Interview

Laura Thorn gibt Ende Januar die LSC-Krone ab – und erzählt von einem turbulenten Jahr

In wenigen Tagen heißt es: Wer gewinnt den Luxembourg Song Contest und tritt in Laura Thorns Fußstapfen? Luxemburgs Kandidatin für den Eurovision Song Contest 2025 zieht im Interview Bilanz und spricht über Post-ESC-Depression, den Streit um Israel und die Suspendierung des Direktors des Escher Konservatoriums.

Laura Thorn im Tageblatt-Interview 2025 reflektiert ihr Jahr und gibt Ausblick auf ihre Pläne für 2026

Laura Thorn blickt im Tageblatt-Interview auf ihr besonderes Jahr 2025 zurück – und verrät, was 2026 auf dem Programm steht Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Tageblatt: Wenn du auf das Jahr 2025 zurückblickst – wie würdest du es in einem Satz beschreiben?

Laura Thorn: In einem Satz? Uff … Das verrückteste Jahr meines Lebens – geprägt von einer unglaublich coolen Erfahrung und dem Kennenlernen von richtig tollen Menschen.

Drehen wir die Uhr ein Jahr zurück. Was ist dir vom Januar 2025 am stärksten in Erinnerung geblieben?

Beim LSC gab es unglaublich viele neue Eindrücke. Ich habe in dieser Zeit sehr viel über mich selbst gelernt. Das ist eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde.

Auch 2026 wirst du beim LSC wieder auf der Bühne stehen, diesmal jedoch in einer anderen Rolle. Was wird dir durch den Kopf gehen, wenn du die neuen Kandidaten siehst, die in deine Fußstapfen treten?

Genau, jetzt im Januar steht mein Thronwechsel an. Allzu viel aus der Show darf ich nicht verraten. Aber ich kann es nicht leugnen: Es ist sehr nostalgisch und total spannend. Ich erlebe das Ganze noch einmal, aber aus einer anderen Perspektive. Und ich habe das Gefühl, dass ich es diesmal mehr genießen kann, weil nicht mehr derselbe Druck auf mir lastet.

Gibt es etwas, das du den Kandidaten mit auf den Weg gibst?

Das habe ich ihnen schon beim Recall im Herbst gesagt: Nutzt jede Sekunde, denn diese Erfahrung macht ihr vermutlich kein zweites Mal. Und vergesst nicht, Spaß zu haben. Es wäre schade, später zurückzublicken und das Gefühl zu haben, alles sei einfach an einem vorbeigeflogen.

In Interviews hast du diese Philosophie immer wieder betont. Konntest du dies selbst umsetzen?

Ich habe zu hundert Prozent von allem profitiert. Ich blicke auf meine Eurovision-Zeit zurück und bereue absolut nichts.

Der ESC ist eben kein rein technischer Wettbewerb. Da spielen viele Faktoren mit hinein: Jurysympathien, Medienpräsenz, geopolitische Dynamiken, der Geschmack des Publikums.

Auch nicht in Bezug auf die Platzierung. Du bist beim ESC ja auf Platz 21 gelandet?

Natürlich hätte ich mich gerne weiter vorne platziert – das hat auch etwas mit Stolz zu tun. Ich fand das, was ich abgeliefert habe, gut, und es hätte aus meiner Sicht eine bessere Platzierung verdient. Aber schlimmer wäre es gewesen, enttäuscht von mir selbst zu sein. Der ESC ist eben kein rein technischer Wettbewerb. Da spielen viele Faktoren mit hinein: Jurysympathien, Medienpräsenz, geopolitische Dynamiken, der Geschmack des Publikums. Am Ende spielt es keine Rolle, wie man abschneidet – am nächsten Tag geht es für alle wieder nach Hause.

Der ESC soll eine Parallelwelt sein, in der man durch Musik und Kultur zusammenkommt und für einen Moment alles andere ausblendet. Wenn genau das Gegenteil passiert, läuft etwas falsch.

Spricht man über den ESC, kommt man an der politischen Diskussion rund um die Teilnahme Israels nicht vorbei. Wie hast du das in der Schweiz erlebt und wie siehst du die Debatte heute?

