Entlastungsstraße rund um Ettelbrück

Nach 33 Jahren Wartezeit: Die B7 soll auf vier Spuren ausgebaut werden

Zurück ins Jahr 1993. Mit vielen Ehrengästen schnitt man damals das Trikolorebändchen für die Umgehungsstraße Colmar-Berg-Schieren-Ettelbrück (B7) durch. Dieser Straßenabschnitt war aber nicht wie eingangs geplant gebaut worden. Wegen der Sparpolitik der damaligen Regierung wurde die B7 nur drei- statt vierspurig angelegt. Nach 33 Jahren soll sie jetzt auf vier Spuren ausgebaut werden.

Stau auf der Autobahn A7 an der Verengung zur B7 während der Hauptverkehrszeit mit Verkehrsbehinderungen und Gefahren

Die Verengung zwischen der A7 und der B7 sorgt zu den Hauptverkehrszeiten für kilometerlange Staus und damit verbundene Gefahren Foto: Roger Infalt

Kilometerlange Rückstaus am Ende der Autobahn A7 in Richtung Norden und die damit verbundenen Gefahren sind auf der oben erwähnten Umgehungsstraße seit Jahrzehnten an der Tagesordnung. In seiner Antwort auf eine im Jahr 2020 gestellte parlamentarische Anfrage des Nordabgeordneten André Bauler antwortete der damalige Bautenminister François Bausch, dass dieses Problem, man lese und staune, bereits seit 2010 bestens bekannt sei und dass nach einer Studie im gleichen Jahr Hinweistafeln errichtet wurden, die auf die Gefahren aufmerksam machen sollen.

Und weiter: „Was den seit Jahren diskutierten Ausbau des Abschnitts der Nordstraße zwischen Colmar-Berg und Ettelbrück auf jeweils zwei Fahrspuren in beide Richtungen anbelangt, so sind die Planungsarbeiten so weit fortgeschritten, dass das betreffende Gesetzesprojekt noch in diesem Jahr auf den Instanzenweg gebracht werden kann“, so Bausch vor sechs Jahren.

Nach langem Hin und Her soll nun endlich in diesem Jahr etwas passieren, denn man werde, glaubt man den Aussagen der Verantwortlichen der Straßenbauverwaltung, ab kommendem Oktober mit dem Ausbau des besagten Streckenabschnitts beginnen.

Zur Erinnerung ...

Die Entlastungsstraße rund um Ettelbrück (B7) ist Teil der sogenannten Nordstraße, wird jedoch nicht als Autobahn geführt, sondern lediglich als Schnellstraße. Das hat seinen guten Grund: 1989 konnte das erste Teilstück der B7 zwischen Fridhaff und Ettelbrück eröffnet werden, 1993 schnitt man das Trikolorebändchen für die Umgehungsstraße Colmar-Berg-Schieren-Ettelbrück durch. Wegen der Sparpolitik der damaligen Regierung wurde die B7 nur mit drei statt vier Spuren angelegt. Somit war es keine Autobahn, sondern eben nur eine Schnellstraße. Hierzu sei erwähnt, dass zu der Zeit, als diese Umgehungsstraße gebaut wurde, der Staat viel Geld zur Rettung bzw. zur Erhaltung der Stahlindustrie in Luxemburg benötigte.

Dreispurige Umgehungsstraße Colmar-Berg-Schieren-Ettelbrück, geplant als vierspurig, Bau Anfang 1990er wegen Sparmaßnahmen reduziert

Die Umgehungsstraße Colmar-Berg-Schieren-Ettelbrück war vierspurig geplant, wurde aber Anfang der 1990er Jahre wegen Sparmaßnahmen nur dreispurig gebaut Foto: Roger Infalt

Am 16. November 2001 erlebte die erwähnte Schnellstraße den Anschluss an die Autobahn A7, die dann bis nach Mersch führte. Und eben dieser Anschlusspunkt, wo die vierspurige Autobahn in die dreispurige Schnellstraße mündet, sorgt tagtäglich für kilometerlange Staus. Dazu gesellt sich dann noch der Rückstau an der Ausfahrt Ettelbrück. Dieses Nadelöhr bewältigt längst nicht mehr das hohe Verkehrsaufkommen in Richtung Bastogne. Tausende Pkw, Lkw und Lieferwagen drängeln sich von der B7 aus tagtäglich über den viel zu kleinen Verteilerkreis am Eingang der Pattonstadt und dann weiter über eine provisorische Umgehungsstraße.

