Twing Raid Tag VII
Am Samstag begannen die Probleme
Bis jetzt hat sich Marokko von seiner besten Seite gezeigt. Landschaftlich gibt es Abwechslung, Grandioses und eine Menge Überraschungen. Am Sonntag hatte ein LGE-Twingo eine Panne.
Probleme in der Wüste: Es erwischt die Besten Foto: Christian Schaack
Grand-Canyon-artige Felsformationen ziehen an uns vorbei. Mit Berberdörfern, Flüssen, Bergen mit Schnee, Pässen mit Schlangenkurven, Palmen mit Steinwüste und Sahara-Dünen mit Algerien im Hintergrund. So grün auch der nördliche Teil wegen der rezenten außergewöhnlichen Regenfälle erscheint, so karg und steinig zeigt sich der südöstliche Teil des Atlasgebirges.
Die Siedlungen nahe der Küste sind recht modern und gediegen, je weiter man landeinwärts fährt, umso ärmlicher und staubiger erscheinen sie. Polizisten in Galauniformen machen auf Schritt und Tritt mobile Radarkontrollen, Teenager streunen wie die „Wilden Kerle“ per Fahrrad durch die Straßen, Kinder winken vorbeifahrenden Touristen zu, betteln, eine dreibeinige Katze huscht unter fliegenbedeckten Fleischteilen vorbei und alle Händler geben alles, um ihre Ware an den Mann oder die Frau zu bringen.
Schön, aber kein Sonntagsausflug für Twingos Foto: Christian Schaack
Gefährliche Manöver
Die Menschen sind durchwegs freundlich. Weil gerade der Ramadan begonnen hat, sind nicht alle Restaurants geöffnet, hingegen haben die Touristenausflüge in die Sahara per Dromedar oder Quad Hochkonjunktur. Esel, Lämmer oder Rinder weiden ohne Zaun neben Schnellstraßen, Fußgänger überqueren die Autobahn.
Gefährliche Fahrmanöver sind relativ häufig und direkt vor uns ist ein Überholmanöver bis auf ultraknappe zehn cm glimpflich ausgegangen. Ländliche Straßen sind zudem mit gefährlichen Löchern übersät.
Marokko ist ein faszinierendes Land mit ungewohnten Sitten. Solidarität ist das Schlagwort, welches optimal zur Rallye passt. Nicht nur das Verteilen von Schulmaterial oder Lebensmitteln an die Bevölkerung. Auch unter den Teilnehmerteams. Jeder hilft dem anderen. Es herrscht wirklich eine kollegiale Stimmung, alle sind per Du.
Die beiden LGE-Teams kämpfen sich Seite an Seite durch das Abenteuer. Wir campen nebeneinander, leihen uns Material aus, tauschen Ratschläge über passenden Fahrstil oder Warnungen vor Hindernissen aus oder plaudern über Gott und die Welt. Wir genießen die tagtäglichen Entdeckungen.
Am Samstag standen zwei Rundfahrten auf dem Menü. Während die eine technisch hoch komplex verharrte, eignete sich die andere eher für zügiges Gasgeben. Auf der ersten Etappe strotzte der Streckenverlauf nur so von tiefen Gräben und Löchern: echtes Gift für unser tief liegendes Fahrzeug. In der Tat schlug unserer Teppichboden mit großem Krachen und Getöse permanent auf dem steinigen Boden auf. Resultat: die Spur hat sich verzogen, zwei Felgen haben eine leichte Delle und die unter dem Fahrzeug angeschraubten Schutzplatten haben sich so verformt, dass der fünfte Gang nicht mehr funktioniert.

Alain: „Blech hat sich verformt, fünfter Gang geht nicht mehr rein!“ Foto: Christian Schaack
Gift fürs Fahrwerk
Nachdem Alain die Platten demontiert hatte, musste er feststellen, dass die Verformung nicht herauszubekommen ist. Wir haben daraufhin entschieden, die Schutzmetalle wieder zu befestigen, um die beiden verbleibenden Streckenprofile mit Pistencharakter so weiterzufahren. Für die letzte Etappe nach Marrakesch auf Asphaltstraßen wird die Platte definitiv entfernt, weil deren Schutz nicht mehr notwendig ist.
Was der Fliegende Teppich einstecken muss, ist eher mit einem Hagelschlag aus Steinen zu vergleichen, der nonstop auf den Chassis-Unterboden einschlägt. Unglaublich, dass er immer noch fahrtauglich ist. Wir sind dieses Mal noch mit einem blauen Auge davongekommen. Wird unsere Rappelkiste noch die kommenden anstrengenden Etappen überleben?

Zum Glück verfügt Alain über die nötige Kompetenz ... und Werkzeug Foto: Christian Schaack
Nachtrag von Gianni Mersch am Sonntag: „Christian und Alain haben eine Panne. Irgendwas mit der Mechanik. Sie stecken fest. Hoffen, dass sie am Montag weiterfahren können.“