Feuerwehrmuseum Wiltz

Geschichte und Geschichten: So funktionierte das Rettungswesen früher

Sechs ehemalige Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr schufen vor rund fünf Jahren mit wenig Startkapital in rund 5.500 Arbeitsstunden ein Museum, in dem heute Tausende von Ausstellungsstücken zu sehen sind. Dabei geht es um das Rettungswesen im Allgemeinen, jedoch vor allem um die Arbeit der Feuerwehrleute von früher und um das Material, das damals zum Einsatz kam.

Blick auf die moderne oberste Etage des Museums mit großen Fenstern und Ausstellungsflächen unter natürlichem Licht

Blick auf die oberste Etage des Museums Foto: Roger Infalt

Mit der Idee im Hinterkopf, selbst ein Feuerwehrmuseum auf die Beine zu stellen, machten sich sechs ehemalige Feuerwehrmänner vor Jahren auf die Suche nach einem geeigneten Lokal. Nach mehreren Rückschlägen stießen sie auf den verlassenen Bau der ehemaligen Niederwiltzer Feuerwehr. Das Gebäude, das im Erdgeschoss in lediglich zwei Räumen Platz für das Material der „Männer vun der Sprëtz“ bot und im ersten Stockwerk einen Turnsaal beherbergte, war damals in einem desolaten Zustand. Die Gemeinde Wiltz bot das Gebäude für den fiktiven Euro an jährlicher Miete an, gab aber gleich zu verstehen, dass man sich keinesfalls an Renovierungsarbeiten beteiligen wird.

Startkapital: 100.000 Euro

„Wir besaßen damals ein Startkapital von etwas mehr als 100.000 Euro, das uns der Verband der Freiwilligen Feuerwehr bereitgestellt hatte. Schnell wurde uns klar, dass wir damit nicht weit kommen würden, musste das Gebäude doch von Grund auf saniert werden. Damit es allen Anforderungen und Sicherheitsregeln gerecht werden konnte, mussten sämtliche Stromleitungen und Anschlüsse erneuert werden, es mussten Sanitäranlagen geschaffen, Innenwände abgerissen, neue Decken eingezogen, Innen- und Außenwände wieder in Schuss gebracht, Türen und neue Fenster eingesetzt werden. Es brauchte zudem einige hundert Liter Farbe für den Innen- und Außenanstrich“, so Patrick Juncker, einer der Hauptinitiatoren dieses Museums, vor drei Jahren im Gespräch mit dem Tageblatt.

Die Gesamtinvestition belief sich im Nachhinein auf satte 370.000 Euro, Ausgaben, die nur dank mehrerer Sponsoren zu tragen waren. Erwähnenswert ist auch der Einsatz mehrerer Schüler und ihrer Professoren aus dem Nordstad-Lyzeum, die über eine Woche lang bei den Malerarbeiten geholfen haben.

Die Covid-Pandemie sorgte dafür, dass das Museum erst am 13. Mai 2022, zwei Jahre später als geplant, seine Türen öffnen konnte.

„Immer mal was Neues“

Neben den Tausenden von Exponaten, wie z.B. Atemschutzgeräte, in Eigenregie instand gesetzte Fahrzeuge, frühere und heutige Uniformen aus dem In- und Ausland, eine überaus große Sammlung von Feuerwehrhelmen, Auszeichnungen sowie ein Teil der früheren Telefonzentrale des Notrufs 112 kann der Besucher ab diesem Jahr auch einen 1967 in Dienst genommenen Ambulanzwagen der einstigen „Protection civile“ besichtigen. Es handelt sich hierbei um den hierzulande einzigen noch erhaltenen Ambulanzwagen des Modells Citroën HY.

Restaurierte 1967 Ambulanz nach 180 Arbeitsstunden, halbwegs instandgesetzt für medizinische Notfälle

In 180 Arbeitsstunden wurde die 1967 in Dienst genommene Ambulanz wieder halbwegs in Schuss gebracht Foto: Roger Infalt

In den 1960er Jahren erhielten die Einsatzzentren des Zivilschutzes neue Ambulanzen. Dabei handelte es sich um die blau-weiß lackierten Fahrzeuge des Typs Citroën HY, die in der Fahrerkabine Platz für zwei Personen hatten und im hinteren Teil neben zwei Tragbahren auch noch drei Personen aufnehmen konnten. Die in Wiltz ausgestellte Ambulanz mit der Immatrikulationsnummer A1723 wurde laut Unterlagen am 12. September 1966 für immerhin 222.500 Luxemburger Franken in der „Etoile Garage Peusch“ in Luxemburg gekauft und nahm am 22. Februar 1967 ihren Dienst auf.

Dieser Wagen fristete in den letzten Jahren ein tristes Dasein in einem Gebäude in Marnach, in dem ausgedientes Material des Rettungswesens gelagert wird. Der Zustand des sehr spartanisch ausgerüsteten Gefährts war, gelinde ausgedrückt, desolat und so musste das heute elfköpfige Team des Feuerwehrmuseums ordentlich schuften, um den doch geschichtsträchtigen Wagen so instand zu setzen, dass man ihn ruhigen Gewissens ausstellen konnte. Was die Innenlackierung sowie die Ersatzteile anbelangte, achtete man genaustens darauf, den Wagen – soweit es möglich war – wieder in den Originalzustand zu bringen.

Ambulanzinnenraum mit zwei Tragbahren und drei Sitzplätzen für Patientenversorgung

… und in den hinteren Raum der Ambulanz, wo es Platz für zwei Tragbahren und drei Sitzplätze gab Foto: Roger Infalt

Der Citroën HY ist aber nur eines der vielen interessanten Exponate, die es im Wiltzer Feuerwehrmuseum in der rue Geetz Nr. 2 ab dem kommenden 4. April und bis Ende November jeden Samstag von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen gibt. Die Mitglieder des Museumsteams geben Erklärungen zu den verschiedensten Ausstellungsstücken und warten mit Geschichten und Erfahrungen von einst auf. Der Besuch lohnt sich.

Einsatzwagen der Feuerwehr in Halle Colmar-Berg, restauriert von Frënn vum Pompjeesmusée und nach Wiltz gebracht

Dieser Einsatzwagen stand lange Zeit in einer Halle in Colmar-Berg. Die „Frënn vum Pompjeesmusée“ haben ihn aus dem Tiefschlaf nach Wiltz geholt Foto: Roger Infalt

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