Naturschutz
Forstverwaltung warnt: Luxemburgs Wälder leiden massiv unter der Dürre
Verfärbte Blätter, abgestorbene Kronen und aufgeplatzte Rinden: Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Luxemburgs Wäldern sichtbar. Die Naturverwaltung ruft Besucher zu besonderer Vorsicht auf.
Die Forstverwaltung warnte am Donnerstag vor der zunehmenden Trockenheit im Wald Foto: Editpress/Julien Garroy, Montage: Louis Elsen
„Wir hatten jetzt fast sechs Wochen ohne Regen. Die Wälder leiden“, sagt Michel Leytem, Direktor der „Administration de la nature et des forêts“ (ANF) am Donnerstagmorgen. Die ANF hatte zu einer Pressekonferenz im Wald von Leudelingen eingeladen, um auf die schwierige Situation der heimischen Wälder aufmerksam zu machen. Erst vor einer Woche wurde ein Spaziergänger durch einen herabfallenden Ast tödlich verletzt. Laut den Vertretern der ANF stehen Vorfälle wie diese im Zusammenhang mit den langen und heißen Trockenperioden der vergangenen Jahre.
Blätter verraten den Baumzustand
„Wir erleben derzeit die vierte Hitzewelle in dieser Saison und es ist noch nicht einmal August“, sagt Leytem. „Wenn es so lange trocken ist, kommt es natürlich auch bei den Bäumen zu einem Trockenstress.“ Man könne demnach beinahe von einem Burn-out sprechen. Dieser führe dazu, dass auch gesund aussehende Äste herabstürzen könnten.

Martine Neuberg erklärt, woran man sterbende Bäume erkennt Foto: Editpress/Julien Garroy
Martine Neuberg, Leiterin des „Service forêt“, zeigt auf die Spitzen der Baumkronen: „Wir sehen uns den Belaubungszustand der Kronen an und untersuchen, ob Teile der Kronen abgestorben sind.“ Verfärbte oder eingerollte Blätter seien ein Zeichen dafür, dass es den Bäumen nicht gut gehe.
Das Problem der Dauerbelastung
Man muss sich nicht lange im Wald umsehen, um zu bemerken, dass Dutzende Bäume ganz oder teilweise ergraut sind. Erneut zeigt Neuberg nach oben: „Die ganze Krone ist abgestorben. Und man sieht, wie die Blätter sich unten verfärben und Äste auch absterben.“
Der Leudelinger Wald von oben
„Wir sind mit Wettersituationen konfrontiert, die es davor nicht gab“, sagt Neuberg. Lange Trockenperioden, hohe Temperaturen und wenig Luftfeuchtigkeit führten dazu, dass die Blätter verdunsten. „Im Boden ist nicht mehr viel Wasser und den Bäumen gelingt es nicht mehr, das Wasser aufzunehmen, da sie unheimlich viel Kraft aufbringen müssen, um das Wasser nach oben zu pumpen.“

Abgestorbene Kronen sind ein Zeichen für zu viel Hitze und zu wenig Regen Foto: Editpress/Julien Garroy
Die Folge: Die Bäume sterben langsam von oben nach unten ab. Regnet es – oder sinken die Temperaturen, dann könnten sich die Bäume wieder erholen, erklärt Neuberg. Durch die immer wiederkehrenden Trockenperioden seit 2018 und die hohen Temperaturen würden die Bäume jedoch dauerhaft belastet. Dies sei vergleichbar mit einem geschwächten Patienten, so Neuberg. „Irgendwann kommt der Punkt, wo der Baum sich nicht mehr erholen kann.“
Bäume mit Sonnenbrand
Dennoch würden auch tote Bäume stehen gelassen, um den Rest des Waldes zu schützen. „Wir versuchen, das Waldklima so lange wie möglich zu erhalten, damit möglichst wenig Sonnenstrahlen den Boden erreichen.“ Dieser ist bereits jetzt „furztrocken“, wie Michel Krischel, Leiter des Südbezirks der ANF, sagt. Der Lehmboden ist regelrecht sandig geworden. Krischel nimmt dazu vor Ort eine fußtiefe Bohrung vor und sogleich bröselt die Erde von der Spitze.

Michel Krischel zeigt den sandigen Boden, den er entnommen hat Foto: Editpress/Julien Garroy
Auch Bäume bekämen Sonnenbrand, erklärt Leytem und zeigt auf die aufgeplatzte Rinde eines Stammes. „Dadurch, dass ein anderer Baum vor ihm abgestorben ist, hat dieser Baum viel mehr Sonne abbekommen.“ Die Folge: Die Bäume sind der Strahlung schutzlos ausgeliefert und die Rinde platzt auf.
Wie hoch ist die Waldbrandgefahr in Luxemburg?
Um gegen das Waldsterben vorzugehen, sei es wichtig, auf Diversität zu setzen, so Leytem. Genau diese Mischwälder seien derzeit auch ein Vorteil in Luxemburg, wenn es um das Waldbrandrisiko gehe. Und dennoch steigt dieses Risiko durch die Dürre auch im Großherzogtum. Leytem verweist auf die Warnstufen von Météo-France, denen zufolge die zwei an Luxemburg grenzenden Départements „Moselle“ und „Meurthe-et-Moselle“ ein hohes Brandrisiko aufweisen.

Michel Leytem ist Direktor der Forstverwaltung Foto: Editpress/Julien Garroy
„Jetzt ist nicht der Moment, um im Wald zu grillen, und es ist auch nicht der Moment, um Zigarettenstummel auf die Erde zu schmeißen.“ Und Autos sollten auch nicht auf trockenem Gras abgestellt werden.
Was beim Waldbesuch zu beachten ist
Nach dem tödlichen Zwischenfall bei Berdorf ruft Leydem zur Vorsicht auf: „Wenn man in den Wald spazieren geht, sollte man sich nicht lange unter einem Baum aufhalten.“ Wichtig sei vor allem, sich Bewusstsein für das Risiko zu schaffen. Hinzu kommt: Seit der Anpassung der Gesetzgebung im Jahr 2023 sind die Waldeigentümer nicht mehr automatisch verantwortlich, wenn sich ein Unglück ereignen sollte. Stattdessen liegt die Verantwortung bei den Besuchern.
Baum gepflanzt – und dann kommt die Dürre

Junge Bäume stehen entlang des Ackers Foto: Editpress-Archiv/Hervé Montaigu
Das Tageblatt fragte während der Pressekonferenz nach, wie sich die Dürre auf neu gepflanzte Bäume auswirkt. Michel Leytem sagt dazu: „Wenn man Bäume auf einer Freifläche pflanzt, dann gehen sie mit großer Wahrscheinlichkeit ein.“ Durch das Risiko der Dürre im Sommer sei es zudem wenig sinnvoll, Bäume im Frühjahr zu pflanzen, da diese dann eine geringe Überlebenschance aufweisen. Stattdessen sollte man die Pflanzung in den Herbst vorverlegen.
Hinzu kommt laut Michel Krischel das Problem, dass junge Bäume für Kompensationszwecke auf Staatsflächen in der Regel nicht gegossen werden. „Wir kommen in eine Situation, in der wir die Bäume in Zukunft auch gießen müssen.“