Differdingen

„Es tut weh“ – Einwohner reagieren auf geplanten Abriss des Rathauses

Differdingens „Hôtel de ville“ verschwindet. Pfusch am Bau in den 60ern erfordert einen Neubau. Was sagen die Einwohner dazu?

Altes Rathaus im historischen Stil bei klarem Himmel, symbolisch für Kultur und Tradition in der Stadt

Noch steht das alte Rathaus Foto: Editpress/Alain Rischard

Das Differdinger Rathaus muss weg: Baumängel erlauben keine Renovierung – ein Neubau muss her. Das alte Gebäude aus den 1960er-Jahren wird abgerissen, wie der Schöffenrat in einer Gemeinderatssitzung am vergangenen Mittwoch mitteilte. Die Einwohner der Stadt sind traurig darüber, stimmen jedoch zu, dass das bestehende Gebäude nicht mehr zweckmäßig ist.

„Tut immer weh“

„Das ist eine schlechte Überraschung – auch für die Gemeinde selbst“, sagt Patrick Salvi (65) über den Baupfusch. „Es gibt Fehler am Rathaus, das kann jedem passieren.“ Patrick, der in einem 1928 gebauten Haus lebt, weiß, dass bei alten Gebäuden immer Risiken bestehen. „Wenn ich mein Haus von Grund auf sanieren würde, wäre es auch gut möglich, dass es billiger wäre, ganz neu zu bauen, statt zu renovieren.“ Die Normen von damals seien dazu ganz anders als heute, was eine Sanierung zusätzlich erschwere. „Dumm gelaufen“, kommentiert er die Situation. Zu den zusätzlichen Kosten wollte er sich nicht äußern: „Darüber kann ich nicht viel sagen, weil ich nichts weiß.“

Patrick steht traurig vor dem historischen Rathaus, Symbol für Verlust und Erinnerung in der Stadt.

Patrick trauert dem Rathaus nach Foto: Editpress/Alain Rischard

Patrick lebt seit gut 60 Jahren in Differdingen. Wie ist es, ein Gebäude verschwinden zu sehen, das er praktisch sein ganzes Leben kennt? „Das tut immer weh.“ Er sei ein sehr nostalgischer Mensch. „Bei allem Historischen, das verschwindet, ist immer ein Schmerz da.“ Für die Bürger ist das Rathaus mit Erinnerungen verknüpft: „Manche haben dort geheiratet.“ Es sei ein Stück von Differdingen, das verschwinde.

Und doch bedürfe es eines größeren Rathauses, sagt Patrick. „Die Bevölkerung ist gewachsen, ein Rathaus muss dementsprechend ebenfalls wachsen.“ Auch, dass in Zukunft mehr Gemeindedienste an einem Ort vorhanden sein sollen, begrüßt er.

„Mit der Zeit gehen“

„Das Projekt hat bereits gekostet, und es wird noch teurer“, sagt Fernando Matos (56) über den Abriss und anschließenden Neubau des Rathauses. „Meiner Meinung nach werden die Menschen froh darüber sein, ein neues Gebäude zu haben.“ Dennoch sei es schade, dass das alte Rathaus verschwinde. Die aktuelle Übergangslösung stelle ihn aber zufrieden. „Wir werden dort gut bedient, und es ist nicht weit.“ Manchmal müsse er jedoch Passanten den Weg weisen.

Fernando spricht besorgt, Zitat „Es wird noch mehr kosten“ in Gesprächssituation, Kostensteigerung Thema

„Es wird noch mehr kosten“, sagt Fernando Foto: Editpress/Alain Rischard

„Leider kommen wir nicht daran vorbei“, sagt Noémie Borges (34). Zu den Kosten sagt sie, die Kommune müsse im Rahmen des Vertretbaren bleiben, schauen, was nötig sei und was nicht. „Ein Rathaus braucht keinen großen Luxus.“ Natürlich habe sie Erinnerungen an das Gebäude, das sie jeden Tag gesehen habe. „Aber man muss mit der Zeit gehen, und wenn es nicht mehr zeitgemäß ist, dann ist das so.“ Sie nimmt die Veränderungen im Stadtbild gelassen: „Wir sind immer noch hier, und Differdingen ist auch noch hier – das ist gut.“

Noémie spricht vor dem Rathaus, betont Verzicht auf Luxus für öffentliche Gebäude, nachhaltige Stadtpolitik im Fokus

Ein Rathaus braucht keinen Luxus, sagt Noémie Foto: Editpress/Alain Rischard

Nora Menghi (67) glaubt, dass bei vielen Bauprojekten in der Vergangenheit gepfuscht wurde. Sie sei nicht froh über die steigenden Kosten, verstehe jedoch die Notwendigkeit. „Wir können schlecht ohne Rathaus sitzen bleiben.“ Sie findet es besser, ein neues Gebäude zu bauen. „So schön war das alte Rathaus nicht.“

Nora betrachtet kritisch das alte Rathaus, das sie als unansehnliches Gebäude empfindet.

Nora findet, das alte Rathaus sei kein schönes Gebäude Foto: Editpress/Alain Rischard

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