Apropos Verteilerkreis

Wir können es nicht oft genug erwähnen: Vor nunmehr 31 Jahren (!) hatte die Straßenbauverwaltung bereits mit Studien belegt, dass diese 1993 in Betrieb genommene „provisorische kleine Umgehung“ Ettelbrücks und der oben erwähnte Verteilerkreis dem Verkehrsaufkommen nicht gerecht werden können. Aufgrund der damals durchgeführten Studien hatten die Ingenieure ein komplettes Vorprojekt für eine wahre Entlastungsstraße ausgearbeitet und zur Verabschiedung an den damals verantwortlichen CSV-Bautenminister Claude Wiseler weitergeleitet. Passiert ist bis dato nichts.

In den Begleitdokumenten, die damals mit den Plänen auf den Instanzenweg geschickt wurden, stand unter anderem Folgendes: „Il faut mettre en évidence que cette route a été conçue pour délester le centre d’Ettelbruck moyennant un projet peu coûteux à réaliser en un temps record tout en sachant que ce contournement ne pourrait ni résoudre les problèmes de trafic en direction de Bastogne à long terme, ni les problèmes de sécurité qui se posent dans la descente dangereuse de Feulen en direction d’Ettelbruck.“

Und weiter: „En ce qui concerne la charge du trafic actuelle de cette route, la limite de capacité pour le giratoire près de l’Alzette est déjà largement dépassée pendant les heures de pointe.“ Wie gesagt: Diese Sätze stammen aus dem Jahr 1995.

Zurück zur B7

Doch bevor jemals etwas in puncto Ettelbrücker Umgehungsstraße Richtung Bastogne geschehen wird, über die seit Jahrzehnten lediglich gesprochen wird, soll es am 5. Oktober dieses Jahres also mit dem Ausbau der B7, genauer gesagt mit der Verbreiterung des 386 Meter langen Viadukts in Höhe von Schieren, losgehen. Diese Arbeiten sollen sich, so der Zeitplan der Straßenbauverwaltung, bis zum 27. November 2028 hinziehen. Es werde versucht, während der gesamten Bauzeit mindestens eine Fahrspur in beide Richtungen offen zu lassen. Da die Brücke nah an Wohnvierteln liegt, werden beidseitig absorbierende Lärmschutzwände angebracht, die teils bis 3,60 Meter hoch sein werden.

Im März nächsten Jahres will man mit dem Bau von Rückhaltebecken beginnen, dies zum Ausgleich der neu versiegelten Flächen. Weiter vorgesehen sind archäologische Ausgrabungen, eine Vergrößerung der Montée de Nommern, der Anschluss der Straßeninfrastruktur an das Viadukt, usw. Im September 2031, so die heutigen Schätzungen, soll das Gesamtprojekt fertiggestellt sein.

Was die später zulässige Höchstgeschwindigkeit auf diesem Straßenabschnitt anbelangt, darüber scheiden sich noch die Geister, denn trotz des vierspurigen Ausbaus dieses Teils der als Autobahn ausgewiesenen Nordstraße werden die Staus an der Ausfahrt nach Ettelbrück wohl weiterhin tagtäglich für Gefahr sorgen.

En ce qui concerne la charge du trafic actuelle de cette route, la limite de capacité pour le giratoire près de l’Alzette est déjà largement dépassée pendant les heures de pointe

(aus einem Planungsdokument 1995)

386 Meter langes Viadukt nahe Schieren nach Ausbauarbeiten, modernes Brückenbauwerk in ländlicher Umgebung

So soll das 386 Meter lange Viadukt nahe Schieren nach Fertigstellung der Ausbauarbeiten aussehen Grafik: Straßenbauverwaltung

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