Endlich mal ausstrecken

Ab November geht’s im Schlaf-Bus von Luxemburg nach Zürich und Amsterdam

Schlafen – und zwar im Liegen. Neue Nachtbusse mit Luxusbetten bieten Sitze an, die sich „vollständig horizontal in ein Bett verwandeln“. Reiseziele sind fürs Erste Amsterdam und Zürich.

Ein Twiliner-Bus von Emile Weber

Ein Twiliner-Bus von Emile Weber Foto: Twiliner

Alle mal aufzeigen: Wer hat im Flieger schon mal neidisch in Richtung Business-Class geschaut, während er sich mit zwei Kindern, einem Laptop und drei Taschen Verpflegung für sechs Stunden in einen Sitz in der Economy-Class gepfropft hat? Und wer kennt sie, die geschmeidigen Werbebilder für die Komfort-Sessel vorne im Flieger, die sich bei Schlaf-Bedarf zum King-Size-Bett entfalten, während sich die Stewardess zum Fluggast herunterbeugt, um ihm einen vom Sonnenuntergang beschienenen Gute-Nacht-Cocktail zu überreichen? 

Das Bus-Unternehmen Emile Weber will zumindest das Reisen-im-Schlaf-Erlebnis jetzt auch einer anderen Zielgruppe eröffnen. Ab November sollen Nachtbusse von Luxemburg nach Amsterdam und nach Zürich rollen. Zwischenstationen: Rotterdam und Basel. Das Ganze passiert in Kooperation mit dem Schweizer Start-up Twiliner. In den Bussen sollen sich die Fahrgäste tatsächlich komplett lang machen können. „Twiliner bietet Nachtbuslinien mit sogenannten ‚lie flat seats’ an – Sitze, die sich per Knopfdruck vollständig horizontal in ein Bett verwandeln“, erklärt ein Sprecher von Emile Weber.

Allerlei Komfort-Schnickschnack

Dazu kommt allerlei weiterer Komfort-Schnickschnack. Neben Kissen und Decken soll es im Bus auch WLAN geben, die Sitz-Betten seien mit Steckdose und Leseleuchte ausgestattet. Im Bus gebe es zudem einen „Snack-Bar-Bereich“, eine Umkleide und natürlich eine Toilette. „In Europa ist dieses Angebot neuartig“, sagt der Sprecher. „Es gibt bislang keinen Nachtbus mit dieser Kombination aus Liege-Betten und Komfort in Business-Klasse-ähnlichem Stil.“ 

So lässt es sich reisen
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So lässt es sich reisen
Schlafsitz im eingefahrenen Zustand
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Schlafsitz im eingefahrenen Zustand
Gesessen oder gelegen wird in Deierreihen
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Gesessen oder gelegen wird in Deierreihen
An Bord gibt’s auch ein stilles Örtchen …
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An Bord gibt’s auch ein stilles Örtchen …
… eine Umkleide …
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… eine Umkleide …
… und eine (Kaffee-)Bar
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… und eine (Kaffee-)Bar

Der Preis: teurer als ein Zugticket, aber günstiger als ein Business-Class-Flugticket. Auf der Webseite von Twiliner wird die erste Busfahrt am 17. November von Luxemburg nach Amsterdam für 150 Schweizer Franken angeboten, umgerechnet 160 Euro. Die Reise beginnt um 3.50 Uhr morgens und endet sechs Stunden später in der niederländischen Hauptstadt. Zum Vergleich: Eine Bahnreise am selben Tag kostet bei Rail Europe vom Luxemburger Hauptbahnhof bis Amsterdam 30 und 115 Euro. Die Reise ist trotz Umsteigen etwa gleich lang, findet aber tagsüber statt. 

Auch nach Zürich kostet die Reise mit dem Nachtbus 150 Franken. Los geht’s dorthin um 2 Uhr morgens, ebenfalls sechs Stunden später endet die Fahrt in der Schweizer Metropole. Per Bahn geht das tagsüber ab 93 Euro, bei der kürzesten Verbindung braucht man etwas mehr als vier Stunden. 

21 Fahrgäste können sich breitmachen

Emile Weber hat für seine Nightliner Doppeldeckerbusse des spanischen Herstellers Ayats umgebaut. Gerade einmal 21 Fahrgäste sollen in den Gefährten unterkommen. Die sollen alle in den Genuss der Liege-Sitze kommen. Ein spezielles Rückhaltesystem soll den Schläfern auch im Liegemodus Sicherheit gewährleisten. „Es gibt einen ‚Sicherheitsschlafsack’ oder vergleichbare Vorrichtungen in Verbindung mit den Gurten“, sagt der Emile-Weber-Sprecher.

Läuft der Test zwischen Amsterdam, Luxemburg und Zürich erfolgreich, sollen weitere Routen folgen. „Ziel ist es, ein europaweites Nachtbusnetz aufzubauen“, sagt der Sprecher. Von der Schweiz soll es noch dieses Jahr bis nach Barcelona und Girona gehen. Nur falls es in Zukunft auch in Richtung Deutschland geht, müssen die Schlaf-Reisenden wohl aufgeweckt werden: Dort ist liegend fahren nämlich nicht erlaubt. „Es gibt dafür keinen spezifischen Grund“, sagt der Sprecher. „Es wurde nur nie vorgesehen oder diskutiert, somit wurden die Normen nicht angepasst.“ 

Schlaflos in Luxemburg 

Liegend von Luxemburg in eine andere europäische Metropole zu kommen, das war bis jetzt tatsächlich wohl nur solventen Fluggästen oder Flusskreuzfahrern vergönnt. Die Bahngesellschaft CFL hatte laut einem Bericht des Luxemburger Wort zwar 2021 ihr Interesse am Anschluss ans französische Nachtzugnetz bekundet – passiert ist das bis jetzt aber nicht. Bis 2016 gab es einen Nachtzug von Luxemburg nach Nizza. Dieser wurde dann aber eingestellt. 

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