Bühne frei für den Korus
Die neue, aber teure Musikschule in Petingen feiert ihre offizielle Eröffnung
Wo früher nur ein Parkplatz lag, erklingen nun Klavier- und Geigenklänge. Doch hinter der modernen Fassade der neuen Musikschule in Petingen verbirgt sich eine Geschichte von steigenden Kosten.
Das Luxemburger Kammerorchester und Starpianist Francesco Tristano stellten die besondere Akustik des Konzertsaals der neuen Musikschule in Petingen unter Beweis Foto: Editpress/Alain Rischard
Am Freitagabend zeigte sich die Petinger Politprominenz stolz auf die offiziell eröffnete neue Musikschule „Korus“ der Gemeinde. „Es ist ein Herzensprojekt, das nun endlich fertig ist“, sagte die frühere zuständige Schöffin Raymonde Conter-Klein vor der öffentlichen Sitzung und dem Eröffnungskonzert.
Anwesend waren neben dem Petinger Gemeinderat und den Bauverantwortlichen auch Politiker aus den Nachbargemeinden sowie Arbeitsminister Marc Spautz und Bildungsminister Claude Meisch. Zudem nahmen zahlreiche Eltern und Schüler der Musikschule teil – Letztere sorgten zwischen den Reden für die musikalische Untermalung.
Nach dem offiziellen Teil folgte ein Konzert des Luxemburger Kammerorchesters mit dem Starpianisten und „Rodanger Jong“ Francesco Tristano. Gemeinsam bewiesen sie auf beeindruckende Weise die akustische Finesse des neuen Konzertsaals der Musikschule, der erst vor wenigen Monaten fertiggestellt wurde und als eines der Herzstücke des neuen Gebäudes gilt. Es wurde deutlich, dass der Süden des Landes eine Konzertbühne dazugewonnen hat, die Konzerte von hoher Qualität in einem intimeren Rahmen als die Philharmonie in Luxemburg-Stadt ermöglicht. In den kommenden Wochen und Monaten wird das Eröffnungsprogramm die ganze Bandbreite der neuen musikalischen Möglichkeiten präsentieren. Geplant sind u.a. ein Auftritt des Luxemburg Jazz Orchesters und der Brass Band des Escher Konservatoriums. Das komplette Programm findet sich auf der Webseite der Musikschule museksschoul.lu/evenements.
Dass Bauprojekte von Gemeinden immer wieder so viel teurer werden als vorgesehen, ist absolut unverständlich
Barbara Agostino
DP-Abgeordnete und Gemeinderätin
Eine Musikschule für rund 750 Schüler
Ein Blick auf die Eckdaten zeigt die Dimension des Projekts: Der Neubau wurde 2017 nach der Auswahl des Architektenbüros Schemel & Wirtz auf den Weg gebracht, 2019 begannen die Bauarbeiten. Das Gebäude ist für rund 750 Schülerinnen und Schüler ausgelegt, aktuell sind etwa 700 eingeschrieben. Perspektivisch liegt die Kapazitätsgrenze bei etwa 800. Unterrichtet werden sie von 33 Musiklehrkräften.
Insgesamt verfügt die Musikschule über 17 Unterrichtssäle – darunter drei Perkussionsräume, drei Säle für Solfège, fünf Kammermusiksäle und sechs Instrumentalsäle – sowie mehrere Spezialräume, etwa einen Schülersaal mit Probekabinen. Hinzu kommen Verwaltungs- und Konferenzräume, ein Aufenthaltsraum für das Lehrpersonal sowie der neue Konzertsaal. Das Kursangebot umfasst eine breite Palette von Blas- und Streichinstrumenten, Klavier, Harfe, Percussion, Gesang (klassisch und modern), Musiktheorie sowie Mandoline, E-Gitarre und Bass – wobei das Klavier nach wie vor zu den beliebtesten Instrumenten zählt.
Das architektonisch anspruchsvolle Gebäude nutzt, so lobt Musikschuldirektor Paul Origer im Gespräch mit dem Tageblatt, das Gelände nahezu vollständig aus und wurde insbesondere mit Blick auf akustische Anforderungen konzipiert. „Der Wohlfühlfaktor ist riesig.“
Früher war die Musikschule im alten Pfarr- und Nonnenhaus untergebracht – Räumlichkeiten, die man ins Herz geschlossen hatte, die jedoch den Anforderungen einer modernen Musikschule nicht mehr gerecht wurden. „Wenn zu laut geprobt wurde, haben die Schüler im Nebenraum ihr eigenes Spiel nicht mehr gehört“, erinnert sich Origer. Mit dem stetigen Wachstum der Schülerschaft wurde es zunehmend enger in der alten Musikschule.
