Prozess um mutmaßliche Polizeigewalt
„Ich hatte keine Rechnung offen“: Angeklagte legen ihre Sicht der Dinge dar
Am dritten Prozesstag betreten die angeklagten Polizisten im Vefahren um mutmaßliche Polizeigewalt den Zeugenstand. Ihre Version der Dinge unterscheidet sich deutlich von der des Zeugen am Vortag.
Der Richter schenkt den Version der Polizisten nur bedingt Glauben Foto: L'essentiel/Vincent Lescaut
Die vier angeklagten Polizisten haben am dritten Tag im Prozess um mutmaßliche Polizeigewalt im ehemaligen Kommissariat C3R am Hauptbahnhof ihre Sicht der Dinge dargelegt. Am Vortag hatte der Zeuge Michael O. geschildert, was an jenem 20. Mai 2023 in der Wache vorgefallen sei. Der Bericht des jungen Polizisten wurde vom Richter als wahr aufgefasst. Die Erzählungen der Angeklagten am Donnerstag unterschieden sich von dieser Version, wie RTL berichtet.
„Ich hatte keine Rechnung offen“, sagte der Polizist Tom D., der laut dem Zeugen Fernando V. blutig geschlagen haben soll. Eine Erklärung, warum er das Opfer an jenem 20. Mai 2023 in seiner Zelle aufgesucht hat, habe er allerdings laut RTL nicht geliefert. Eigentlich hatte er dienstfrei. Er habe nur auf einen Angriff reagiert und habe nicht das Ziel gehabt, jemanden zu verletzen.
Prozess um mutmaßliche Polizeigewalt
„Es war Blut auf dem Boden, auf dem Stuhl und am Opfer“
Der ebenfalls angeklagte Polizist Joe K. habe diese Version bestätigt, schreibt RTL. Fernando V. sei auf Tom D. „losgegangen“. Dieser habe sich dann mit Schlägen gegen das Gesicht und die Rippen gewehrt. Der dritte Polizist, Rick S., habe laut eigenen Angaben nichts von den Geschehnissen mitbekommen. Er habe am Handy gedaddelt. Der Richter schenkt laut RTL der Version der Polizisten nur bedingt Glauben: „Wir sind daran gewöhnt, dass Angeklagte die Dinge so darstellen, wie es ihnen passt – wir sind jedoch nicht daran gewöhnt, dass ein Polizeibeamter dies tut.“
Als Letzter sagte der damalige Dienstälteste der Schicht aus. André A. soll laut dem Zeugen ihn angewiesen haben, seinen Bericht zu fälschen. Der Polizist berichtet laut RTL, er habe lange nicht gewusst, was vorgefallen sei. Er sei aber davon ausgegangen, es habe sich um „Rebellion“ seitens Fernando V. gehandelt – trotz anderslautender Darstellung des Zeugen. (dr)