Probleme bei neuer Streckenführung im Süden
Busfahrer müssen gegen „Code de la route“ verstoßen, um ihren Job zu machen
Die neue Linienführung der Busse im Süden Luxemburgs ist seit dem 4. Januar in Kraft – und hat bereits einige Kritik bei den Fahrgästen ausgelöst. Doch auch die Busfahrer stehen vor Problemen, sagt Theo Schickes, Vorsitzender der Personalvertretung beim TICE.
Verengte Straßen stellen ein Sicherheitsrisiko dar Foto: Editpress/Alain Rischard
Fahrgäste des TICE im Süden des Landes müssen sich seit dem 4. Januar an neue Fahrpläne gewöhnen. Auch die Busfahrer werden vor Herausforderungen gestellt, die vorher nicht existierten, sagt Theo Schickes von der Gewerkschaft des Gemeindepersonals FGFC. Der Grund: enge Straßen, die die Busfahrer zwingen, gegen den „Code de la route“ zu verstoßen.
„Der Fahrplan ist gut gestreckt worden, das heißt, die Fahrer haben nicht mehr den Zeitdruck, den sie vorher hatten“, sagt Schickes. Im Gegenteil: Sie müssen sogar an vielen Haltestellen stehen bleiben, um nicht zu früh zu sein. „Das ist positiv.“ Allerdings halte sich das Verständnis der Passagiere dafür, dass sie warten müssen, in Grenzen. „Busse müssen bis zu fünf Minuten warten – die Passagiere wollen aber so schnell wie möglich von A nach B.“ Durch die wartenden Busse seien Haltestellen oft blockiert und Fahrer können nicht am vorgesehenen Platz halten. Die andere Möglichkeit sei es, langsamer zu fahren. „Dadurch werden Busse selbst zu Hindernissen, weil sie mit 30 fahren.“
Großes Problem Streckenführung
Großes Problem sei jedoch die Streckenführung. „Insbesondere in der rue Victor Hugo in Esch haben wir viele Probleme, weil die Straße nicht breit genug ist“, sagt Schickes. „Dadurch müssen die Busse über den Bürgersteig fahren.“ Vor allem, wenn zwei Busse aneinander vorbeifahren müssen. „Das Gleiche gilt in Düdelingen. Da haben wir auch Probleme.“ Dazu kommen Beispiele wie die rue des Charbons in Esch. Diese sei früher kein Thema gewesen, allerdings in der Zwischenzeit verengt worden.
Diese Probleme führen laut Schickes zu einem großen Sicherheitsrisiko. „Wenn Leute aus dem Haus kommen, dann fährt der Bus 30 bis 50 Zentimeter an ihrer Nase vorbei.“ Unfälle habe es noch keine gegeben, aber das Risiko sei da. „Gott sei Dank hat es bislang – Holz anfassen – noch nicht geknallt.“ Es sei schade, dass man dieses Risiko in Kauf nehme, nur um eine Streckenführung durchzusetzen. „Die Busfahrer müssen gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, ansonsten bleiben die Busse stehen.“
Enge Kurven wie diese sind keine seltene Herausforderung für Busse Foto: Editpress/Alain Rischard
Eine weitere kritische Stelle sei die place de Stalingrad in Esch. Dort seien Pfosten installiert worden, um Falschparken zu verhindern, sagt der Gewerkschaftler. Autofahrer hielten sich jedoch nicht daran. Wegen widerrechtlich abgestellter Pkws fehle den Bussen beim Aquasud in Oberkorn der Platz zum Wenden und Manövrieren im Kreisverkehr.
Falschparker können Bussen wichtigen Platz zum Manövrieren nehmen Foto: Editpress/Alain Rischard
Das Personal fühle sich laut Schickes unsicher. „Wir sind als Berufsfahrer auf unseren Führerschein angewiesen.“ Vom TICE komme nicht viel, um die Probleme zu beheben, sagt Schickes. „Ihnen sind allerdings die Hände gebunden, weil die Gemeinden und das Transportministerium an dieser Streckenführung festhalten.“ Am 27. Januar treffe sich die Personaldelegation mit der Direktion des TICE, um die Situation zu besprechen.
Katastrophale Toiletten
Ein ganz anderer Kritikpunkt betrifft die Toiletten an den neuen Endhaltestellen. „Diese Endstationen sind durch die veränderte Streckenführung entstanden“, sagt Schickes. Die Gewerkschaft habe bereits im Vorfeld auf fehlende sanitäre Einrichtungen aufmerksam gemacht, allerdings seien diese am 4. Januar noch nicht da gewesen. „Wir haben dann erst mal die Gemeinden angeschrieben.“ Zwar hätten diese schnell reagiert, allerdings nur mobile Toilettenkabinen, die eigentlich für Baustellen gedacht sind, aufgestellt. Das sei keine langfristige Lösung. „Hygienisch ist das eine Katastrophe.“ Die Toiletten seien nicht abgeschlossen. „Wer mit dem Hund spazieren geht, kann sie auch benutzen.“ Warmes Wasser und eine Heizung fehlen auch. „Für Frauen sind das keine Zustände.“ Die Kommunen allerdings hätten die Lösung für gut befunden, sodass diese Toiletten nun langfristig dort stehen bleiben sollen. Es gebe jedoch insgesamt genug sanitäre Möglichkeiten, sodass Busfahrer nur in Notfällen unterwegs stehen bleiben müssten.
Vor der Einführung der neuen Fahrpläne sei die Situation „viel besser“ gewesen. Die vorherigen Routen hätten nie Probleme bereitet. Insgesamt nennt Schickes die neuen Fahrpläne eine Verbesserung. Aber: „Die Streckenführung ist ein Riesenproblem.“