Von Bissen bis Käerjeng

Halteringe für Valorlux-Tüten breiten sich in Luxemburg aus

Weniger Müll auf Gehwegen, mehr Ordnung im Ort: Mit Abfallsackhaltern testen jetzt einige Südgemeinden eine einfache Maßnahme, die in Bissen und Fischbach bereits überzeugt.

Mehrere Südgemeinden planen Abfallsackhalter an Straßenlampen zur Müllentsorgung im öffentlichen Raum befestigen.

Mehrere Südgemeinden überlegen, es Bissen nachzumachen und ebenfalls Abfallsackhalter an den Straßenlampen zu befestigen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Ob Metalldose, Tetrapack oder Plastikhülle – ein Großteil des Luxemburger Verpackungsmülls landet in den bekannten blauen Plastiksäcken. Je nach Gemeinde werden sie ein- bis zweimal im Monat vor die Tür gestellt und eingesammelt. Doch die Säcke können zum Problem werden – vor allem bei stärkerem Wind. Da sie kaum Gewicht haben, werden sie leicht verweht und landen nicht selten beim Nachbarn oder weiter die Straße hinunter in einer Einfahrt.

Abhilfe schaffen in den Gemeinden Fischbach und Bissen seit einigen Monaten Abfallsackhalter, im Volksmund auch „Valorlux-Ringe“ genannt. Das sind graue Kunststoffvorrichtungen, die an Straßenlaternen und Säulen im öffentlichen Raum angebracht sind. Sie verfügen über mehrere runde Haltenoppen, um die das Zugband der Müllsäcke gewickelt werden kann.

In Bissen wurden die Ringe im September installiert. Knapp hundert Exemplare wurden an verschiedenen Punkten der Gemeinde angebracht. Die Kosten sind überschaubar: Rund 2.700 Euro hat Bissen investiert. Die bisherigen Erfahrungen seien sehr positiv, heißt es auf Anfrage des Tageblatt vonseiten der Gemeinde. „Am Vortag und am Abholtag selbst kommt man mit Kinderwagen oder Rollstuhl deutlich besser über die Gehwege, da die Tüten nicht mehr überall herumliegen.“

Viele Bürger nutzen also die neuen Vorrichtungen. Lediglich in Straßen mit mehreren Wohnanlagen sei es aufgrund der großen Anzahl an Säcken nicht immer möglich, jede Tüte einzeln an einer Noppe zu befestigen.

Auch in Fischbach zeigt man sich zufrieden. „Ich bin am Tag der letzten Abholung durch das Dorf gefahren, und die Bürger scheinen das Angebot gut anzunehmen“, berichtet Bürgermeister Lucien Brosius gegenüber dem Tageblatt. Man habe sich die Idee in Bissen abgeschaut; seit Anfang des Jahres sind die Halterungen an vielen Stellen im Gemeindegebiet installiert. Die Produkte werden in den Niederlanden hergestellt und kosten etwa 30 Euro pro Stück. Im Inneren sorgt ein Metallring dafür, dass die Vorrichtungen fest an den Laternen halten. Sie seien „sehr stabil“ und dürften mehrere Jahre halten.

In Fischbach sind die Ringe so angebracht, dass die Säcke etwa 50 Zentimeter über dem Boden hängen. „Wir hatten hier Probleme mit Füchsen, Mardern und Waschbären, die die Tüten nachts aufgerissen haben. Kam dann noch Wind hinzu, war am Morgen der Plastikmüll über die Straße verteilt.“ Seit der Einführung der Halterungen habe es solche Vorfälle nicht mehr gegeben. Auch für die Müllabfuhr sei die Arbeit dadurch einfacher geworden. Sorgen, dass Bürger ihre Plastiksäcke deutlich zu früh aufhängen, hätten sich bislang nicht bestätigt.

Die blauen Säcke fliegen nun nicht mehr bei jedem Windstoß durch die Gegend

Die blauen Säcke fliegen nun nicht mehr bei jedem Windstoß durch die Gegend Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Mehrere Südgemeinden wollen einen ähnlichen Weg gehen

Das Beispiel der beiden Zentrumsgemeinden macht inzwischen auch im Süden Schule: In Käerjeng startete im März in vier Straßen eine Testphase. Das Feedback der Bürger ist laut Gemeinde positiv ausgefallen. Deshalb folgt nun eine zweite Testphase mit mehreren Straßen in allen Ortschaften der Gemeinde. Bleiben die Erfahrungen positiv, sollen weitere Straßen hinzukommen. Auch in Leudelingen wurden die Abfallsackhalter an mehreren Standorten erfolgreich getestet; die Gemeinde plant, sie künftig flächendeckend einzusetzen.

In Düdelingen verfolgt man die Erfahrungen anderer Gemeinden aufmerksam, erklärt Umweltschöffe René Manderscheid (LSAP): „Wir prüfen derzeit gemeinsam mit den zuständigen Diensten, ob und wo ein Einsatz der Ringe sinnvoll ist.“ Er sei jedoch zuversichtlich, dass man „noch in diesem Jahr diesen Weg einschlagen wird“. Je nach Kosten könne eine Anschaffung für 2027 vorgesehen werden.

Ähnliche Überlegungen gibt es auch in Sanem. Der zuständige Schöffe Steve Gierenz (LSAP) erklärt gegenüber dem Tageblatt, dass die Gemeinde derzeit die Modalitäten der Anbringung sowie die Qualität der einzelnen Produkte prüfe. Anschließend sei eine Testphase geplant, um zu sehen, ob die Anwohner das Angebot annehmen. „Ich sehe darin sowohl für die Bürger als auch für die Sauberkeit unserer Straßen ein großes Plus.“

In Monnerich prüft man neben den Abfallsackhaltern auch alternative Lösungen: etwa ein Aufhängsystem für Einzelhäuser ohne nahegelegene Straßenlaterne sowie Sammelwagen für größere Wohnanlagen mit mehreren Apartments. Welche Variante sich durchsetzen wird – oder ob es eine Kombination mehrerer Systeme gibt –, ist noch offen.

In der größten Stadt des Landes verfolgt man die Erfahrungen der anderen Gemeinden gespannt, wartet aber bisher noch ab. „Auch weil bei uns ein solches Projekt direkt ganz andere Ausmaße annimmt“, erklärt Schöffe Maurice Bauer (CSV) am Telefon. In Petingen und Differdingen zeigt sich ebenfalls Interesse, es gibt dort bislang aber noch keine konkreten Pläne. In Esch ist die Anschaffung solcher Halterungen derzeit kein Thema. In Mersch hingegen überwiegen die Bedenken hinsichtlich Anschaffungskosten und möglicher Auswirkungen auf die Gehweg-Sicherheit, weshalb man sich dort vorerst gegen die Einführung entschieden hat. Das bestätigten die Bürgermeister der jeweiligen Gemeinden gegenüber dem Tageblatt.

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