Trier

Kaufhof Fleischstraße: Diese Interessenten winken ab

Wie geht es weiter mit der Kaufhof-Immobilie in der Trierer Fleischstraße, wenn das Warenhaus dort Ende August dichtmacht? Aus der augenscheinlich naheliegendsten Lösung wird jedenfalls nichts.

Wie geht es weiter mit der Galeria Kaufhof in der Trierer Fleischstraße?

Wie geht es weiter mit der Galeria Kaufhof in der Trierer Fleischstraße? Symbolfoto: dpa/Hendrik Schmidt

Die Überraschung war groß Ende April: Nicht der Kaufhof in der völlig überalterten Riesenimmobilie in der vorderen Simeonstraße schließt, sondern die kleinere Schwester im 1970er-Jahre-Bau in der Fleischstraße. Spätestens Ende August sollen dort die Lichter ausgehen. Für die rund 80 Mitarbeiter werden aktuell Sozialpläne aufgestellt: Wer kann eventuell ins Kaufhof-Team Simeonstraße wechseln? Wer hat Chancen in einem möglicherweise branchenfremden Job? Wessen Vertrag wird gegen Abfindung aufgelöst?

Intern ist die Sache damit weiter großes Thema. Nach außen hin hat sich die Aufregung dagegen schon etwas gelegt: Dass es dauerhaft bei zwei Kaufhof-Warenhäusern in der Stadt bleibt – damit dürfte ohnehin schon lange niemand mehr fest gerechnet haben. Die für Trier langfristig entscheidendere Frage steht dagegen erst noch an: Was passiert mit der markanten Immobilie in der Fleischstraße nach dem Auszug des Kaufhof-Warenhauses als Mieter?

Gläubiger der Signa-Gruppe bestimmen Bedingungen

Haus-Eigentümer ist aktuell noch der Signa-Konzern, dessen Insolvenz die ehemals zur Gruppe gehörende Galeria-Karstadt-Kaufhof-Kette (GKK) mit in den Ruin gezogen hat. Der US-Investor Richard Baker und der deutsche Unternehmer Bernd Beetz hatten Anfang April die GKK-Kette aus der Insolvenz herausgekauft. Am 27. April verkündeten die neuen Eigentümer, 16 der gut 90 aktuell noch geöffneten Galeria-Filialen schließen zu wollen – darunter den Kaufhof in der Trierer Fleischstraße.

Schon Anfang 2023 hatte der Signa-Konzern die Immobilie zum Kauf angeboten. Avisierter Preis: 30 Millionen Euro, wie aus dem damaligen Exposé hervorgeht, das dem Volksfreund vorliegt. Eine sehr hohe Summe für eine Immobilie, die in ihrer aktuellen Struktur und ohne größere bauliche Veränderungen nur sehr schwer weiterzuvermieten sein dürfte.

Doch die Preisvorstellungen der Signa-Gruppe sind mittlerweile ohnehin nicht mehr ausschlaggebend. „Letztlich werden die Gläubiger der Signa-Gruppe entscheiden, was mit dem Gebäude passiert“, erklärt auf Volksfreund-Anfrage ein Mitarbeiter des Berliner Juristen Torsten Martini, gesetzlich bestellter Insolvenzverwalter für die Signa-Gruppe. Zu den „vertraulichen Verhandlungen und zu Details“ des Insolvenzverfahrens könne Martini keine Auskünfte geben. Erst, „wenn wir in Abstimmung mit den Beteiligten Neuigkeiten oder einen Verkauf verkünden können“, werde die Kanzlei sich öffentlich äußern.

Nikolaus-Koch-Stiftung winkt ab, Investor springt ab

Gespräche über die Zukunft der Immobilie hatte die Signa-Gruppe beziehungsweise deren Insolvenzverwaltung nach Volksfreund-Informationen vor wenigen Wochen mit der Trierer Nikolaus-Koch-Stiftung geführt. „Ja, das stimmt“, bestätigt NKS-Geschäftsführer Ivan Racic. Für die Nikolaus-Koch-Stiftung käme der Kauf der Immobilie allerdings nicht infrage. „Was aber nicht heißt, dass wir kein Interesse daran haben, wie es mit dem Standort weitergeht“, betont Racic.

Der Stiftung sei schließlich insgesamt an einer guten Entwicklung der Trierer Innenstadt gelegen. Außerdem ist die NKS direkter Nachbar der Kaufhof-Liegenschaft: Der Stiftung gehört der Plaza-Carré-Gebäudekomplex, in dem unter anderem das „Park Plaza“-Hotel seine Adresse hat. Weiter besitzt die NKS einen Weg, der über das Kaufhof-Gelände führt und auf dem die Stiftung ein sogenanntes Wegerecht genießt. Die solvente Nikolaus-Koch-Stiftung – die Mitte der 1990er-Jahre das damals marode Palais Walderdorff der Stadt für den symbolischen Preis von einem Euro abgekauft und anschließend saniert hat – ist damit so was wie ein natürlicher Interessent am Kaufhof-Standort. Aber Racic winkt ab: „Es ist eine schwierige Immobilie, die wir nicht kaufen möchten.“

Ein Angebot für den Kauf des Handelsgebäudes aus den 1970er-Jahren hatte der Signa-Gruppe dagegen schon Anfang des Jahres eine Projektentwickler-Gesellschaft aus der Region gemacht. Mittlerweile sei man an der Immobilie allerdings ebenfalls nicht mehr interessiert, wie die Geschäftsführung auf Volksfreund-Nachfrage erklärt.

Neues Gutachten, viel niedrigerer Kaufpreis

Von weiteren Kaufinteressenten wissen derzeit mehrere Branchen-Insider, mit denen der Volksfreund gesprochen hat, nichts. „Das Problem an Immobilien aus dieser Bauzeit ist, dass dort häufig noch Materialien verbaut wurden, die mit Schadstoffen behaftet sein können“, berichtet einer der Experten. Solange kein Gutachten über die zu erwartenden Sanierungs- und Entsorgungskosten vorliege – die dann wiederum bei der Kaufsumme eingepreist werden müssten – dürfte es schwierig sein, einen Käufer zu finden.

Nach Volksfreund-Informationen werden denn auch aktuell im Auftrag des Insolvenzverwalters ein neues Gutachten zur Immobilie samt möglicher Nutzungsoptionen sowie ein neues Exposé erarbeitet. Der künftige Angebotspreis dürfte vermutlich nur noch bei einem Bruchteil der von der Signa-Gruppe einst avisierten 30 Millionen liegen.

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