt setzt sich der Wald im Land zu 31,7 Prozent aus Nadelwald und zu 67,3 Prozent aus Laubwald zusammen.
Schon damals antwortet das Umweltministerium, dass eine Durchmischung angestrebt wird. Wie diese aussieht, ist ein permanentes Experimentieren. Egal, wen man fragt, ein Patentrezept für Arten, die gut mit den hohen Temperaturen zurechtkommen, gibt es noch nicht. Dass vor allem Nadelbäume unter dem Klimawandel leiden, ist bekannt, genauso wie die Tatsache, dass Eichen momentan noch gut klarkommen.
Buchen hingegen kämpfen mit dem Klimawandel, zeitweise waren es auch die Eschen. Für Winfried von Loë (61) ist der Wald sein Arbeitsplatz. Der Forstingenieur leitet die Beratungsstelle der Asbl. „Lëtzebuerger Privatbësch – Groupement des Sylviculteurs“ mit vier Mitarbeitern. Seit dem Jahr 2000 berät er Privatwaldbesitzer bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder. Ihnen kommt eine große Rolle zu, denn von den insgesamt rund 92.000 Hektar Wald im Großherzogtum sind 52 Prozent in privater Hand.
Der Wald ist „in“
Huberty ist einer von rund 14.000 Privatwaldbesitzern im Land, wie aus der Webseite der Asbl. hervorgeht. Rund 2.200 Mitglieder hat die Interessensvereinigung, die die Privatwaldbesitzer politisch repräsentiert. Tendenz steigend. „Das Interesse am Wald wächst“, bestätigt Loë. Allein für den „Waldführerschein“, eine Fortbildung über mehrere Monate, schreiben sich jährlich zwischen 40 und 50 Personen ein. Außerdem steigen die Mitgliederzahlen der Vereinigung nach eigenen Angaben stetig.
Gerade noch am Morgen hat Loë zwei Waldbesitzer beraten, die auf ihren Flächen aufforsten wollen. Er organisiert Unternehmen, die das machen, holt Angebote ein, kalkuliert und hilft bei der Umsetzung. Auch Huberty hat schon oft die Hilfe des Interessenvereins angefragt. Das neue Waldgesetz sieht vor, dass spätestens drei Jahre nach jedem Kahlschlag eine ökologisch und ökonomisch gleichwertige Fläche entstanden sein muss. Loë unterstützt das und macht mit seinen Worten deutlich, dass das Engagement der Privatwaldbesitzer nicht hoch genug geschätzt werden kann. „Wald zu erhalten, ist unsere Lebensgarantie“, sagt er. „Wir brauchen die Bäume, um CO2 zu speichern.“
Der Interessenverein der Privatwaldbesitzer
Der Interessenverein wurde vor 90 Jahren gegründet, um die Interessen der Privatwaldeigentümer auf politischer Ebene und in mehreren nationalen Gremien zu repräsentieren. Er ist mit seinen rund 2.200 Mitgliedern außerdem Mitglied in europäischen und internationalen Dachorganisationen und als Naturschutzorganisation anerkannt.
Website: Privatbesch.lu.