Eschs grüne Lungen

„Brillplaz“: die unbequeme Mitte von Esch

Die „Place de la Résistance“ liegt zentral und wird täglich von vielen Menschen überquert. Doch als grüne Lunge funktioniert sie nur bedingt. Anwohner sprechen darüber, warum viele sie als Durchgangsort nutzen und als Aufenthaltsort meiden.

2013 wurde der frühere Parkplatz zu einem Stadtplatz mit Rasenflächen, Wegen und Bronzeskulpturen umgestaltet. Viele nutzen den Brillplatz heute als schnelle Verbindung durch das Viertel.

2013 wurde der frühere Parkplatz zu einem Stadtplatz mit Rasenflächen, Wegen und Bronzeskulpturen umgestaltet. Viele nutzen den Brillplatz heute als schnelle Verbindung durch das Viertel. Foto: Laura Krambs

Auf den ersten Blick wirkt die „Place de la Résistance“, auch „Brillplaz“ genannt, wie ein Sonderfall in dieser Serie. Wer diesen Platz betritt, findet nicht sofort das, was man sich unter einer „grünen Lunge“ vorstellt. Und doch gehört sie zur Frage, wie Esch künftig mit öffentlichem Raum, Hitze und Aufenthaltsqualität umgehen will.

Der Brillplatz wurde 2013 von einem Parkplatz zu einem gestalteten Stadtplatz umgewandelt. Der Berliner Landschaftsarchitekt Kamel Louafi verband Rasenfläche, asymmetrische Wege, Buchsbaumhecken und Bronzeskulpturen, um den multikulturellen Charakter des Brill-Viertels widerzuspiegeln. Der rund 7.000 Quadratmeter große Platz soll ein grüner, hochwertiger Aufenthaltsort im Zentrum sein. Im Alltag wirkt er jedoch oft eher wie ein Durchgangsraum.

Es gibt fast keinen Schatten und man sitzt in der Sonne. Mittags sitzt hier fast niemand.

Sandra Lopes

Fußgänger überqueren ihn mit Einkaufstaschen, Hunden oder Kinderwagen. Besetzt sind nur wenige Bänke. Viele nehmen die Wege als Abkürzung, oft zum Cactus-Markt am anderen Ende. Sandra Lopes, 42, wohnt nicht weit entfernt, kommt aber regelmäßig vorbei. „Die Wege inmitten des Platzes sind wirklich nur eine Passage“, sagt sie. Auch Almera Kozar ist fast täglich mit ihren Kindern hier. „Für die Kinder ist es praktisch, weil der Platz groß ist und keine Autos durchfahren.“ Den zentralen Aufenthaltsbereich mit Rasen und Bäumen vermeidet sie jedoch oft. „Meistens sind wir im Schulhof oder sitzen auf den Bänken vor der Grundschule.“ Dort sei es angenehmer.

Wo Schatten ist, bleiben Menschen

Obwohl der Brillplatz seit seiner Umwandlung begrünt worden ist, beklagen die Anwohner, dass der Platz trotzdem im Sommer ungemütlich werde. „Es gibt fast keinen Schatten und man sitzt in der Sonne. Mittags sitzt hier fast niemand“, sagt Sandra Lopes.

Ein Problem sind auch die Sitzflächen selbst. „Im Sommer kann man sich nicht auf verschiedene Bänke setzen, weil sie zu warm werden. Da verbrennt man sich fast“, betont Almera Kozar. Dabei bezieht sie sich auf die Bronzebänke, die symbolisch zur Gestaltung des Grünraumes gehören – klimatischen Schutz bieten sie jedoch nicht.

Ratten bei einer Schule? Da muss man etwas unternehmen.

Ben Abdeslam

Trotzdem wird der Brillplatz nicht nur kritisiert. Für Jorge S., 53, ist er besonders wichtig, denn er bietet einen Erholungsraum inmitten urbanen Getümmels. „Dann kann ich etwas atmen“, sagt er. Im Vergleich zur früheren versiegelten Gestaltung sei der heutige Platz eindeutig ein Fortschritt: „Der Platz ist viel schöner als der alte Parkplatz damals.“

Gleichzeitig nennen viele Anwohner Probleme, unter denen die Aufenthaltsqualität des Brillplatzes leide: Lärm, Müll, Alkohol, Drogenkonsum und fehlende Intervention. Jorge S. fühle sich nicht unbedingt unsicher, dennoch empfinde er die Situation als unangenehm. „Die Gemeinde putzt jeden Tag, aber das reicht nicht“, sagt er. Sorgen um Sauberkeit teilt auch Almera Kozar, wegen ihrer Kinder: „Ich habe immer Angst, dass irgendwo Spritzen, Drogen oder Sonstiges auf dem Boden liegen könnten.“ Auf dem Brillplatz habe sie keine gefunden, sondern in der Nähe, in der rue du Canal.

Ein weiteres Hygieneproblem sind Ratten. „Ich wohne seit Jahren hier und habe noch nie so viele Ratten gesehen“, sagt Svetlana Lazić. Ben Abdeslam, 44, sieht darin das dringendste Problem: „Ratten bei einer Schule? Da muss man etwas unternehmen.“ In welchem Ausmaß das Problem besteht, müsste die Stadt einordnen. Für die Anwohner beeinflusst es jedoch das Sicherheits- und Sauberkeitsempfinden.

Was dem Platz noch fehlt

Die Kritik der Escher ist keine Ablehnung des Platzes. Im Gegenteil: Viele erkennen an, dass er sich städtebaulich verbessert hat. Das Problem liege eher darin, dass Gestaltung allein noch keinen angenehmen Aufenthaltsort schafft. Sein ganzes Potenzial habe der Platz noch nicht ausgeschöpft, laut den Anwohnern.

Um den Brillplatz klimaresilienter anzulegen, schlägt Ben Abdeslam ein kleines Wasserelement vor. Sandra Lopes denkt an aufgespannte Schirme: „Das würde Farbe mitbringen, Schatten und ein gewisses Ambiente“, sagt sie. Auch Jorge S. hat Verbesserungsvorschläge: „Eine Gelateria oder ein kleines Café wäre hübsch“ – direkt am Rasen. Almera Kozar wünscht sich mehr Polizeikontrollen, aber auch soziale Unterstützung, etwa durch Streetworker.

Letztlich zeigt der Brillplatz, dass Eschs grüne Lungen nicht nur dort fehlen, wo keine Parks sind. Sie fehlen auch dort, wo öffentliche Räume zwar vorhanden sind, aber bislang nicht genug Schatten und Aufenthaltsqualität bieten.

„Brillplaz“: die unbequeme Mitte von Esch
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Der Brillplatz liegt zentral, besitzt jedoch nicht für alle eine hohe Aufenthaltsqualität

© Foto: Laura Krambs

„Brillplaz“: die unbequeme Mitte von Esch
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Besonders die Bänke vor der Grundschule sind häufig besetzt

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„Brillplaz“: die unbequeme Mitte von Esch
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Trotz der Grünflächen bleibt der Brillplatz nicht frei von Baustellen

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„Brillplaz“: die unbequeme Mitte von Esch
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Grün allein macht noch keine grüne Lunge

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