Tropische Erreger auf dem Vormarsch
Das West-Nil-Virus verbreitet sich in Europa. Wie wappnet sich Luxemburg?
Das West-Nil-Virus rückt Luxemburg geografisch näher: Ende Juli wurde in Rheinland-Pfalz die erste lokale Ansteckung nachgewiesen. Das Gesundheitsministerium stuft das Infektionsrisiko in Luxemburg derzeit als gering ein. Dennoch wappnen sich die Behörden.
Das West-Nil-Virus wird hauptsächlich von der Gemeinen Stechmücke zwischen wild lebenden Vögeln übertragen Foto: Stephane Vitzthum/Biosphoto/AFP
Das West-Nil-Virus kommt Luxemburg immer näher. Ende Juli hat eine lokale Infektion zum ersten Mal im Rhein-Pfalz-Kreis in der Nähe von Mannheim für Aufregung gesorgt – knapp 150 Kilometer Luftlinie vom Großherzogtum entfernt. Denn die Person hat sich „autochthon“ angesteckt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete. Sie war vorher nicht im Ausland, hat sich also vor Ort infiziert. In Luxemburg wurde bisher noch kein Fall nachgewiesen. Trotzdem bereitet sich die Gesundheitsbehörde darauf vor.
Fälle in Europa
In Europa haben sich bis zum 13. August 429 Menschen mit dem West-Nil-Virus infiziert, wie im jüngsten Wochenbericht des Europäischen Zentrums für die Prävention von Krankheiten (ECDC) steht. Damit haben sich die Zahlen, verglichen mit dem Bericht in der Vorwoche, fast verdoppelt. Insgesamt wurden in neun europäischen Ländern Fälle registriert, bei denen sich die Menschen vor Ort angesteckt haben. 224 Fälle wurden in Italien gemeldet, in Griechenland 105, in Spanien 42 und in Nordmazedonien 30. In Rumänien wurden 18 Fälle registriert, in Frankreich sechs, in Serbien zwei und in Deutschland sowie im Kosovo eine Infektion.
West-Nil-Virus
Das West-Nil-Virus wird hauptsächlich von Stechmücken zwischen wild lebenden Vögeln übertragen. Mücken können das Virus aber auch auf Menschen und andere Säugetiere übertragen. Vor allem Pferde sind betroffen. Im Gegensatz zu Vögeln sind Menschen und Pferde sogenannte Fehlwirte. Das heißt, das Virus kann sich nicht weiterentwickeln oder vermehren.
Bei den meisten Menschen verläuft eine Infektion symptomlos. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die etwa drei bis sechs Tage andauert: das West-Nil-Fieber. In seltenen Fällen kann es zu schweren Entzündungen von Gehirn oder Hirnhaut kommen. Die Sterblichkeitsrate des Fiebers kann bis zu 17 Prozent betragen.
Infektionsrisiko vorhanden
„Das Infektionsrisiko in Luxemburg ist derzeit gering, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden“, schreibt das Gesundheitsministerium auf Nachfrage des Tageblatt. Ob das Risiko steigt, hängt von drei Faktoren ab.
- Das Virus benötigt Überträger. Vor allem Culex pipiens, auch als Gemeine Stechmücke oder Nördliche Hausmücke bekannt, gilt als geeigneter Vektor. Das sind Organismen, die Krankheitserreger von einem Wirt auf den anderen übertragen, ohne selbst schwer zu erkranken.
- Das Virus muss eingeschleppt werden. Das Virus infiziert hauptsächlich Vögel. Zugvögel bringen es dann nach Europa, von wo es auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übergehen kann.
- Bestimmte klimatische Bedingungen begünstigen die Virusvermehrung in den Mücken. Je wärmer, desto besser für das Virus. Überdurchschnittliche Sommertemperaturen können die Ausbreitung in neue Gebiete direkt beeinflussen.
