Vakanz doheem

An der Mosel entlang: Eine Entdeckungsreise vor der Haustür

Von Weinbergen bis Naturschutzgebiet: Eine Fahrt entlang der Mosel zeigt die Region in ihrer ganzen Bandbreite.

Modernes Tageblatt-Büro in Grevenmacher mit Passanten vor dem Eingangsbereich bei Tageslicht

Das neue Tageblatt-Büro in Grevenmacher lockt bereits den einen oder anderen Passanten an Foto: Carole Theisen

Die Mosel prägt die Wirtschaft und Landschaft Luxemburgs – und bleibt dennoch für viele ein kaum erkundeter Landstrich. Eine Tageblatt‑Redakteurin, die bislang wenig Bezug zu dieser Region hatte, macht sich am vergangenen Wochenende auf den Weg, um das zu ändern. Ausgangspunkt ist die neue Tageblatt‑Agentur in Grevenmacher, die vor kurzem mitten in der Fußgängerzone eröffnet hat.

Das temporäre Büro soll ein Ort der Nähe sein, ein Raum, in dem Leserinnen und Leser erleben können, wie Zeitung entsteht. Von dort aus beginnt eine Tour, die zeigt, dass man das Land nicht verlassen muss, um Neues zu entdecken. Auf der Rückbank des Motorrads führt der Weg bei herrlichem Wetter entlang der Weinberge.

Wormeldingen: Landschaft mit Geschichte

Schon kurz hinter Grevenmacher öffnet sich der Blick auf die Hänge von Wormeldingen. Die Wormer Koeppchen ist kein Geheimtipp. Der Weinberg gilt als einer der bekanntesten des Landes. Steil, kalkhaltig, nach Südwesten ausgerichtet – Bedingungen, die den Ruf der Region als Weißweinstandort mitgeprägt haben.

Oben steht die Kapelle des Heiligen Donatus. Sie wurde 1925 errichtet, als Schutz gegen Unwetter. Einmal im Jahr, am ersten Sonntag im Juli, zieht eine Prozession hinauf zur Kapelle. Von hier aus reicht Blick weit über das Dorf hinaus.

Blick von Wormer Koeppchen über grüne Weinberge von Wormeldange an der Mosel bei sonnigem Wetter

Blick von der „Wormer Koeppchen“ über die Weinberge von Wormeldingen und die Mosel Foto: Carole Theisen

Ehnen: Ein Dorf wie ein Labyrinth

Nur zwei Kilometer weiter liegt Ehnen, ein Winzerdorf, das sich unscheinbar an der Route du Vin zwischen zwei Seitentäler schmiegt. Enge Gassen, alte Winzerhäuser, ein Weinmuseum, die einzige Rundkirche Luxemburgs. Schon beim Ankommen verändert sich das Tempo. Die Straßen werden schmaler, der Lärm verschwindet.

Historisch gehört der Ort zum ehemaligen Hof Lenneng, jahrhundertelang unter dem Bistum Trier. Was auffällt: die Ruhe. Keine überfüllten Plätze, keine aggressive Vermarktung. Zwischen den Häusern fließen die „Lennengerbaach“ und die „Gouschtengerbaach“, die sich im Ort vereinen und in die Mosel münden.

Die Strecke führt weiter – und mit ihr verändert sich die Stimmung.

Remich: Die Perle der Mosel

Remich, die sogenannte Perle der Mosel, ist der Gegenpol. Die Stadt setzt auf Zugänglichkeit und Angebote: eine drei Kilometer lange Promenade, Cafés, Schifffahrten, Freizeitmöglichkeiten. Der Ort ist auf Besucher eingestellt.

Hier trifft man Caroline, unterwegs mit ihrer Enkelin. Sie erzählt ihre Beziehung zur Mosel-Metropole: „Ich bin hier, weil meine Tochter hier wohnt und ich sie besuchen komme. Mir gefällt es sehr gut an der Mosel. Man kann wunderbar spazieren gehen, von Remich bis nach Schengen oder sogar mit dem Fahrrad bis nach Trier. Und es gibt überall Bänke zum Sitzen, überall kann man auf den zahlreichen Terrassen etwas Kleines essen oder trinken. Herrlich!“

Remicher Promenade mit Sitzbänken und Blick auf die Mosel, ideal zum Entspannen und Spazierengehen in Luxemburg

Die Remicher Promenade lädt zum Verweilen ein Foto: Carole Theisen

Schengen & Remerschen: Natur statt Trubel

Noch ein Stück weiter südlich wird es dann wieder ruhiger. In Remerschen liegt das Biodiversum, ein futuristischer Holzbau auf einer künstlichen Insel im Naturschutzgebiet „Haff Réimech“. Drinnen erzählen interaktive Ausstellungen von der Vogelwelt, der Geologie und der Geschichte des Gebiets.

Draußen führen Wege um die Baggerseen und im Sommer kann man in den Weihern baden. Es ist ein Kontrastprogramm zur lebhaften Promenade von Remich – Natur statt Trubel.

Am späten Nachmittag schlägt das Wetter um. Der Himmel wird schwerer, erste Tropfen fallen. Es geht zurück in den Süden.

Zwischen Wein, Wasser und Geschichte

Die Mosel ist aber nicht nur Landschaft, sondern auch Kulturraum. Das frisch renovierte Schengen-Museum erzählt die Geschichte Europas, und das Originalschiff Princesse Marie‑Astrid, auf dem die Schengen‑Abkommen unterzeichnet wurden, ist nach einer Renovationsphase wieder präsent. Entlang der Region verteilen sich sieben Museen, jedes mit eigener Handschrift, von Weinbau bis Luftfahrt.

Gleichzeitig ist die Mosel Luxemburgs einzige Weinregion. Rund 90 Prozent der Produktion sind Weißweine, dazu kommt der Crémant de Luxembourg, der längst als Aushängeschild gilt. Viele Winzer bieten Degustationen und Kellerführungen an, und in diesem Jahr starten erstmals saisonale Önotourismus‑Rundgänge in Ahn, Greiveldingen und Wellenstein – geführt, mehrsprachig, immer mit einer Probe am Ende.

Auch der Sommer verspricht so einiges. Am Pfingstwochenende öffnen 27 Weingüter ihre Türen für „Wine Taste Enjoy“, verbunden durch kostenlose Shuttlebusse. Besucherinnen und Besucher entscheiden selbst, wo sie Halt machen.

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