Mülltrennung

Bioplastik, Chipstüten und Kaffeekapseln: Das kommt in Luxemburg nicht in die blaue Tüte

Verpackungsmüll wird in Luxemburg recht gut getrennt und doch besteht in einer Kategorie noch Verbesserungsbedarf: bei Plastik. Das, obwohl mittlerweile viele Dinge in den blauen Beuteln von „Valorlux“ entsorgt werden können – und deshalb nicht mehr im Haushaltsmüll landen müssen. Einige Sachen kommen aber ganz klar nicht in die blaue Tüte. 

Becher, Flaschen oder Schalen in den leicht durchsichtigen Beuteln müssen zwar leer, aber nicht sauber ausgespült sein

Becher, Flaschen oder Schalen in den leicht durchsichtigen Beuteln müssen zwar leer, aber nicht sauber ausgespült sein Foto: Editpress/Alain Rischard

Luxemburg weiß, wie Mülltrennung geht – das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Im europäischen Vergleich schneidet das Großherzogtum nämlich recht gut ab, was die Aufbereitung und Wiederverwendung von verschiedenstem Packmaterial aus Glas, Karton oder Papier und Co. angeht: Mit rund 152 Kilogramm recyceltem Verpackungsmüll pro Kopf im Jahr 2021 landet Luxemburg auf Platz drei – gleich hinter Italien mit 160 Kilogramm und Spitzenreiter Deutschland mit 161 Kilogramm. 

Der Blick in die Zahlen zeigt allerdings, dass in einem Bereich noch Verbesserungsbedarf besteht. Denn während die Recyclingziele für 2025 bei Holz, Glas oder Karton und Papier in Luxemburg bereits erreicht und sogar überschritten sind, sind beim Recycling von Plastik noch Anstrengungen nötig: Bis 2025 soll nämlich ein Prozentsatz von 50 erreicht werden; aktuell liegt Luxemburg laut Umweltamt bei 39,5 Prozent. Bei der „Administration de l’environnement“ geht man aber davon aus, dass sich dieser Wert verbessern wird. Vor allem wegen der Ausweitung der Palette an Verpackungen, die inzwischen in den blauen Säcken von „Valorlux“ entsorgt werden können. 

Seit Oktober 2019 können in den 45 Gemeinden des interkommunalen Syndikats Sidec mehr Verpackungen – zum Beispiel Plastikfolien oder Joghurtbecher – in den blauen Beutel geworfen werden. Das hat sich in der aktuellen Restabfallanalyse 2021/2022 bemerkbar gemacht. „Die Ausweitung führt zu einem Rückgang an Plastikverpackungen im Restmüll“, stellt das Umweltamt in der Bilanz zur Studie fest. So hat sich die Menge an Plastikfolien im Haushaltsmüll von 17,94 Kilogramm pro Einwohner auf 11,13 Kilogramm reduziert. Bei Plastikbechern war es eine Verringerung von 2,07 auf 0,92 Kilogramm. 

Leer, flach und klein

Neben den Folien von zum Beispiel Getränkesixpacks und Bechern können inzwischen eine ganze Reihe an anderen Dingen kostenlos in den blauen Beuteln entsorgt werden: Plastikflaschen und Flakons – von zum Beispiel Getränken oder Shampoo – einschließlich der Verschlüsse. Übrigens können auch die Deckel von Joghurtbechern in die blaue Tüte geworfen werden. Das Gleiche gilt für die verschiedensten Arten von Schalen und Töpfen aus Plastik, also auch die braunen Pflanzenkübel neuer Blumen. Auch die Verpackungen von zum Beispiel Nudeln gehören rein, ebenso Plastiktüten.

Wer bei der Mülltrennung alles richtig machen will, informiert sich darüber, was in welche Tonne gehört

Wer bei der Mülltrennung alles richtig machen will, informiert sich darüber, was in welche Tonne gehört Foto: Editpress/Alain Rischard

Aber auch Getränkekartons von zum Beispiel Milch oder Saft sowie Metallabfälle – wie Alufolie, Kronkorken oder Hülsen von Teelichtern – sollen in den blauen Sack. Verpackungen müssen dabei stets leer, aber nicht gespült sein. Denn, so die Erklärung von „Valorlux“: „Recyclingbetriebe haben Prozesse, die die Verpackungen während der Aufbereitung reinigen. Deshalb ist es nicht nötig, die Verpackungen per Hand oder in der Spülmaschine zu säubern.“ Allerdings gilt es, diese flach zusammenzudrücken. Größere Behälter von mehr als 5 Litern müssen indes auf anderem Weg entsorgt werden.

