Quereinstieg in den Weinbau

In wenigen Klicks zum eigenen „Wéngert“: Webseite vermittelt Rebflächen in Luxemburg

Immer mehr Rebflächen in Luxemburg liegen brach und werden zur Gefahr für angrenzende Produktionen. Eine neue Internet-Plattform will Eigentümer und Interessenten zusammenbringen. Wie die Vermittlung funktioniert und wer als Pächter oder Käufer infrage kommt.

Felix Weyer (26) hat Weinbau studiert. Neben der Arbeit im Familienbetrieb kümmert er sich im Leader-Büro „Miselerland“ um das Wein-/Brachflächenmanagement.

Felix Weyer (26) hat Weinbau studiert. Neben der Arbeit im Familienbetrieb kümmert er sich im Leader-Büro „Miselerland“ um das Wein-/Brachflächenmanagement. Foto: Leader Miselerland

Die luxemburgische Landwirtschaft steht vor einem gravierenden Generationswechsel: Ein Großteil der Betriebsleiter geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand, doch immer seltener steht ein Nachfolger bereit. Von dieser Entwicklung bleibt auch der Weinbau nicht verschont: „Die Zahl der Weinbaubetriebe nimmt jährlich ab“, erklärt Marc Fiedler vom „Institut viti-vinicole“ (IVV). Die Statistiken des Weinbauinstituts offenbaren den besorgniserregenden Trend: Rund 60 Prozent der Winzer ab 50 Jahren sind ohne gesicherte Betriebsnachfolge.

Brachflächen werden zur Bedrohung

Im Jahr 2025 zählte Luxemburg 1.190 Hektar Weinbaufläche. Davon wurden 25 Hektar – also eine Fläche von rund 35 Fußballfeldern – nicht mehr von einem der 234 hierzulande aktiven Betriebe genutzt.

Diese brachliegenden Flächen bergen große Gefahren für umliegende Produktionen, denn die sogenannten „Drieschen“ gelten als Einfallstor für Schädlinge. Auf verwilderten Flächen nisten sich gerne Rebläuse und Pflanzenkrankheiten ein, denen letzten Endes ganze Weinberge zum Opfer fallen könnten. Umso dringlicher ist die Suche nach Menschen, die sich um die Drieschen kümmern möchten.

Webseite vermittelt Rebflächen

Um den Erhalt der Rebflächen aktiv zu unterstützen, wurde das regionale Leader-Miselerland-Projekt „Rebflächenbörse & Brachflächenmanagement“ ins Leben gerufen. Die Grundidee: eine kostenlose digitale Plattform, die Eigentümer und Interessenten auf direktem Wege zusammenbringt.

Im Februar 2026 ging die Webseite „wengertsbourse.lu“ online, und hat seither schon mehr als 20 Parzellen wiederbelebt. Das Prinzip ist simpel: Wer ungenutzte Flächen hat, kann unkompliziert eine Anzeige schalten, um diese zu verpachten und/oder zu verkaufen. Die „Wengertsbourse“ ist mit dem Luxemburger „Geoportail“ verbunden, was ermöglicht, dass die angebotene Parzelle anhand ihrer FLIK-Nummer genau lokalisiert und auf einer Karte dargestellt werden kann. Auch Daten wie die Ausrichtung des Hanges, Flächenmaß und Umfang müssen nicht erst mühsam recherchiert werden, sondern werden automatisch angezeigt.

Für den Anbau von Reben ist keine berufliche Erfahrung erforderlich

Marc Fiedler

Institut viti-vinicole (IVV)

Riesling sucht neuen Rebenpfleger

Ein Blick auf die aktuellen Anzeigen verrät, dass namhafte Weingüter oft gleich mehrere Parzellen im Angebot haben, häufig sogar mit bereits vorhandenen Rebstöcken – von Auxerrois über Chardonnay und Pinot Gris bis Riesling. Bei null muss also niemand anfangen. „Mit der ‚Wengertsbourse‘ wollen wir insbesondere jungen Winzern und Quereinsteigern ermöglichen, eine Parzelle für ihr Vorhaben zu finden“, sagt Projektleiter Felix Weyer. Der 26-Jährige hat Weinbau studiert und kümmert sich neben seiner Arbeit im Familienbetrieb in Teilzeit um das Brachflächen-Projekt des Leader-Büros Miselerland. „Die Webseite stellt allerdings nur den Kontakt her. Die Preise müssen die Interessenten und die Eigentümer unter sich verhandeln“, so der Winzer. Auch Suchende können Anzeigen mit Lagewunsch und vorhandenem Budget schalten.

Wer kann Winzer werden?

„Für den Anbau von Reben, wie allgemein für landwirtschaftliche Produkte, ist keine berufliche Erfahrung erforderlich“, so Marc Fiedler vom IVV. Diese werde erst für die Prämienfähigkeit bestimmter Maßnahmen relevant. Neue Pächter müssten sich lediglich beim Weinbauinstitut anmelden. Wer eine komplette Neubepflanzung seiner Parzelle plant, muss sich allerdings eine behördliche Genehmigung einholen, denn das verwendete Pflanzgut muss zertifiziert sein. Eine Hürde, die sich durch eine bereits bestellte Parzelle leicht umgehen lässt. Wer sich als Winzer selbstständig machen möchte, sollte zudem darauf achten, dass er eine Mindestfläche von 10 Ar beackert, damit die Tätigkeit anerkannt wird.

Pacht- und Kaufpreise

Was die Pacht- und Kaufpreise der Weinberge angeht, gibt es in Luxemburg keine offiziellen Zahlen. „Zu beobachten ist jedoch aktuell eine Tendenz nach unten, da das Angebot an Flächen die Nachfrage aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen – sinkender Weinkonsum und hohe Betriebsmittelkosten – derzeit übersteigt“, so Fiedler.

Demnach wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einstieg in den selbstständigen Weinbau oder ein neues, intensives Hobby an der frischen Luft. Wer diesen Weg gehen möchte, findet viele nützliche Informationen auf landwirtschaft.lu

Das Leader-Büro Miselerland

Das Leader-Büro Miselerland in Grevenmacher ist die regionale Anlaufstelle zur Entwicklung der luxemburgischen Moselregion. „Leader“ steht für ein EU-Förderprogramm („Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale“), das nach dem „Bottom-up-Prinzip“ arbeitet: Ideen kommen direkt von den Menschen vor Ort, nicht von oben herab. Bürger, Vereine, Betriebe und die zwölf Mitgliedsgemeinden der Kantone Grevenmacher und Remich können so ihre Heimat aktiv mitgestalten.

Das Büro hilft kostenlos bei der Planung, unterstützt bei Anträgen und vergibt Fördergelder aus EU-, Staats- und Gemeindemitteln. Zudem startet das Team eigene Initiativen für das Miselerland – von der Förderung von regionalem Weinbau und Tourismus über Umweltprojekte bis hin zu Kultur- und Jugendangeboten. Weitere Infos: leader.lu

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