Family of Man
Gilles Zeimet tritt als CNA-Direktor zurück, Kulturminister will „nach vorne schauen“
Kulturminister Eric Thill (DP) hat in der Kulturkommission am Mittwochnachmittag den Rücktritt des CNA-Direktors verkündet und eigene Fehler eingeräumt. Zumindest ein bisschen. Dann lief er vor den Journalisten weg.
Gilles Zeimet Foto: Editpress/Alain Rischard
Gilles Zeimet hat Kulturminister Eric Thill (DP) am Mittwochnachmittag seinen Rücktritt angeboten. Das teilte Thill den Abgeordneten der Kulturkommission mit und nahm damit auch wohl Marc Baum („déi Lénk“) den Wind aus den Segeln. Der Oppositionspolitiker hatte am Morgen eine 70-seitige Analyse der Klimadaten an Presse und Abgeordnete verschickt. Es sah ganz danach aus, als würde er sich anschicken, die Aussagen von Zeimet und Thill in der vergangenen Kommissionssitzung respektive bei RTL nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen. Dem kam Zeimet nun zuvor, indem er sich selbst aus der Gleichung entfernte. Etwas anderes ließ die Analyse, die dem Tageblatt seit Sonntagabend vorliegt, auch kaum zu.
Tropisches Clerf
Die Daten sprechen eine unmissverständliche Sprache. Im Juli 2025 herrschten in mehreren Sälen des Schlosses wochenlang tropische Bedingungen – in Saal 2 stieg die Luftfeuchtigkeit auf 76 Prozent, in Saal 4 auf über 73 Prozent. Die Werke der „Family of Man“, seit 2003 UNESCO-Weltdokumentenerbe, waren diesen Bedingungen über Tage und Wochen ausgesetzt. Die von CNA-Direktor Gilles Zeimet in der Kulturkommission vorgebrachte Darstellung – ein marginaler Normverstoß über acht Tage – ist damit endgültig widerlegt. Von Eric Thills „Minuten“, die er im Gespräch mit RTL vorbrachte, kann ebenfalls keine Rede sein. Immerhin dafür entschuldigte sich der Kulturminister während der Kommissionssitzung bei den Abgeordneten. Für die Falschaussage selbst allerdings sieht er keine persönliche Verantwortung: Er habe die Informationen „Eins zu eins“ weitergegeben, die er von seinen Experten bekommen habe.
Was den Fall besonders schwer wiegt: Das Überwachungssystem des Schlosses versagte laut Baums Analyse ausgerechnet in dem Moment, als es gebraucht wurde. Mehrere Sensoren froren auf ihrem letzten Messwert ein, anstatt Alarm zu schlagen. Die Monitore zeigten trügerische Ruhe, während die Luftfeuchtigkeit in den Sälen entgleiste.
Ob die Abzüge, die auf Holztafeln aufgezogen und besonders empfindlich für Feuchteschwankungen sind, dauerhaft Schaden genommen haben, ist noch ungeklärt. Das war es allerdings, was die Abgeordneten in der Kommissionssitzung heute wissen wollten. Bis heute fehlt es an einer unabhängigen Bestandsaufnahme durch externe Restauratoren. Mit Zeimets Rücktritt könnte nun der Weg für ein solches Unterfangen frei sein.
Baum selbst formulierte es nüchtern: Zeimets Abgang sei „die einzige logische Konsequenz“ gewesen, eine weitere Sitzung wie die vergangenen wäre „wirklich nicht mehr tragbar“ gewesen. Die Entschuldigung des Ministers begrüßte er: „Ich glaube, dass man das dieses Mal noch einmal durchgehen lassen kann. Aber es ist auch das letzte Mal.“ Eines aber stellt Baum klar: „Es ist definitiv nicht der Moment zu sagen, Schwamm drüber.“
Die Frage, die nämlich bleibt: Warum hat das so lange gedauert? Die ersten Vorwürfe gegen Zeimet wurden spätestens bei dem Desaster um die Teutloff-Ausstellung laut, die im Sommer 2025 ebenfalls wegen Problemen mit Feuchtigkeit im Ausstellungssaal abgehängt und geschlossen werden musste. Neben diesem Problem, der Vertuschung im Dossier der „Family of Man“ und der fragwürdigen Verwendung von Geldern zur Renovierung des CNA gab es Beschwerden von Verbänden und Mitarbeitern, die die Unmöglichkeit der Zusammenarbeit mit ihm beschrieben.
Wie hast du’s mit der Selbstkritik?
Weshalb Thill sich bis zuletzt auf die Aussagen von Zeimet berief und alle anderen Hinweise ignorierte, konnte der Minister am Ende weder der Kommission, noch den anwesenden Journalisten glaubhaft erklären. Er klang am Ende wie eine springende Schallplatte: „Wir müssen nun nach vorne schauen. Wir müssen nun nach vorne schauen. Ich habe die Informationen eins zu eins weitergegeben. Wir müssen nun nach vorne schauen.“ Als die anwesende RTL-Journalistin ihn darauf hinwies, dass er ihre Fragen nicht beantwortete, lief Thill schließlich davon.
Ein verbliebener Beamter überreichte den anwesenden Journalisten am Ende noch ein ausgedrucktes Statement von Gilles Zeimet. Darin behauptet der scheidende Direktor, er habe seine Funktion „zu jedem Moment nach bestem Wissen und Gewissen und mit viel Engagement ausgeübt.“ In den vergangenen Wochen habe sich der Fokus allerdings zu sehr auf seine Person verlagert, was eine „ruhige, sachliche und effiziente Weiterführung“ seiner Mission erschwert habe. Im letzten Satz dankt er seinen Mitarbeitern für ihre „Professionalität und die konstruktive Zusammenarbeit.“
Von den Mitarbeitern, mit denen das Tageblatt in den vergangenen Wochen geredet hat, bekamen wir auch Nachrichten. Deren Dank richtet sich allerdings nicht an Zeimet, sondern an die Presse und die parlamentarische Opposition.