Umweltschutz
Müllkippe Fluss: So viel Dreck landete in den vergangenen Jahren im Wasser
Die Flusspartnerschaften der Alzette und der Chiers fischten in zwei Wochen sechs Tonnen Müll aus den Gewässern. Am Dienstag wurde ein Teil davon zur Schau gestellt. Der Umweltminister warnte dabei vor den Folgen der Wasserverschmutzung.
Die Kayler Lokalpolitiker Marco Lux und Jean Weiler sehen sich mit Umweltminister Serge Wilmes den Müll an, der aus dem Wasser gefischt wurde Foto: Editpress/Julien Garroy
13 Gemeinden haben in den vergangenen zwei Wochen insgesamt sechs Tonnen Müll aus der Chiers, der Alzette und den dazugehörigen Bächen gezogen. Die Säuberung geschah in Zusammenarbeit mit den beiden interkommunalen Flusspartnerschaften der Alzette sowie der Chiers und mit Unterstützung aus Belgien und Frankreich. Am Dienstagnachmittag wurde im Rahmen einer Pressekonferenz ein Teil des aufgesammelten Mülls im Gemeindeatelier in Tetingen zur Schau gestellt.
Berge aus Kleidern, Schuhen, Dosen, Autoreifen, Feuchttüchern, Haushaltsgeräten sowie zahllosen Flaschen und Tüten aus Plastik wurden dafür sorgfältig voneinander getrennt. Ob Lachgasflaschen, Bügeleisen, Batterien, Teile eines Rasenmähers oder gar ein Zementsack: Die gesammelten Gegenstände zeugten davon, dass Flüsse und Bäche zur Müllkippe wurden.
Dieser Haufen Müll lag vor Kurzem noch im Wasser Foto: Editpress/Julien Garroy
Umweltminister Serge Wilmes (CSV) sagte dazu: „Es ist erstaunlich, dass es heutzutage immer noch vorkommt, dass Mitmenschen ihren Müll im Wasser entsorgen – oder zu Hause, und dann wird es fortgespült und läuft über den Kanal ins Wasser.“ Die Gesellschaft müsse für die Verschmutzung und deren Beseitigung einen hohen Preis bezahlen, so Wilmes weiter. Es sei daher wichtig, auf Vorbeugung und Sensibilisierung zu setzen.
Dem Minister zufolge werden bis zum Sommer konkrete Maßnahmen ausgearbeitet, um die Renaturierung landesweit voranzutreiben. Bis dahin werde ebenfalls die nationale Wasserresilienzstrategie vorgestellt. Diese habe zum Zweck, die zukünftige Wasserversorgung und -qualität zu gewährleisten.
„Und wir sind in einer Diskussion mit der Kommission, weil Luxemburg seine Verpflichtungen im Rahmen der Wasserdirektive nicht erfüllen wird“, sagte Wilmes, „wir müssten unsere Gewässer bis 2027 in einen guten ökologischen Zustand bringen, aber wir werden das nicht erreichen. Keines unserer Gewässer wird diese Bedingung erfüllen.“
Die Wasserrahmenrichtlinie
Die EU-Kommission rügte Luxemburg wegen mangelhafter Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Das Tageblatt berichtete bereits Mitte Januar darüber, dass Luxemburg die europäischen Vorgaben noch nicht umgesetzt hat. Die WRRL sah eigentlich vor, dass alle Gewässer der EU-Staaten bis 2015 in einen guten, naturnahen Zustand versetzt werden sollten. Das Großherzogtum profitierte seitdem von Ausnahmeregelungen, um die Umsetzung der Richtlinie hinauszuzögern.
Alle 14 Meter eine Flasche oder Dose
Während der Pressekonferenz machte der Vertreter der Flusspartnerschaft Alzette, Jacques Mersch, darauf aufmerksam, dass die Vermüllung von Flüssen und Bächen seit Langem ein Problem darstelle. Dafür berief er sich auf Beobachtungen aus dem Jahr 1954. In den vergangenen zwei Wochen wurden auf einer Gesamtlänge von 78 Kilometern 47 Kubikmeter Müll aus dem Wasser gezogen. Mersch zufolge lag alle 14 Meter eine Dose oder Plastikflasche.
„Es ist sehr gut und schön, dass der ganze Müll aus dem Wasser gefischt wurde. Aber richtig gut wäre es dann, wenn der Müll gar nicht erst im Wasser gelandet wäre“, sagte schließlich der Bürgermeister von Kayl, Jean Weiler (CSV).
Dosen, die in zwei Wochen aus den Flüssen und Bächen geholt wurden Foto: Editpress/Julien Garroy
Im Gespräch mit dem Tageblatt erläuterte Mersch, dass der in Tetingen abgelieferte Müll im Laufe der Sammelaktion Überhand nahm, sodass einige Container zur Verbrennungsanlage Sidor gefahren werden mussten. Es sei das erste Mal, dass eine großangelegte Flusssäuberung wie diese stattgefunden habe, bestätigte Mersch auf Nachfrage des Tageblatt. Pläne dazu gingen bereits auf das Jahr 2019 zurück, mussten dann allerdings aufgrund der Pandemie abgesagt werden. „Letztes Jahr haben wir dann beschlossen, 2026 eine richtig große Aktion zu organisieren.“ Aus Sicherheitsgründen habe man keine Hilfe durch Freiwillige zugelassen, sondern auf die Mitarbeiter zurückgegriffen. Noch sei unklar, ob eine ähnliche Aktion in den kommenden Jahren wiederholt werde, sagte Mersch.
Jacques Mersch koordinierte die Flusssäuberung Foto: Editpress/Julien Garroy