Mobilität
Esch will seine Lücken im Radwegenetz schließen
Die Gemeinde Esch möchte ein zusammenhängendes, sicheres Radwegenetz schaffen. Geplant sind acht Fahrradkorridore, neue Wegweiser und bessere Verbindungen zwischen Stadtteilen und Nachbargemeinden. Am Montagabend fand hierzu eine Informationsveranstaltung statt.
Radfahrer müssen in Esch ihre Geschicklichkeit demonstrieren Foto: Editpress/Tun Stemper
Ein Dutzend Bürger hat es am Montagabend in das Escher Rathaus gezogen. Dort stellte die Escher Gemeinde das geplante Fahrradnetz sowie die Überlegungen dahinter vor. Die Veranstaltung fand im Rahmen der europäischen Mobilitätswoche statt.
„Unser Ziel ist es, dass die Fahrradwege beschildert und klar als solche erkennbar sind“, sagte Mandy Ragni („déi gréng“). Sie hatte noch am selben Tag offiziell die Arbeit von Meris Sehovic („déi gréng“) übernommen. „Vor allem möchten wir ein kohärentes, zusammenhängendes und sicheres Fahrradnetz schaffen.“ Die neue Schöffin für Mobilität räumte allerdings auch ein, dass dieses Ziel nicht einfach sei: Der Raum sei begrenzt und gleichzeitig würden verschiedene Ansprüche aufeinandertreffen.
Beratung aus den Niederlanden

Frisch vereidigt: Mandy Ragni löst Meris Sehovic zum zweiten Mal ab Foto: Editpress/Georges Sold
Im Jahr 2005 sei eine erste umfangreiche Studie zur Fahrradinfrastruktur erstellt worden. In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Beratungsunternehmen Mobycon veranlasste die Gemeinde in der Zwischenzeit eine neue Studie, deren Ergebnisse am Montag vorgestellt wurden. Ragni ging dabei auf die sogenannten „missing links“ ein, also die fehlenden Verbindungsstücke im aktuellen Radwegenetz. „Es reicht nicht, an einzelnen Stellen gute Fahrradinfrastrukturen zu haben, wenn man danach an einer Kreuzung oder einer Straße landet, an der die Verbindung aufhört.“
Acht Korridore
Laut Yves Bissen, Leiter der Verkehrsabteilung, hat die Gemeinde acht Fahrradkorridore erörtert, durch die die verschiedenen Stadtteile schnellstmöglich erreicht werden können. „Je Kreuzung und Streckenabschnitt wurde analysiert, wie man die Situation verbessern kann“, sagte Bissen. Insgesamt seien in der Studie rund 430 Abschnitte festgehalten worden, die nun einzeln und je nach Priorität unterschiedlich schnell abgearbeitet würden. Kurzfristig werde die Gemeinde Maßnahmen zur Kontinuität und zur Sicherheit ergreifen, so Bissen. Erst danach stehe der Komfort im Fokus.

Die Karte zeigt die geplanten acht Fahrradkorridore (nicht das gesamte Radwegenetz) Grafik: Gemeinde Esch
Ziel sei es, das zukünftige Radwegenetz für alle Verkehrsteilnehmer sichtbar zu gestalten. Die Gemeinde hat eigens dafür eine neue „visuelle Identität“ ausgearbeitet – ein Fahrradlogo, das sich am Stadtlogo orientiert. „In Zukunft sollen die Korridore auf der Fahrradbeschilderung angezeigt werden“, sagte Bissen. Auf der Fahrbahn kommen Markierungen in Form von Tropfen hinzu, um die Richtungsweisung zusätzlich zu vereinfachen.
Publikumsfragen
Nach der Vorstellung wurde das Mikrofon ins Publikum gereicht. Eine erste Frage drehte sich darum, wie die Gemeinde Kreuzungen in Zukunft sicherer gestalten wolle. Als Beispiel nannte Bissen die Ecke zwischen Jean-Pierre-Michels- und Spitalstraße – eben jene Kreuzung, an der sich in der Vergangenheit mehrere Unfälle ereigneten (das Tageblatt berichtete). Hier wurden laut Bissen mittlerweile „passages combinés“ eingerichtet. Die Überquerung der Straße ist damit für Radfahrer möglich, ohne dass diese von ihrem Fahrrad absteigen müssen. Dennoch hören die Markierungen an besagter Stelle danach auf – eine Lücke, die die Gemeinde in Zukunft schließen wolle.

Die Kreuzung Jean-Pierre-Michels- und Spitalstraße Foto: Editpress/Georges Sold
Mehrere Zuschauer stellten Fragen zu den Anbindungsmöglichkeiten, etwa zwischen den neuen Vierteln „Rout Lëns“ und Belval oder auch zwischen den Nachbargemeinden. Laut Bissen werde auch daran gearbeitet, wobei der Staat für die Abschnitte „Rout Lëns“-Belval sowie nach Audun-le-Tiche (F) zuständig sei.
Am Abend hat sich gezeigt, dass die Gemeinde sich der derzeitigen Zerstückelung der Fahrradinfrastruktur bewusst ist. Laut Meris Sehovic („déi gréng“) wendet die Kommune dafür „praktischen Urbanismus“ an. Der Fokus liegt darauf, Projekte „schnell“, „provisorisch“ und „ohne viel Kosten“ umzusetzen, um sie anschließend ausprobieren zu können. Die definitive Umgestaltung soll erst später stattfinden.