Faktencheck
Liest die KI auf WhatsApp mit? Kettenbrief kursiert in Luxemburg
Ein Kettenbrief warnt davor, dass die KI auf WhatsApp bald „Zugriff auf alle Unterhaltungen haben wird“. Nur eine bestimmte Funktion könne das verhindern. Ob da was dran ist und was die Funktion wirklich bewirkt.
Ein Kettenbrief warnt davor, dass die Künstliche Intelligenz von Meta bald WhatsApp-Nachrichten ausspähen könnte – doch so ganz stimmt das nicht Foto: AFP
Ein Kettenbrief auf WhatsApp sorgt derzeit für Aufregung. Auch in Luxemburg kursiert die Nachricht. Darin wird davor gewarnt, dass die KI von Meta ab Samstag „Zugriff auf alle Unterhaltungen haben wird“. Außer Nutzer aktivieren eine bestimmte Option in den Einstellungen. „Andernfalls kann die KI Gruppennachrichten öffnen, Telefonnummern sehen oder sogar persönliche Daten von Ihrem Telefon abrufen, einschließlich privater Chats“, heißt es. Stimmt das?
Faktencheck
„Frei erfunden“, schreibt das österreichische Faktencheck-Portal Mimikama über den Inhalt des Kettenbriefs. Die Behauptung über einen „KI-Zugriff“ auf private Chats und persönliche Daten stimme so nicht. Zwar gibt es laut Mimikama KI-Funktionen in WhatsApp, doch diese greifen nur, wenn Nutzer sie bewusst einsetzen. Es findet kein automatischer Zugriff auf Inhalte oder Telefonnummern statt. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt in jedem Fall aktiv.

Der Kettenbrief wird auf WhatsApp eifrig weitergeleitet – trotz falschem Inhalt Screenshot: Whatsapp
Selbst wenn die KI-Funktionen in einem Chat durch einen Nutzer mit „@Meta AI“ aktiv genutzt werden, werden Inhalte nur temporär und anonymisiert verarbeitet – und nicht gespeichert, schreibt Mimikama. In Gruppenchats kann der im Kettenbrief erwähnte „erweiterte Datenschutz“ die KI-Nutzung ganz unterbinden. Denn die Funktion verhindert unter anderem:
- dass Medien automatisch in der Galerie gespeichert werden,
- dass Chats exportiert werden können und
- dass Inhalte für KI-Funktionen wie Meta AI oder Chat-Zusammenfassungen genutzt werden.
„Doch ein Schutzschild gegen KI ist sie nicht, weil dieser ‚Angriff‘ gar nicht existiert“, schreibt Mimikama. Die „Meta AI“ wurde übrigens bereits Ende März 2025 auf WhatsApp eingeführt.
Nicht das erste Mal
Der Kettenbrief zum „Erweiterten Chat-Datenschutz“ auf WhatsApp taucht laut Mimikama in Wellen immer wieder auf. Er baue zwar auf einer realen Funktion auf, überzeichne aber bewusst den Hintergrund. „Was der Kettenbrief jedoch daraus macht, ist nichts weniger als eine gezielte Desinformationskampagne“, schreibt Mimikama.
Denn: Die KI-Funktionen respektieren die Privatsphäre, solange Nutzer keine Daten aktiv freigeben. „Der Kettenbrief operiert mit einer typischen Taktik“, schreibt Mimikama. Er nehme einen realen technischen Fortschritt und vermische ihn mit dramatischen Behauptungen, um Unsicherheit zu schüren. Dadurch entsteht laut Mimikama der Eindruck, als sei die eigene Privatsphäre in akuter Gefahr – obwohl dies objektiv nicht zutrifft.
WhatsApp muss andere KI-Anbieter zulassen
WhatsApp-Nutzer haben derzeit Zugriff auf die Künstliche Intelligenz „Meta AI“. Andere Anbieter müssen zahlen, wollen sie ihre KI auch anbieten. Die EU fürchtet bleibende Nachteile – und hat deswegen eingegriffen. Die Kommission zwingt den Messengerdienst, KI-Assistenten anderer Anbieter in der Europäischen Union wieder kostenlos zuzulassen. Meta hat noch zwei Werktage Zeit, um die Maßnahme umzusetzen.