In Basel habe ich davon erstaunlich wenig mitbekommen, abgesehen von den Protesten am türkisen Teppich und der starken Sicherheitspräsenz rund um die israelische Kandidatin. Ich habe mich jederzeit sicher gefühlt und wurde auch kaum darauf angesprochen. Dass das Thema dieses Jahr so eskaliert ist, hat meiner Meinung nach viel mit dem Ausgang des Wettbewerbs zu tun. Davor war das Drama deutlich kleiner. Ich bin ehrlich gesagt froh, beim ESC 2025 gewesen zu sein. Für die Kandidaten dieses Jahr ist die Situation eine andere – und das finde ich schade. Dieser Konflikt gehört nicht in einen Musikwettbewerb. Die Künstler stehen dort nicht für politische Entscheidungen, werden aber oft so behandelt. Dabei lautet das Motto doch „United by Music“. Der ESC soll eine Parallelwelt sein, in der man durch Musik und Kultur zusammenkommt und für einen Moment alles andere ausblendet. Wenn genau das Gegenteil passiert, läuft etwas falsch.

Andere Kandidaten haben klar Stellung bezogen. Hat dich deine Zurückhaltung unter Druck gesetzt?

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die öffentlich klar Position beziehen, obwohl sie wissen, dass das Konsequenzen haben kann. Das ist mutig. Aber ich bin einfach nicht so. Ich bin eher diplomatisch und neutral – auch im Leben allgemein. Und gerade im Kontext von Musik und ESC möchte ich kein politisches Statement abgeben. Das würde mich in ein Drama hineinziehen, das für mich dort keinen Platz hat.

Interview in der Rockhal am 3. Januar mit moderner Bühne und Mikrofonen für Musik-Event

Das Interview wurde am 3. Januar in der Rockhal geführt Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Du hast 2025 nicht nur musikalisch, sondern auch beruflich viele erste Male erlebt. Wie war dein erstes Jahr als Musiklehrerin im Escher Konservatorium?

Extrem stressig. Das erste Jahr ist immer das intensivste, weil man alles neu vorbereiten muss. Als dann klar wurde, dass ich zusätzlich zum ESC reisen würde, habe ich mich ehrlich gefragt, ob ich das schaffe. Ohne gute Organisation wäre es unmöglich gewesen. Dafür bin ich auch dem ESC-Team sehr dankbar – sie haben mir wirklich entgegengearbeitet.

Alle hatten mich vor einer Post-ESC-Depression gewarnt, aber ich habe das unterschätzt

Und nach dem ESC?

Da kam der Zusammenbruch. Alle hatten mich vor einer Post-ESC-Depression gewarnt, aber ich habe das unterschätzt. Der ganze angestaute Stress hat sich schlagartig entladen. Kaum hatten meine Ferien begonnen, bin ich krank geworden, hatte hohes Fieber und Panikattacken. Das hat mir richtig Angst gemacht. Es war echte Erschöpfung. Dann ging es wieder bergauf und jetzt klappt alles wieder.

Wenn wir über deinen Arbeitsplatz sprechen, müssen wir auch die Suspendierung des Direktors Jean Halsdorf thematisieren. Wie hast du das erlebt?

Ich habe davon ehrlich gesagt kaum etwas mitbekommen. Deshalb möchte ich dazu kein weiteres Statement abgeben.

Was steht 2026 auf dem Programm?

Wir starten stark: Am 16. Januar erscheint meine erste Single. Ich wollte den „Poupée“-Moment bewusst auskosten und nicht sofort mit neuer Musik nachlegen. Das neue Lied ist sehr persönlich, komplett anders, von mir selbst geschrieben und von meinem Partner Félix Namski produziert. Es fühlt sich verletzlicher an – aber genau das war mir wichtig.

Kommt ein Album?

Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Vielleicht – wenn es sich ergibt. Es war nie mein Ziel, den LSC oder den ESC als Sprungbrett für eine Popkarriere zu nutzen. Manchmal habe ich mich deswegen sogar ein bisschen schuldig gefühlt. Aber irgendwann habe ich gemerkt: Jede und jeder darf den ESC aus den eigenen Gründen machen. Für mich ging es in erster Linie um diese riesige Erfahrung. Was danach kommt, ergibt sich von selbst.

Bleibst du also die Musiklehrerin aus Esch?

Ja – aber nicht nur. Meine Nebenprojekte sind mir genauso wichtig. Ich möchte Dinge machen, die mir Freude bereiten, ohne Druck und ohne Erwartungen.

Und dein Traum, Luxemburgs „Madame ESC“ zu werden?

Der lebt noch. Ich nerve RTL weiterhin ein bisschen. (lacht) Die ESC-Bubble lasse ich nicht so leicht los.

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