Im Stadtzentrum

Differdingen nimmt Videoüberwachung in Betrieb

Das Zentrum von Differdingen wird jetzt von 48 Kameras überwacht. Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen, am Freitagnachmittag wurde das „Visupol“-System nun offiziell in Betrieb genommen.

Innenminister Léon Gloden und Differdinger Schöffenrat starten offiziell das Visupol-Überwachungssystem im Parc Gerlache

„Push the button“ hieß es am Freitag im Parc Gerlache: Der Differdinger Schöffenrat, Innenminister Léon Gloden (Mitte) sowie Vertreter der Polizei nahmen offiziell das „Visupol“-System in Betrieb Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Ein roter Buzzer und ein oranges Licht – so nahmen Bürgermeister Guy Altmeisch (LSAP) und Innenminister Léon Gloden (CSV) das neue „Visupol“-System mitsamt der 48 Überwachungskameras am Freitagnachmittag symbolisch in Betrieb. Nach mehreren Ankündigungen und Verzögerungen sowie einer einjährigen Vorbereitungsdauer ist das System nun offiziell im Differdinger Parc Gerlache und dessen Umgebung aktiv. Die Videoüberwachung ist Teil des „Plan local de sécurité“ (PLS), den die ehemalige grün-rot-schwarze-Mehrheit im September 2022 vorgestellt hatte. „Mit dem ‚Visupol‘-System soll keine Angst geschaffen, sondern das Vertrauen gestärkt werden“, so Altmeisch in seiner Rede.

Die Umgebung des „Parc Gerlache“ erwies sich in der Vergangenheit oft als Hotspot für Kriminalität, Drogenhandel und Lärmbelästigung. Entsprechend früh wurde er als Schwerpunkt für Überwachungsmaßnahmen definiert. Ursprünglich sollten die Kameras noch vor dem Sommer des vergangenen Jahres in Betrieb genommen werden. Nach einer ersten Verschiebung war zuletzt von einer Umsetzung im November die Rede gewesen. Technische Vorbereitungen, Genehmigungsverfahren und die Einrichtung des „Visupol“-Systems führten laut Altmeisch jedoch dazu, dass sich die Inbetriebnahme bis Mitte Januar verzögerte.

Kritik an Handhabung

Laura Pregno, déi gréng Rätin der Gemeinde Differdingen, Porträtfoto vor kommunalem Hintergrund

Laura Pregno ist Rätin der Grünen in der Gemeinde Differdingen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Bürgermeister Guy Altmeisch (LSAP) hatte die Videoüberwachung in den vergangenen Monaten wiederholt als wichtigen Bestandteil des lokalen Sicherheitsplans bezeichnet. Das System habe bereits zur Aufklärung von Vandalismusfällen beigetragen, wodurch Reparaturkosten in Höhe von rund 50.000 Euro hätten eingespart werden können. Gleichzeitig genehmigte der Gemeinderat im Juli 2025 eine weitere Investition von 450.000 Euro für den Ausbau der Videoüberwachung – ein Punkt, der für Diskussionsstoff sorgte.

Im Rahmen der Inbetriebnahme des „Visupol“-Systems verweist Oppositionsrätin Laura Pregno („déi gréng“) darauf, dass ihre Partei die Videoüberwachung ursprünglich als eine von mehreren Maßnahmen des lokalen Sicherheitsplans mitgetragen hat. Skeptisch zeigt sie sich allerdings gegenüber der räumlichen Ausdehnung der überwachten Zonen. Der vorgesehene Perimeter reiche von der Avenue de la Liberté bis zur Avenue Charlotte – eine Distanz von 1,3 Kilometern Fußweg. „Ich frage mich, ob es wirklich notwendig ist, diesen Bereich so weitläufig auszulegen“, so Pregno gegenüber dem Tageblatt. Die Kameras seien vor allem im Parc Gerlache, in der rue Michel Rodange sowie in der rue du Chemin de fer sinnvoll.

Auch an der politischen Handhabung des Sicherheitsplans übt Pregno erneut Kritik – in der Vergangenheit sprach sie bereits mehrmals von „Intransparenz“. Ihre Fraktion habe Zahlen, Berichte und Evaluierungen eingefordert, bislang jedoch keine Einblicke erhalten. „Evaluierungen sind entscheidend, um beurteilen zu können, ob Maßnahmen tatsächlich greifen“, sagt Pregno. Ohne objektive Daten bestehe die Gefahr, dass einzelne Instrumente – etwa die Videoüberwachung – vorschnell als Erfolg dargestellt würden.

„Verlagerung der Straftaten“

Gary Diderich von déi Lénk kritisiert Videoüberwachung als umstrittene Sicherheitsmaßnahme

Gary Diderich von „déi Lénk“ stand der Maßnahme der Videoüberwachung von Anfang an kritisch gegenüber Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Auch Oppositionsrat Gary Diderich („déi Lénk“) äußert grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der nun aktiven Videoüberwachung. Zwar sei es positiv, dass die Gemeinde auf das Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung reagiere, doch werde dieses nun fast ausschließlich über Überwachungskameras adressiert. „Kameras lösen keine Probleme“, sagt Diderich. Soziale Ungleichheiten, Traumata, kriminelle Energie oder Spannungen im Zusammenleben würden dadurch nicht beseitigt, Straftaten lediglich verlagert.

Trotz einer Gesamtinvestition von über einer Million Euro werde das eigentliche Problem nicht gelöst, vielmehr entstehe ein neues – jenes der Überwachung und Kontrolle im öffentlichen Raum, das mit einer Einschränkung individueller Freiheiten einhergehe.

Kritisch sieht auch Diderich die künftige politische Bewertung der Maßnahme. Bei Investitionen dieser Größenordnung müsse schon ein erheblicher Schaden durch Vandalismus eingespart werden, was aber gerade im nun überwachten Gebiet bislang nicht als Hauptproblem galt. Zudem bemängelt er, dass die Sicherheitspolitik der rot-schwarzen-Mehrheit nicht anhand von objektiven und nachvollziehbaren Kriterien bewertet werde. „Ohne Daten und ohne Vergleichswerte – etwa durch Befragungen zum Unsicherheitsgefühl – lässt sich kaum beurteilen, ob die Maßnahmen tatsächlich wirken“, so Diderich.

Bürgermeister Altmeisch reagierte am Freitagnachmittag gelassen auf die Kritik. „Die Überwachungskameras sind Teil eines Gesamten“, erklärte er. Wichtig sei es, flexibel zu bleiben und die Maßnahmen an die Bedürfnisse der Stadt anzupassen. Dazu gehöre eben auch eine laufende Evaluierung der Sicherheitsmaßnahmen. Der LSAP-Politiker betonte, nur ein weit gefasster Perimeter ermögliche es zudem, Personen nach begangenen Straftaten anhand von Videoaufnahmen nachzuverfolgen.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren