Film „Food for Profit“

Massentierhaltung und Quälerei: Der Schein in Europa trügt

Der Dokumentarfilm „Food for Profit“ (2024) wurde am Freitagabend im „Ciné Le Paris“ in Bettemburg präsentiert. Massentierhaltung, Quälerei und öffentliche Gelder: Der Film zeigt die Verbindungen zwischen Fleisch-Industrie, Lobbyismus und Macht. „Frida Asbl“ lud im Rahmen der Vorführung zu einer Pressekonferenz im Mondorfer Rathaus ein.

Tilly Metz, Giulia Innocenzi und Adela Fuentes (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz zum Film „Food for Profit“ im Mondorfer Rathaus

Tilly Metz, Giulia Innocenzi und Adela Fuentes (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz zum Film „Food for Profit“ im Mondorfer Rathaus Foto: Editpress/Alain Rischard

„Ich war total verstört, der Film zeigt die traurige Realität der europäischen Fleisch-Industrie“, sagt Adela Fuentes der Tierschutz-Organisation „Frida Asbl“. Gemeinsam mit Giulia Innocenzi, Autorin und Regisseurin des Dokumentarfilms „Food for Profit“, und Tilly Metz („déi gréng“), Mitglied des Europäischen Parlaments, tauschte sie sich über die Zustände in der Landwirtschaft Europas aus.

Eine Gefahr für Mensch und Tier

Die italienische Journalistin habe – gemeinsam mit Autor und Regisseur Pablo D’Ambrosi – fünf Jahre lang hinter den Kulissen der führenden Mächte in der Landwirtschaft investigiert. „Die GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) der Europäischen Kommission sieht eine Finanzhilfe von 387 Milliarden Euro für die europäische Landwirtschaft vor“, so Innocenzi. Eine Initiative, die auf eine Linderung der Verzweiflung bei den Landwirt*innen hoffen lässt. Doch der Schein trüge: „Der Großteil dieser Investition fließt in die Intensivlandwirtschaft – in die großen Unternehmen, wo Massentierhaltung betrieben wird und Tierquälerei an der Tagesordnung steht“, erklärt sie. 

Auch in Luxemburg gebe es große Farmen, die massenweise Tiere auf engstem Raum halten. „Jedes Land glaubt, es sei von der Problematik verschont, dem ist aber nicht so“, ergänzt die Autorin. Die Intensivlandwirtschaft habe nicht nur schwerwiegende Folgen für die Tiere: „Der Einsatz von Antibiotika, Gen-Veränderung und Krankheiten aufgrund von Massentierhaltung sind auch für den Menschen eine erhebliche Bedrohung“, erläutert Tilly Metz.

Erste Erfolge

„Wir haben für unsere Forschung einen Undercover-Lobbyisten engagiert. Er zeichnete seine Gespräche mit Mitgliedern des EU-Parlaments mit einer versteckten Kamera auf“, erklärt Innocenzi. Der Lobbyist stellte ihnen hierbei genetische Experimente an Tieren vor, um die Produktivität auf Farmen zu steigern. Einige EU-Parlamentarier waren nach diesen Gesprächen bereit, die Experimente zu unterstützen. „Diese Reaktionen schockierten uns sehr“, sagt die Regisseurin.

Der Film „Food for Profit“ wurde weltweit vorgeführt. Dabei konnte er bereits erste Erfolge hervorrufen: „Nachdem die Polizei die Aufnahmen zu Gesicht bekam, begann sie in einigen Fällen zu ermitteln“, so Innocenzi. Zwei Mitglieder des EU-Parlaments mussten später ihr Amt niederlegen. Der Film habe außerdem eine große Wirkung auf das junge Publikum. „‚Warum sind wir so gemein zu den Tieren?‘, fragen die Kinder in den Grundschulen“, so Tierschützerin Adela Fuentes. Genau hier müsse man ansetzen – bei der Bildung. Ein schärferes Bewusstsein beim Fleischkonsum könne zukunftsweisend für die Agrarwirtschaft sein.

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