Gefährliche Arten
Neben der Gemeinen Stechmücke gilt die Tigermücke (Aedes albopictus) als möglicher Brückenvektor, der das Virus von Vögeln auf den Menschen übertragen kann. In Luxemburg wurde sie zum ersten Mal im September 2022 in Roeser und 2024 auch in der Hauptstadt entdeckt. Die Tigermücke kann zudem andere Tropenkrankheiten wie Dengue-Fieber, das Chikungunya-Fieber und auch das Zika-Virus übertragen.

Die Verbreitung der Tigermücke in Europa im April 2026 Grafik: European Centre for Disease Prevention and Control
Die Tigermücke gilt laut Gesundheitsministerium aber derzeit in Luxemburg noch nicht als etabliert. Allerdings hat sie sich mittlerweile in fast ganz Frankreich ausgebreitet – auch im Département Moselle an Luxemburgs Grenze, wo sie mittlerweile auch überwintert. Allerdings ist sie dort laut französischer Gesundheitsbehörde in weniger als 40 Prozent der Gemeinden vorhanden.
Überwachungssystem
Damit eine Ausbreitung von Krankheitserregern wie dem West-Nil-Virus verhindert werden kann, müssen die Überträger überwacht werden. Dafür gibt es wiederum in Luxemburg drei Ansätze, wie das Gesundheitsministerium mitteilt:
- Eierfallen und Fallen für erwachsene Mücken stehen an „strategischen Standorten“. Das sind primär die Einreisepunkte ins Land wie Straßen, Bahnhöfe und Logistikbereiche. Diese Überwachung findet in der Regel von Mitte April bis Mitte November statt.
- Mit der App „Mosquito Alert“ können Bürger Fotos von verdächtigen Mücken machen und einsenden. Diese werden dann in Luxemburg vom Museum für Naturgeschichte unter die Lupe genommen.
- Das Programm zur Überwachung des West-Nil-Virus bei Wildvögeln wurde ausgeweitet. Eine Virusverbreitung kann so frühzeitig erkannt werden, weil Vögel Reservoirwirte sind. Das sind Lebewesen, die langfristig mit einem Krankheitserreger infiziert sind, ohne selbst schwer zu erkranken, und somit als ständige Infektionsquelle für andere Arten dienen.

Puppen von Stechmücken unter der Oberfläche eines Teiches Foto: Bartomeu Borrell/Biosphot/AFP
Eingeschleppte Infektionen
Auch wenn lokale Infektionen laut Gesundheitsministerium (noch) nicht im Großherzogtum vorgekommen sind, stecken sich immer wieder Menschen bei Reisen mit Tropenkrankheiten an. 2025 wurden laut Ministerium 16 Fälle von Dengue-Fieber und fünf Chikungunya-Fälle nach Luxemburg importiert und der Gesundheitsbehörde gemeldet. Zika-Fälle wurden vergangenes Jahr keine verzeichnet. 2024 waren es 19 Fälle von Dengue-Fieber und erstmals zwei Fälle von Chikungunya und acht Fälle von Zika.
Tipps gegen eine Infektion
Bislang gibt es weder einen Impfstoff noch eine spezifische antivirale Behandlung gegen eine West-Nil-Virus-Infektion. Die Prävention beruht daher im Wesentlichen auf dem Schutz vor Mückenstichen.
Damit es also erst gar nicht zu einem Stich kommt, hat das Gesundheitsministerium ein paar Empfehlungen parat:
- Abwehrmittel auf unbedeckten Körperstellen aufzutragen und Kleidung mit einem Insektizid auf Permethrin-Basis zu imprägnieren,
- unter einem mit Insektizid imprägnierten Moskitonetz schlafen,
- in einem klimatisierten Raum oder mit Ventilatoren schlafen
- und Reisen in bestimmte Regionen während der Regenzeit vermeiden.
Wer in Risikogebieten doch gestochen wurde und Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschläge und neurologische Störungen zeigt, sollte zum Arzt.