Im Großen und Ganzen klappt es mit dem Mülltrennen in den Luxemburger Haushalten gut – wie die bei „Valorlux“ für Marketing und Kommunikation zuständige Charlotte Dimmer feststellt. Aber: „Rund zehn Prozent von dem, was in den blauen Sack wandert, kann nicht recycelt werden.“ Das ist zum Beispiel bei mehrschichtigen Tüten von Chips, Kaffee oder Haustierfutter der Fall, die wegen ihrer unterschiedlichen Materialien nicht recycelt werden können. Diese gehören also in den Restmüll.

Richtig sortiert

Auch Schalen aus Schaumstoff und Styropor gehören nicht in den blauen Beutel und werden stattdessen beim Recyclinghof abgegeben. Außer diese sind durch Essen oder Fett verschmutzt – dann gehören diese in die schwarze Tonne. Verpackungen von Medikamenten oder mit GHS-Gefahrenpiktogramm müssen ebenfalls auf anderem Weg entsorgt werden: nämlich bei der „SuperDrecksKëscht“ (SDK). Diese findet man in Recyclingzentren; oder man gibt die Sachen bei den mobilen Sammlungen ab. Auch schwarzes Plastik gehört nicht in den blauen Beutel, da dieses von der im Recyclingprozess eingesetzten Sortiertechnik nicht erkannt wird. Stattdessen gilt: Ab in den Restmüll.

Kaffeekapseln landen laut „Valorlux“ ebenfalls fälschlicherweise oft in den Beuteln – wahrscheinlich, da das im Nachbarland Belgien so gehandhabt wird. In Luxemburg allerdings werden diese laut Umweltverwaltung im Restmüll entsorgt. Für Verwirrung sorgen außerdem oft Verpackungen aus Biokunststoff. Da es für diese bis dato keine verpflichtenden Kriterien gibt, um wirklich biologisch abbaubar oder kompostierbar zu sein und diese sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise zersetzen, sollen sie laut Umweltamt in der normalen schwarzen Tonne entsorgt werden. 

Praktische Tipps zum Recycling

– Sich aktiv mit der Frage auseinandersetzen, wie der Müll richtig getrennt wird: Was kommt in den blauen Sackwas zur „SuperDrecksKëscht“ (SDK) und was zum Wertstoffhof? Informationen dazu gibt es unter valorlux.lu, sdk.lu und auf den Webseiten der Gemeinden.
– Sammelaktionen der Kommunen nutzen, um zum Beispiel Elektrogeräte oder Sperrmüll bequem vor der Haustür abholen zu lassen.
– Statt auf Einweg- auf Mehrwegprodukte setzen (Behälter, Kaffeebecher, Tüten) und so Verpackungsmüll gar nicht erst produzieren.
– Dinge länger nutzen, reparieren und auch Secondhand-Waren kaufen.

Landen Bioplastik, Chipstüten oder Kaffeekapseln im blauen Beutel, fällt das manchmal bereits beim Einsammeln auf. „In dem Fall wird ein orangefarbener Sticker auf die Tüten geklebt und diese werden nicht mitgenommen“, erklärt Charlotte Dimmer. Wenn es kein Einzelfall ist, sondern immer wieder Verpackungen der gleichen Sorte in die blauen Säcke geworfen werden, startet „Valorlux“ Informationskampagnen und vervollständigt die Rubrik der häufig gestellten Fragen auf der Webseite. Spätestens im Sortierzentrum in Bech-Kleinmacher sollte dieser Müll aber aussortiert werden. Wer dazu beitragen will, dass unter anderem Plastik zunehmend recycelt wird, kann die blauen Tüten auf der Webseite von „Valorlux“ bestellen oder diese in Rathäusern oder an Tankstellen abholen. 

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