„Wollen gemeinsam etwas auf die Beine stellen“
Burgbrennen in Esch: Eine Tradition, vier Vereine und viel Regen
In Luxemburg fanden am Wochenende rund 200 Burgbrennen statt – auch in Esch wurde symbolisch der Winter verbrannt. Die Mitglieder von vier Vereinen trotzten dort dem Regen, um den Brauch zu pflegen und die Menschen zusammenzubringen.
In Esch stand am Sonntagabend eine waschechte Burg in Flammen – mit vier Türmchen und kleinen Flaggen aus Holz Foto: Editpress/Julien Garroy
„Es ist eine coole Tradition und in Luxemburg so üblich. Als wir gefragt wurden, ob wir das Burgbrennen noch einmal mitorganisieren, war für uns sofort klar, dass wir wieder dabei sind“, erzählt Max Weisgerber am Sonntagnachmittag. Er ist Präsident der „Amicale“ der Escher Feuerwehr – einem von vier Vereinen, die nach einer erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr den Brauch des „Buergbrennen“ in Esch fortführen.
Nur wenige Stunden später wird an diesem Sonntagabend im Ellergronn bei den Fußballplätzen der Jeunesse Esch im wahrsten Sinne des Wortes eine Burg in Flammen aufgehen: Aus rund 300 Paletten, Holz und Tannenbäumen entstand nämlich eine Konstruktion mit vier Türmchen und Flaggen. Für den Aufbau und die Organisation sind rund 50 Freiwillige im Einsatz: von der „Amicale“ der Escher Feuerwehr, vom Boxclub Esch, von den Pfadfindern „Diables Rouges“ und vom Escher Volleyballverein EVBC.
Zur Neuauflage des Escher „Buergbrennen“ im Jahr 2025 – fast 15 Jahre lang hatte es in der zweitgrößten Stadt des Landes keine Veranstaltung dieser Art gegeben – kamen laut Angaben der Vereine 700 bis 800 Gäste. Für die vier Vereinigungen war das Ansporn genug, die Tradition fortzuführen. „Wir sind inzwischen eine coole Truppe und wollen gemeinsam etwas auf die Beine stellen“, sagt der 28-jährige Max Weisgerber. Vom Sehen her kannte man sich zuvor, durch die gemeinsame Organisation sind die Vereine jedoch enger zusammengerückt.
Brauch weitertragen
Das Miteinander ist jedoch nicht der einzige Grund für das Engagement in der Freizeit. „Für die Menschen aus Esch wollten wir ein Fest auf die Beine stellen, bei dem sie zusammenkommen können“, erklärt Tammy Stemper, Sekretärin und Trainerin beim Escher Boxclub. Schon als Kind besuchte sie Burgbrennen und sieht darin bis heute eine gute Gelegenheit, gemeinsam eine schöne Zeit zu haben. „Es ist eine Tradition, die nicht aussterben darf“, betont die 32-Jährige aus Düdelingen.
Feuerwehrmann Max Weisgerber berichtet: „Im vergangenen Jahr kamen auch Leute, die den Brauch nicht kannten und direkt fragten, ob wir die Veranstaltung auch in Zukunft organisieren. So bringen wir den Menschen eine Tradition näher, die sie zuvor nicht kannten.“ Tammy Stemper ergänzt: „Die Leute haben sich letztes Jahr sehr gefreut, dass wieder ein Burgbrennen stattfindet. Wir haben viel positives Feedback bekommen.“
Nach dem großen Andrang im Vorjahr bei gutem Wetter kauften die Organisatorinnen und Organisatoren diesmal vorsorglich mehr Essen und Getränke ein. „Uns war klar, dass bei schlechtem Wetter weniger Leute kommen – und leider ist genau das eingetroffen“, sagt Max Weisgerber. Entmutigen lasse man sich davon nicht: „Letztes Jahr war mega, nächstes Jahr wird es wieder besser. Das Wetter ist immer ein Risiko“, stellt der Escher an diesem regenreichen Tag fest. Als die Burg später gegen 18.50 Uhr mit Fackeln entzündet wird, muss wegen der Nässe etwas nachgeholfen werden.
Winter verabschieden
Etwa zwei Stunden zuvor erzählt die neunjährige Stana, dass sie sich auf genau den Moment sehr freut: „Ich bin aufgeregt, zu sehen, wie alles abbrennt. So etwas habe ich noch nie erlebt“, erzählt das Mädchen aus Esch. Auch ihre Mutter Natalie Reucher war bisher bei keinem Burgbrennen: „Ich wollte das immer schon einmal sehen.“ Weil die 35-Jährige und ihre Tochter Mitglied im „Boxclub Esch“ sind, unterstützen sie trotz Regen vor Ort ihren Verein. Ihr Partner Jérôme kennt Burgbrennen und findet die großen Lagerfeuer schön. Mit Blick auf den symbolisch verbrannten Winter meint der 37-jährige Gärtner: „Ich würde es nicht schlecht finden, wenn der Winter langsam verschwindet.“
Zum „Buergbrennen“
Am ersten Sonntag der christlichen Fastenzeit werden in ganz Luxemburg sogenannte „Burgen“ verbrannt. Dabei handelt es sich meist – wenn auch nicht immer – um Kreuze, die von Mitgliedern lokaler Vereine aus Baumstämmen, Holz und Stroh gefertigt werden. In einigen Orten entstehen auch Konstruktionen nach dem Vorbild einer echten Burg, etwa in Esch oder Niederanven. Am „Buergsonndeg“ – oder aus organisatorischen Gründen mancherorts bereits am Samstag – werden die Bauwerke angezündet, um symbolisch den Winter zu vertreiben und den Frühling zu begrüßen. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wo die Tradition ihren Ursprung hat.
Auch Gabrielle Kwiatkowski hat schon mehrere Burgen brennen sehen und war auch bei früheren Veranstaltungen dieser Art in Esch dabei. Die neue Burg findet die 63-jährige Escherin „sehr schön“ und lobt sowohl die Parkmöglichkeiten als auch die Größe der Palettenkonstruktion. Diese beeindruckt auch ihre Enkelin Leia. „Mit meinem Opa war ich gestern bei einem anderen Burgbrennen, aber das war sehr klein“, erzählt die Zehnjährige. Die Tradition findet sie „flott“ und mag, dass die Menschen dabei zusammenkommen.