Hart umkämpfter Markt

Wie Weintourismus neuen Schwung in die Moselregion bringen soll

Die Weinszene an der Mosel bündelt ihre Kräfte und schaut in die Zukunft. „Oenotourismus“ bietet der Branche einen Geschäftszweig, um sich breiter aufzustellen. Der Staat fördert das, wie die Präsentation des Aktionsplans zu diesem Thema am 12. Februar im Grevenmacher Kulturzentrum „Machera“ zeigte.

Oenotourismus an der Mosel: Touristen genießen Wein, Natur und Wasser in der malerischen Weinregion

Oenotourismus ist das Rezept, um die Moselregion aufzuwerten: Touristen sollen Wasser und Natur und den Wein genießen Foto: Editpress/Julien Garroy

Ein dickes Buch zur Strategie sollte es nicht werden. Herausgekommen ist ein handlicher Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen und Verantwortlichkeiten, wie Tourismusminister Lex Delles anlässlich der Präsentation betonte. Und es ging schnell. Vor fast genau zwölf Monaten war der „Oenotourismus“ auf dem Weinbautag noch ein Thema, bei dem viele aufhorchten.

Schon ein Jahr später liegt die Marschroute mit Ideen vor. Der Thementourismus ist ein Mehrwert für die Region, die seit Jahren einem strukturellen Wandel unterliegt. Zwischen 2005 und 2025 hat sich die Zahl der Winzer an der Mosel halbiert. Brach liegende Flächen, hohe Produktionskosten, stagnierender Absatz sowie mangelnde Sichtbarkeit des Weingebietes unter Touristen wie den Expats des Landes tun ihr Übriges.

48-seitiger Aktionsplan als übersichtliches Dokument für strategische Unternehmensentwicklung und Zielerreichung

Der 48-seitige Aktionsplan Foto: Editpress/Julien Garroy

Machbare Ideen

Es war Zeit, zu handeln. Zwischen mehr Übernachtungsmöglichkeiten, die Moselgegend leidet seit jeher an zu wenig davon, und „Wine and Hike“ und „Musel-Bike-Trail“ oder einem saisonalen Programm rund um den Wein, das unter anderem ein „Musel-Wenzer-Picnic“ beinhaltet, wurden zahlreiche Ideen gesammelt.

Miteingeschlossen ist das „Wäinhaus“ als zentrale Anlaufstelle, das dieses Jahr eröffnen soll. Aufgrund der Nachfrage sollen zudem die Touristenführer an der Mosel über die Weinproduktion weitergebildet werden. Sie wollen für Nachfragen der Touristen, die es zunehmend gibt, gerüstet sein.

Hört sich alles nach „machbar“ an. Die Region will authentisch bleiben. Am schwierigsten wird wohl der Ausbau der Übernachtungsmöglichkeiten. Aber auch hier herrscht Zuversicht. Tourismusminister Lex Delles nennt den neuen Campingplatz in Schengen, der bald eröffnet werden soll, den zu Gîtes umgebauten Casinoturm in Ehnen oder das Hotel des „Domaine thermal“, das nach seinen Angaben nur zu 80 Prozent ausgelastet ist.

„Wir haben Anfragen von Winzern, die investieren wollen“, sagt Delles. Das betrifft Winzer, die in den Dörfern ihren Sitz haben und bei einem Umbau über das neue Agrargesetz und das Programm zur Dorfentwicklung gefördert werden können. Das sagte Weinbau-Ministerin Martine Hansen (CSV) dem Tageblatt am Rande der Präsentation.

Verbindung zur Hauptstadt

Auch bei den brachliegenden Flächen soll etwas passieren. Im Landwirtschaftsministerium wird eine „Flächenbörse“ aufgebaut, um Interessierten den Einstieg in den Weinanbau zu erleichtern. Um die Region insgesamt sichtbarer zu machen – für Touristen, aber auch Expats –, ist im Aktionsplan eine stärkere Anbindung an die Hauptstadt vorgesehen.

Dabei spielt das „Luxembourg House“ eine zentrale Rolle, in dessen Produktlinien heimischer Wein künftig vertreten sein soll. „Wine-Pop-Up-Stores“, eine „Wine Lounge“ im Park hinter der Villa Vauban oder ein „Wine-Truck“ auf den Märkten sind weitere Ideen.

Die Zuversicht ist da und berechtigt. Der „Global Wine Tourism Report 2025“ der Universität Geisenheim (D), in dem 1.300 Weingüter in 47 Ländern befragt wurden, bescheinigt dem „Oenotourismus“ Potenzial. Er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Entwicklung im ländlichen Raum und zwei von drei Weingütern bezeichnen den Geschäftszweig als sehr rentabel, heißt es in der Studie. Das sind gute Aussichten in einem hart umkämpften Markt.

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