Korus Einweihung Petingen
10,5 Millionen Mehrkosten
Dass der Bau einer neuen Musikschule der richtige Schritt gewesen ist, darüber sind sich alle Parteien einig. Doch in die politische Debatte mischen sich auch dissonante Töne – insbesondere wenn es um die Höhe der Baukosten geht.
Bürgermeister Jean-Marie Halsdorf (CSV) räumt im Gespräch mit dem Tageblatt ein, dass der ursprünglich veranschlagte Preis „nie zu halten gewesen“ sei. Man wolle aber „nichts verschönern“, der finanzielle Rahmen sei gesprengt worden. Das Projekt sei im Laufe der Jahre deutlich komplexer geworden als zunächst angenommen – und es habe zu viel „navigation à vue“ gegeben.
Es seien zum einen zahlreiche Anpassungen erforderlich gewesen, etwa die Entscheidung 2023, den Konzertsaal doch noch multifunktional nutzbar zu machen. Zum anderen hätten die Auswirkungen der Covid-Pandemie, stark gestiegene Materialpreise sowie Nachforderungen von Baufirmen die Gesamtkosten immer wieder in die Höhe getrieben. Insgesamt musste der Gemeinderat dreimal einen Zusatzkredit bewilligen – zuletzt erst am vergangenen Dienstag. Für das Originalprojekt waren 26 Millionen vorgesehen, über die Jahre wurde es um 10,5 Millionen teurer. (Das Tageblatt berichtete.)
Gleichzeitig betont Halsdorf im Gespräch, niemanden „anschwärzen“ oder „mit dem Finger auf jemanden zeigen“ zu wollen. Allerdings seien die Kompetenzen und Verantwortungsbereiche nicht klar genug aufgeteilt gewesen. Als Konsequenz müsse der Schöffenrat künftig „näher am Ball bleiben“ und schneller informiert werden.
Deutlich kritischer äußert sich die Opposition. Für die Piraten erklärt Gemeinderat Chris Bernard, es fehle schlicht an Transparenz: „Es ist nicht klar ersichtlich, woher die Mehrkosten genau kommen.“ Man müsse unterscheiden können, welcher Anteil auf Corona, welcher auf den Ukraine-Krieg und welcher auf Nachbesserungen oder Fehlplanungen zurückzuführen sei. „Der Schöffenrat hat hier die Finanzkontrolle verloren“, lautet sein Vorwurf. Wenn man nicht konsequent nachfrage, erhalte man keine ausreichenden Erklärungen.
Auch DP-Vertreterin Barbara Agostino zeigt sich besorgt über die Entwicklung öffentlicher Bauprojekte. „Dass Bauprojekte von Gemeinden immer wieder so viel teurer werden als vorgesehen, ist absolut unverständlich“, sagt sie. Es handle sich schließlich nicht um Geld des Gemeinderats, sondern um Mittel der Allgemeinheit. Personen, die Kostenvoranschläge erstellen, müssten zur Verantwortung gezogen werden, wenn Budgets massiv überschritten würden. „Wenn man so in der Privatwirtschaft wirtschaften würde, wäre man schnell pleite.“ Zudem plädiert sie dafür, mehr qualifiziertes Personal einzustellen, das Großprojekte professionell überwachen könne, statt diese Kontrolle externen Firmen zu überlassen.
Etwas differenzierter fällt die Einschätzung von Romain Scheuer von „déi gréng“ aus. Das Projekt sei zwar sinnvoll und architektonisch gelungen, dennoch müsse bei Bauvorhaben in dieser Preisklasse besonders sorgfältig geplant werden. Viele Projekte würden „von hinten nach vorne“ durchgezogen und dann über Jahre hinweg immer wieder angepasst – was sie letztlich verteuere. Kritik übt er weiter an der Verkehrsführung des Parkings mit Ausfahrt in Richtung Petinger Zentrum.
Unter dem Strich bleibt somit ein Projekt, dessen kultureller Mehrwert kaum bestritten wird – dessen finanzielle Dimension jedoch auch nach der feierlichen Eröffnung politisch nachhallt.
36,5
Millionen Euro hat sich die Gemeinde Petingen die neue Musikschule insgesamt kosten lassen